AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Hitler-Aquarell: 13.400 Euro für Fälschung

Auktionshaus, das ein angebliches Hitler-Aquarell mit Judenburg versteigerte, fiel auf Schwindel herein. Man verließ sich auf dubiose Zertifikate.

© APA/Privat
 

Seit vielen Jahren gibt es mit angeblichen und tatsächlichen Werken des Diktators Adolf Hitler einen bizarren - und lukrativen - Handel. So mancher blendet in der Aussicht auf viel Geld allerdings auch Vorsicht und Verstand aus. Anders ist nicht zu erklären, warum das britische Auktionshaus "Mullock's" in einer ohnehin höchst umstrittenen Auktion 16 offenbar zumindest zum Teil gefälschte Aquarelle versteigern ließ, die von Hitler stammen sollen. 120.000 Euro haben die Bieter insgesamt dafür auf den Tisch geblättert (wir berichteten).

Das Ganze kam heraus, nachdem die Kleine Zeitung berichtet hatte, dass das versteigerte Bild "Ortschaft am Main" zum Ersten nicht die besagte Ortschaft, sondern die Stadt Judenburg zeigt. Noch dazu machten Leser darauf aufmerksam, dass das Bild nicht im Zeitraum "um 1910" erstellt worden sein kann, da es die Talbrücke zeigt, die erst 1938/39 gebaut wurde. Das Bild wurde laut Auktionshaus dennoch um 13.400 Euro ersteigert.

Dubiose Zertifikate

Ein Anruf bei "Mullock's" ergab nun: Man verließ sich auf dubiose Zertifikate. Eine "Hans O. A. Horvath Hitlerforschung" aus Wien habe das Bild als echt zertifiziert. "Alles, was wir tun können, ist, so viel Beweise wie möglich für die Echtheit von Bildern zu sammeln", sagt dazu Richard Westwood Brooks, Geschichtsspezialist bei "Mullock's". Eine einfache Internetrecherche hätte jedoch bereits ergeben: Den angeblichen "Hitlerforscher" scheint es nicht zu geben.

Das bestätigt auch die in Wien lebende Historikerin und Autorin Brigitte Hamann. "Ich habe über diesen Hans Horvath noch nie etwas gefunden", sagt sie. Auch wenn der Name immer wieder auftaucht. Das Aquarell sei eindeutig eine Fälschung. "Um 1910 war Hitler sicher nicht am Main und 1939 hat er sicher nicht mehr gemalt", erklärt Hamann weiter. "Es gibt von Hitler 50 Mal so viele Fälschungen wie Originale am Markt. Das ist ein lukratives Geschäft."

Bei besagter Versteigerung in Großbritannien waren noch zwei weitere Aquarelle von "Hans O. A. Horvath" zertifiziert. Eines von ihnen heißt "Maria Gern". Jenes Bild hat nicht erst eine Auktion hinter sich. Bereits im Jahr 2005 wurde es auf der Internetplattform eBay versteigert. Um einen Euro hatte es der Bieter damals eingestellt, zehn Tage und 79 Gebote später ging es um 5272 Euro an einen Bieter - ausgerechnet in Großbritannien.

Den Vorwurf der Geschmacklosigkeit von Auktionen mit "Werken" des Nazi-Diktators wehrt das Auktionshaus "Mullock's" übrigens ab. "Wir hören das oft. Aber Hitler ist ein Mann aus der Geschichte", sagt Westwood Brooks. "Wir glorifizieren das Naziregime nicht", fügt er hinzu.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren