Angeheizt wurde der dritte Kessel im Fernwärmewerk in St. Agathen bei Villach bereits vor 14 Tagen und stand beim offiziellen Einheizen mit der Politik am heutigen Freitag schon im Vollbetrieb. Rund eineinhalb Jahre dauerte der Bau, der im Zeitplan und ohne Arbeitsunfall nun offiziell eröffnet wurde. Der Biomassekessel verfügt über eine Leistung von zwölf Megawatt und erhöht an diesem Standort die Erzeugungskapazität von mehr als 28 Megawatt und ist jetzt das größte Biomasseheizwerk der Kelag. Eingeheizt wurde ganz klassisch. „Ein Kollege ist in den Kessel gestiegen und hat ein Feuer gelegt, das dann mit der zugemengten Biomasse immer größer wurde“, erklärt Martin Weinstich, Betriebsleiter der Anlage in St. Agathen.
20 Millionen Euro Wertschöpfung bleibt in der Region
„Die Inbetriebnahme des großen Biomassekessels in St. Agathen ist ein gutes Beispiel für die massiven Investitionen unseres Unternehmens in die Nutzung erneuerbarer Energie“, erklärt Reinhard Draxler, Vorstand der Kelag. „Unser Tochterunternehmen ‚Kelag Energie und Wärme‘ kauft in Kärnten pro Jahr um 20 Millionen Euro Abwärme von Industriebetrieben und Biomasse von Forstbetrieben, das sichert hunderte Arbeitsplätze“, führt Draxler weiter aus.
Vor 40 Jahren wurde der Grundstein zur Fernwärme in Villach gelegt
Die Stadt Villach war bereits in den 1980er-Jahren Vorreiter in Sachen Fernwärme. Damals wurde auf industrielle Abwärme gesetzt, bevor später eine Umstellung auf Erdgas erfolgen musste. „2007 haben wir uns entschieden, Villachs Fernwärme weitestgehend auf erneuerbare Energie umzustellen“, erinnert sich Adolf Melcher, Geschäftsführer der Kelag-Tochter „Kelag Energie & Wärme“. Heute zählt Villach zu den zehn größten und ökologischsten Fernwärmesystemen Österreichs. „Wären wir seit 1986 bei Heizöl geblieben, hätten wir inzwischen 600 Millionen Liter verbrannt!“, erklärte Melcher bei den Feierlichkeiten.
Wärmeabsatz steigt auf 300 Millionen Kilowattstunden
Bis Ende des Jahres wird das Netz um weitere 20 Kilometer auf insgesamt 150 Kilometer erweitert. Insgesamt fließen 32 Millionen Euro in den Netzausbau und den neuen Kessel. Dadurch steigt der jährliche Wärmeabsatz von derzeit 250 auf 300 Millionen Kilowattstunden. Jährlich werden etwa 100 Gebäude neu angeschlossen, mit einem Wärmebedarf von rund zehn Millionen Kilowattstunden.
Die Fernwärme in Villach versorgt nicht nur Haushalte, sondern auch Industrie- und Gewerbebetriebe sowie öffentliche Einrichtungen. Aktuell werden rund 50.000 Wohnungen beheizt – mit einem steigenden Anteil erneuerbarer Energie. Während die Fernwärme derzeit zu 80 Prozent aus Biomasse und industrieller Abwärme gespeist wird, soll dieser Anteil in den kommenden Jahren auf über 90 Prozent steigen. Die Anschlusskosten liegen bei 6000 Euro plus bis zu 20.000 Euro für das Heizsystem. Wo Fernwärme möglich ist, kann seit kurzem auch digital in einem Kundenportal der Kelag eingesehen werden.