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In WienEuropean Publishing Congress: Europas Pressefreiheit in Gefahr

Bei einem Gipfeltreffen europäischer Medienmacher standen die gefährdete Vierte Gewalt und die digitale Transformation im Mittelpunkt. Drei Design-Preise konnte die Kleine Zeitung erringen.

Thomas Krueger
Thomas Krüger sieht die Pressefreiheit in Gefahr © Oberauer/Apa-Fotoservice/Schedl
 

Die bedrohte Pressefreiheit und die Herausforderungen für etablierte Medien durch die Digitalisierung standen zwei Tage lang im Fokus des "European Publishing Congress" im Wiener Rathaus vor mehr als 300 Teilnehmern. Gleich zu Beginn appellierte Philipp Welte, der „Kampf um die Freiheit“ habe wieder begonnen. "Die Aufgabe der Vierten Gewalt war noch nie so wichtig, aber gleichzeitig auch so bedroht wie heute“, meinte der CEO von Hubert Burda Media. Die erodierende wirtschaftliche Basis der Verlage sei die größte Gefahr, so Welte, der für eine „ausgewogene Plattformregulierung“ von Facebook & Co. plädierte.

Fokus gilt dem Digitalen

Die digitale Transformation der Medien drückt sich auch in einer Umbenennung der 20. Auflage des Gipfeltreffens europäischer Medienmacher aus – aus dem European Newspaper Congress wurde der European Publishing Congress. Unisono meinten die Vertreter etablierter Medien, der Fokus der redaktionellen Arbeit gelte künftig verstärkt dem Digitalen, das Ende des Gratis-Zeitalters im Internet gehe mit diesem Prozess einher.

Facebook und Co. standen auch diesmal am Pranger der Eröffnungsrede von Organisator Johann Oberauer. Er bezeichnete die US-Plattform als einen Piraten, der das Zeitungswesen beschossen hätte: „Und wir haben es nicht erkannt.“ Jetzt könne die Branche nur mehr bestehen, wenn der Wettbewerb abgelegt wird und Medienhäuser aus vielen Schiffen eine Flotte bildeten.

Marina Haydn von "The Economist" als eine der Referenten Foto © Scharf

"Kein einfaches Verhältnis"

Die Keynote zum Kongress hielt Bundeskanzler Sebastian Kurz, der das Verhältnis zwischen Medien und Politik als „nicht allzu einfach“ beschrieb und Pressefreiheit als unabdingbar für eine funktionierende Demokratie bezeichnete.

Hans Spoelman, Projektleiter der niederländischen „fd“, Europas "Zeitung des Jahres 2018", sieht die Trennung bei der Erstellung von Print- und Digitalinhalten als Gebot der Stunde: „Digital arbeiten funktioniert nicht, wenn man sich zugleich auf Print fokussiert.“  Süddeutsche.de-Chefredakteurin Julia Bönisch sieht der Zeitenwende positiv entgegen: Die Digitalisierung biete attraktive Möglichkeiten für mitreißenden, zukunftsträchtigen Journalismus - und sei „Anlass zum Selbstbewusstsein“ im Journalismus. Mehrfach wurden digitale Angebote wie Podcasts, Videos und Newsletter als zukunftsträchtige Medienprodukte beschrieben.

Wie notwendig und gleichzeitig erfolgreich der Wandel von Print hin zu konsequent digitalen Auftritten sein kann, skizzierte Boris Trupcevic, General Manager der kroatischen Tageszeitung 24sata, die wie die Kleine Zeitung zur Styria Media Group gehört. Während im Print-Sektor die Auflage um bis zu 70 Prozent wegbrach, erwies sich die Konzentration auf die digitalen Plattformen für die Kroaten als goldrichtig: Ein Drittel neue Jobs wurden geschaffen, vielfach im Digitalbereich. Drei von vier Werbe-Euro kommen bei 24sata nun aus dem Digitalen. Nicht mehr Page-Views, sondern die Nutzungszeit zähle für die Zagreber Zeitung.

Im Rahmen einer Gala Montagabend wurde Verlegerin Friede Springer für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. "Der Verlag ist mein Leben, ich hänge an meinem Haus", sagte Springer über Springer.

Gefahr in und für Europa?

Die gefährdete Pressefreiheit in Europa war auch am zweiten Kongresstag das zentrale Thema – Thomas Krüger, Präsident der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung, ortet auch in Deutschland und Österreich Formen von Einschränkung der Medienfreiheit.

Krüger nahm auf den jüngsten Jahresbericht von "Reporter ohne Grenzen" Bezug, laut dem sich die Lage der Pressefreiheit in keiner anderen Weltregion so sehr verschlechtert habe wie in Europa. "Die Pressefreiheit ist vielfach bedroht", sagte Krüger. Sie sei nicht nur durch Zensur und Diktatur in Gefahr, sondern es gebe unterschiedliche Mechanismen, etwa durch Naheverhältnisse zwischen Politikern und Journalisten vor allem im Lokaljournalismus, oder dadurch, dass über Social Media Nachrichten ungefiltert verbreitet werden", warnt Krüger.

"Keine Selbstzensur betreiben"

Dieser ging auch auf die aktuelle Diskussion rund um den ORF ein. Er kritisierte die Reaktion der Branche auf die Aussagen von FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky, der ORF-Moderator Armin Wolf nach einem kritischen Interview eine Auszeit nahegelegt hatte. Die Branche habe sich in die Falle der „Selbstzensur“ begebe, als darüber diskutiert wurde, ob Wolf einen Fehler gemacht habe. „Man hätte die Methoden der FPÖ aufdecken und Solidarität mit Journalisten üben sollen.“

Auch Rubina Möhring, Präsidentin von "Reporter ohne Grenzen Österreich", nannte das Abrutschen Österreichs im Pressefreiheitsranking von Platz elf auf Platz 16 "bedenklich".

Drei Preise für die Kleine Zeitung

Die Kleine Zeitung erhielt bei den diesjährigen Verleihungen der European Newspaper Awards drei Auszeichnungen für herausragendes Design, die Kleine Zeitung-Art Director Erich Repe entgegennahm.

2. Tag European Newspaper Congress 2019
Norbert Küpper und Johann Oberauer mit dem ausgezeichneten Art Director Repe Foto © Medienfachverlag Oberauer/APA-Fo

 

 

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