Historien-Roman von Philipp BlomGeschichten und Geschichte

In seinem ersten Roman „Diebe des Lichts“ greift Philipp Blom in die Vollen und erweist sich einmal mehr als großer Erzähler von Geschichte(n).

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Jetzt auch Romancier: Philipp Blom
Jetzt auch Romancier: Philipp Blom © (c) APA/HELMUT FOHRINGER
 

Eigentlich war es ein logischer Schritt, eine konsequente Entwicklung: Bereits in seinen Büchern über den taumelnden und zerrissenen Kontinent Europa hat der Historiker Philipp Blom nicht vom professoralen Elfenbeinturm aus geschrieben, sondern die Geschichte anhand von greifbaren Menschengeschichten zum Leben erweckt und so buchstäblich begreiflich gemacht. Jetzt hat Blom seinen ersten Roman geschrieben. Er spielt natürlich vor historischem Hintergrund, und einmal mehr erweist sich der gebürtige Hamburger mit Lebenszentrale in Wien als sprach- und denkgewandter Erzähler.

„Diebe des Lichts“ ist die Geschichte des niederländischen Buben Sander, dessen Eltern gegen Ende des 16. Jahrhunderts von spanischen Besatzern ermordet werden. Gemeinsam mit seinem Bruder, den das Gemetzel für immer sprachlos macht, flieht er aus der Heimat, erlernt unterwegs das Handwerk des Blumenmalers, landet in Rom, später in Neapel, wo er zum Vertrauten des Kardinals, der gleichzeitig als Inquisitor wütet, emporsteigt.

Zur Person

Philipp Blom, geb. 1970 in Hamburg, lebt in Wien. Werke (Auswahl): „Der taumelnde Kontinent“, „Die zerrissenen Jahre“, „Böse Philosophen“, „Die Welt aus den Angeln“, „Das große Welttheater“.

Das üppige, barocke Bild, das Blom von dieser grausamen Epoche zeichnet, ist sinnlich und facettenreich. Und aus den Buchstaben kann man die Orte, die er beschreibt, förmlich riechen: den Jasmin, den getrockneten Schweiß, die Pferdepisse, auch die Angst und den Verrat.
„Diebe des Lichts“ ist ein opulenter Historienschmöker, in dem Blom die sprachlichen Gäule nur ab und zu durchgehen und das Geschilderte allzu blumig gerät. Aber kein Wunder bei diesem Füllhorn an Figuren und Themen: Es tobt der Glaubenskrieg zwischen Protestanten und Katholiken, es geht um Wissenschaft, Aberglaube, die Verbrennung von Hexen und Ketzern, um Intrigen, Wein, Weib und Gesang und um Priester, die zwar die Heilige Messe nicht kennen, dafür die aktuellen Opiumpreise. Natürlich geht es auch um Liebe und die Unerfüllbarkeit davon.

Sander, später Sandro della Molina genannt, ist ein Träumer und Getriebener. Je höher er fliegt, desto näher kommt er der Sonne – und das Flügelwachs wird immer weicher. Geschichte und Geschichten fließen in diesem farbenprächtigen Sprachgemälde ineinander. Caravaggio, ein wüster Säufer und Raufbold, taucht auf, Giordano Bruno landet auf dem Scheiterhaufen. Und die Erlösung, nach der sich Sander/Sandro so sehnt, findet nur auf einem Fresko statt. Ein Roman, der strahlt. Die Diebe des Lichts gingen demnach leer aus.

Buchtipp:
Philipp Blom. Diebe des Lichts. Blessing,
478 Seiten, 24,70 Euro.

KK
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