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Glänzender "Sommernachtstraum" im Volkstheater

Eine glitzernde Wundertüte, deren Inhalt nach und nach seinen Zauber versprüht, hat Volkstheater-Direktor Michael Schottenberg dem Publikum zum Ende seiner Amtszeit dargebracht. Sein "Sommernachtstraum" ist derart konventionell, dass er schon wieder unkonventionell ist. Ein glatt polierter Shakespeare, auf dessen Glanz man sich erst einlassen muss. Dann aber kann man ihn mögen.

© APA
 

Hebt sich der Vorhang, sieht man zunächst gleich einmal doppelt: Hans Kudlich hat die Bühne des Volkstheaters gleich noch einmal auf die Bühne gestellt, samt Bühnenbogen und Seitenlogen, in denen Musiker die Inszenierung mit Live-Fanfaren (und Vogelgezwitscher) versorgen. Der Platz vor der Bühne auf der Bühne dient als Herrscherhaus, in das Günter Franzmeier als stoischer Theseus und Claudia Sabitzer als herrische Hippolyta mit ihrem Gefolge durch den Mittelgang feierlich einziehen. Weiße Schirmchen, Federschmuck und venezianische Masken inklusive. Die Hochzeit steht bevor, das Fest kann kommen. Ihr pompöser Auftritt in weißer Schminke und reich bestickten Gewändern (Kostüme: Erika Navas) gibt die Richtung des Abends vor: Hier wird geklotzt, nicht gekleckert. Der Versuch einer zeitgenössischen Interpretation des großen Klassikers ist nicht zu erwarten, soviel wird in den ersten Minuten der Premiere am Freitagabend klar.

Weiß geschminkt und an den Armen mit kunstvollen Tätowierungen ausgestattet sind auch Patrick O. Beck als Elfenkönig Oberon und Martina Stilp als widerspenstige Gemahlin Titania, die um ihren indischen Knaben streiten. Den ersten Zwischenapplaus heimst nach wenigen Minuten die 88-jährige Erni Mangold ein, die als Puck in kurzem Rock, mit nackten Beinen und Wollmütze quietschvergnügt über die Bühne springt. Sucht man in dieser Inszenierung einen Störfaktor im positivsten Sinne, ist es diese mutige Besetzungsentscheidung, die trotz der Komik das Manko mit sich bringt, dass Mangold ihren Text großflächig vernuschelt.

Umso klarer artikulieren sich die jungen Liebenden: Jan Sabo als Lysander und Matthias Mamedof als Demetrius deklamieren die Schlegel-Übersetzung derart hölzern, dass man meinen könnte, es handle sich um eine Fremdsprache. Andrea Bröderbauer als Hermia und Annette Isabella Holzmann als Helena üben sich im geschmeidigen Zickenkrieg. Und so nimmt das Verwirrspiel in der ersten Hälfte des zweieinhalbstündigen Abends etwas schleppend seinen Lauf.

Als wunderbarer Kontrast zum aufgedonnerten Herrschervolk fungiert die tölpelhafte Handwerkertruppe, die das Schauspiel "Pyramus und Thisbe" zum großen Hochzeitsfest probt. Hier ist jede Besetzung ein Volltreffer, am Ende des Abends werden Erwin Ebenbauer als naiv-schnöseliger Klaus Zettel, Rainer Frieb als umtriebiger Spielleiter Peter Squenz oder Tany Gabriel als grenzdebiler Thom Schnauz, der im Stück das Loch in der Wand spielen soll, mit dem größten Applaus bedacht. Hier feiert die Komik ein Fest in den Details, während das routinierte Verwirrspiel der Liebenden eher ermattet.

Fahrt nimmt die Inszenierung dann nach der Pause auf. Die rasch wechselnden Kulissen auf der Bühnenbühne, die auch als Zauberwald fungiert, die Bemühungen Oberons, alles wieder ins Lot zu bringen, und schließlich die grandiose Aufführung der Handwerkertruppe, in der Thomas Kamper in der Rolle der Thisbe dem armen Zettel mit seinem Mundgeruch den Atem raubt - großes Theater ohne Understatement.

Ein paar kleine Hinweise auf die Bedeutung dieses Abends finden sich am Schluss: Zehn Jahre habe man gewacht, nun sei es Zeit, schlafen zu gehen, lässt Franzmeier als Theseus am Ende wissen. Denn: "Die Herrschaft in diesem Haus ist nicht mehr von langer Dauer." Es ist Schottenbergs letzte Inszenierung als Direktor, im Herbst folgt ihm Anna Badora. Schon allein deshalb sollte man sich diesen "Sommernachtstraum" anschauen. In dieser Form wird er sobald wohl nicht mehr an einem großen Wiener Haus zu sehen sein. Langer Applaus für das Ensemble und den scheidenden Schottenberg.

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