„Leider sind wir jetzt nur noch 15 Personen“, sagt Lehrerin Sophie Duller aus der Höheren Lehranstalt für Wirtschaft international (HLW) in St. Veit. 17 Schüler aus der HLW haben sich für das österreichweite „ORF Dok1“-Handyexperiment angemeldet und verzichten bis 24. März auf ihre Smartphones. Duller betreut als Pädagogin das Experiment.

Eine Schülerin hat schon in der ersten Woche aufgegeben. Nun hat eine weitere das Handtuch geworfen. „Ich verstehe es aber. Die Schülerin hat sich ihren Fuß gebrochen. Es fiel ihr schwer, sich abzulenken. Sie konnte nicht rausgehen, keinen Spaziergang machen oder auch keinen Sport betreiben. Daher hat sie aufgegeben“, erklärt Duller.

Die MP3-Player werden täglich benutzt
Die MP3-Player werden täglich benutzt © KK/Privat

Schülern tut die Aktion gut

Und auch die Schüler haben ihre eigenen Bilanzen gezogen. „Für mich ist es wirklich mega, doch gehen mir Apps wie Snapchat, ÖBB-Scotty, WhatsApp und das Immer-Erreichbar-Sein ab. Doch es gibt auch wirklich tolle Vorteile: Ich habe neue Hobbys wie das Häkeln, Rollschuhfahren oder Skateboarden entdeckt. Außerdem hab ich einfach viel mehr Zeit. Also hat es eigentlich fast nur Vorteile.“

Eine weitere Schülerin meinte: „Seitdem ich mein Handy gesperrt habe, fühle ich mich gut. Ich habe angefangen meine Schulaufgaben schon an dem Tag zu machen, an dem ich diese bekomme und ich lerne auch wirklich für Tests. Ich habe angefangen, wieder mehr zu lesen und habe das Backen für mich entdeckt.“

Ein Kalender für den Countdown wurde gebastelt
Ein Kalender für den Countdown wurde gebastelt © KK/Privat

„Mir geht es im Moment sehr gut und ich hoffe, dass ich nach dieser Zeit nicht wieder so viel am Handy bin. Ich will mir Limits setzen, um meine Zeit am Handy zu verringern. Im Moment vermisse ich aber ein wenig Snapchat und Instagram. In meiner Freizeit lese ich jetzt wieder mehr und backe sehr viel für meine Freunde und Familie“, schreibt eine andere Schülerin.

Ein Schüler möchte auch im Nachhinein aufs Handy verzichten: „Die ersten Tage war es etwas komisch, da ich nicht mehr alles einfach nachschauen konnte, aber dieses Gefühl ist längst verflogen. In meiner Freizeit mache ich nun viele neue Dinge (vor allem lesen, backen oder etwas Kreatives). Die Zeit ist auch richtig schnell vergangen. Auch wenn das Experiment endet, plane ich, meine Handyzeit langfristig zu verkürzen.“

Zielgerade

Für die restlichen 15 Schüler ist die Pädagogin positiv gestimmt. „Ich glaube, die restlichen Tage werden sie noch schaffen. Die Schüler, die in Finnland waren und die Light-Version machen, hatten zwar das Verlangen, etwas zu posten, aber das haben sie überstanden. In der Partnerschule in Finnland haben sie an Workshops teilgenommen und mussten quasi das Handy für ein paar Aufgaben verwenden“, erklärt Duller. Bei der Light-Version wird nicht auf das Smartphone verzichtet, sondern nur auf bestimmte Apps.

Am meisten vermissten die Schüler das Hören von Musik und Podcasts. „Sie setzen vermehrt auf MP3-Player. Aber wir haben auch schon gehört, dass ihnen mittlerweile die Snapchat-App abgeht.“