Wirtschaft fördern, Arbeitsplätze sichern und neue schaffen, Kaufkraft stärken und Abwanderung verhindern: Das sind die Ziele des neuen Regionalwirtschaftlichen Programms (RWP) für den Bezirk Lienz. 20 Millionen Euro stehen für die kommenden zehn Jahre bereit, zwei Millionen Euro jährlich. Damit folgt das RWP Osttirol der Natura-2000-Förderung, die vom Jahr 2016 an bis heuer zehn Millionen Euro parat stellte. Rund acht Millionen Euro davon wurden abgerufen, 219 konkrete Projekte gefördert, was wiederum circa 100 Millionen Euro an Investitionen mit sich brachte. Ziele, Entwicklungsschwerpunkte, Umsetzungsstrategien sowie ein Aktionsplan liegen nun final vor.
Förderprogramm für ganz Osttirol
Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) präsentierte nun bei der „Vorzeigefirma“ Makkon in Matrei gemeinsam mit dem derzeitigen Präsidenten des Bundesrates und Bürgermeister von Oberlienz, Markus Stotter (ÖVP), die Eckpunkte. Ebenfalls mit auf der Bühne: Dietmar Ruggenthaler, Bürgermeister von Virgen und Obmann des Regionsmanagement Osttirol (RMO) sowie Matthias Scherer, Bürgermeister von Obertilliach. Dass die drei Bürgermeister gleichzeitig als Obmänner die drei Osttiroler Planungsverbände (Iseltal, Lienzer Talboden und Oberland) repräsentierten, war kein Zufall. Anders als das Natura-2000-Programm, das nur fürs Iseltal galt, wird das neue RWP für den gesamten Bezirk ausgerollt.
„Die bisherigen Programme haben in Osttirol super gegriffen. Der Bezirk Lienz hat sich unglaublich entwickelt, es gab noch nie so viele Arbeitsplätze, große Industriefirmen haben sich niedergelassen“, erklärte der Landeshauptmann, der auf die „budgetär herausfordernde Zeit“ verwies. „Dennoch wollen wir konkrete Projekte unterstützen und die positive Entwicklung des Bezirkes weiter fördern.“ Wie wichtig das neue RWP sei, würde die Bevölkerungsentwicklung zeigen. „Um sich gezielt gegen Abwanderung zu stemmen, braucht es weiterhin erfolgreiche Betriebe und attraktive Gemeinden“, sagte Mattle und führte aus: „Wenn das Land in den kommenden Jahren hier 20 Millionen Euro investiert, werden Investitionen ausgelöst, die um ein Vielfaches höher sind.“
Die Ziele des RWP Osttirols sind: Daseinsvorsorge stärken, Ortskerne lebendig halten, Wirtschaft und Gesellschaft bei Transformationen unterstützen sowie Strategien schaffen, dem demographischen Wandel entgegenwirken. „Ganz Tirol wächst – nur in Osttirol nimmt die Bevölkerung ab. Strategien, um dies zu ändern, sind zentrales Anliegen dieses Programms. Wir müssen Osttirol mit zukunftsfitten Arbeitsplätzen für junge Menschen noch attraktiver machen“, mahnte Bundesratspräsident Stotter. „Auch in anderen Bereichen müssen wir weiter konsequent arbeiten, um nicht den Anschluss zu verlieren – sei es im Bereich der Digitalisierung oder dem nachhaltigen Tourismus.“
Vier Aktionsfelder – viele Möglichkeiten
Das RWP sieht vier Aktionsfelder vor: Attraktivierung des Tourismus und der Freizeitinfrastruktur, Steigerung der Innovation und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, Energie- und umweltbezogene Maßnahmen, Sondermaßnahmen in der Daseinsvorsorge und Standortqualität sowie regionale Einzelmaßnahmen. „So können vielfältige Projekte gefördert werden“, erläuterte Bürgermeister Scherer. Förderungen ansuchen können Unternehmen gleichermaßen wie Gemeinden, Tourismusverbände oder auch Vereine. Beim Antrag stehen das RMO sowie die Wirtschaftskammer beratend zur Seite beziehungsweise fungieren als erste Anlaufstelle.
Förderungen von 20 bis 50 Prozent
Noch im März soll das RWP von der RMO-Generalversammlung sowie der Landesregierung final beschlossen werden. Die Förderungen können von 20 Prozent für betriebliche Projekte bis zu maximal 50 Prozent der Gesamtkosten etwa bei Ortskernbelebungen und Leerstandsaktivierungen betragen. Vergeben werden sie vom Land auf Basis der Empfehlung eines Fördergremiums. In diesem sind Experten der Wirtschaftskammer, der Arbeiterkammer, der Landwirtschaftskammer, des AMS, des Tourismusverbands, des Nationalparks Hohe Tauern sowie des RMO vertreten.
Ruggenthaler blickte noch einmal auf das „Erfolgsmodell“ Natura 2000 Region Isel zurück: „Das hat gezeigt, welche Wirkung solche Programme entfalten und wie viel Leistungsfähigkeit und Intelligenz in dieser Region stecken.“ Als Beispiel nannte der Bürgermeister von Virgen den Iseltrail, der sonst „schlichtweg nicht umsetzbar gewesen“ sei. Auch der Hausherr der Veranstaltung, Makkon-Geschäftsführer Markus Köll, bekam von allen Seiten Lob. Nicht ohne Grund: Von 1,8 Millionen Euro im Jahr 2019 konnte das Unternehmen für Sondermaschinenbau und Automatisierungslösungen seinen Umsatz auf nun 6,8 Millionen Euro steigern. Auch dank Natura 2000. Köll: „Die Förderungen waren für uns wichtige Unterstützung bei der Erweiterung unseres Betriebsgebäudes und Ermöglichung der Teilefertigung mit CNC-gesteuerten Werkzeugmaschinen.“
Abschließend erläuterte Mattle, dass nun auch die Initiative der Unternehmen und der Bevölkerung gefragt sei. „Das Land ist der Geldgeber, aber die ganz großen Entscheidungen werden im Bezirk gefällt. Das Programm ist nur der Impuls, es braucht das Pünktchen auf dem I wie bei der Firma Makkon, um schlussendlich eine Investition zu tätigen.“