51.882 Menschen lebten heuer zu Jahresbeginn im Bezirk Wolfsberg – wie die vorläufigen Daten der Statistik Austria zur Bevölkerungsentwicklung zum 1. Jänner 2026 zeigen. Bezirksweit hatten damit um 36 Personen (plus 0,07 Prozent) mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres ihren Hauptwohnsitz im Lavanttal gemeldet. Knapp acht Prozent der Lavanttalerinnen und Lavanttaler – in absoluten Zahlen ausgedrückt 4090 Personen – besitzen keine österreichische Staatsbürgerschaft – um 251 Personen (plus 6,54 Prozent) mehr als zum Stichtag 1. Jänner 2025.
Nachdem der Bezirk seit rund 25 Jahren durchgehend kontinuierlich Einwohnerinnen und Einwohner verlor – seit 2002 bildet das Zentrale Melderegister (ZMR) die Datengrundlage für die Erfassung des Bevölkerungsstandes in Österreich – gelang damit nun heuer erstmals die Trendwende.
Zuzug aus dem Ausland
Fünf der neun Gemeinden konnten zum 1. Jänner 2026 im Vergleich zum Vorjahr zulegen (siehe dazu auch die Info-Box unten). Mit einem Plus von 1,17 Prozent (plus 28 Personen) fiel der Bevölkerungszuwachs prozentual am höchsten in der Marktgemeinde Frantschach-St. Gertraud aus, in der heuer zu Jahresbeginn 2422 Menschen lebten. „Wir merken jetzt, dass unsere Maßnahmen zur Hebung der Lebensqualität greifen“, sagt Bürgermeister Günther Vallant (SPÖ) etwa mit Blick auf den im Vorjahr neu eröffneten Kindergarten. Darüber hinaus hätte Vallant zuletzt auch einen verstärkten Zuzug aus dem Ausland beobachtet. „Es wurden viele leerstehende Höfe und Häuser gekauft – vor allem von Deutschen“, berichtet er. Laut Statistik Austria lebten heuer zu Jahresanfang 353 nichtösterreichische Staatsbürger in Frantschach-St. Gertraud – immerhin um 45 Personen mehr als zum Stichtag 1. Jänner 2025 (plus 14,61 Prozent).
Welche Rolle die im Dezember des Vorjahres in Betrieb gegangene Koralmbahn für das Bevölkerungsplus spielt? „Ich stelle bei jeder Wohnungsvergabe die Frage, warum die Menschen zu uns ziehen. Ein einziges Mal sagte mir bis jetzt ein junger Mann aus Graz mit familiären Wurzeln aus Frantschach-St. Gertraud, dass er seine Wohnung dort aufgibt und künftig mit der Bahn zur Arbeit pendelt“, schildert Vallant eine persönliche Begebenheit. Nichtsdestotrotz sei Vallant, der auch Präsident des Kärntner Gemeindebundes ist, davon überzeugt, dass die neue Südstrecke künftig dem gesamten Lavanttal einen Aufschwung bescheren werde.
Trendwende durch die Koralmbahn
Immerhin prognostiziert auch die Standortstudie des Joanneum Research dem vom Bevölkerungsschwund geplagten Lavanttal durch „das Vorhandensein beziehungsweise den Zugang zu einem Bahnhof der Koralmbahn“ ein zumindest um knapp zwei Prozentpunkte höheres Einwohnerplus. In St. Paul gelang nach einer langen Talfahrt – seit Einführung des ZMR ging es jeweils nur von 2005 auf 2006 (plus acht Bewohner), von 2008 auf 2009 (plus zwei Einwohner) sowie von 2019 auf 2020 (plus zwei Bewohner) aufwärts – heuer bereits eine (erste) Trendwende. Die Zahl der Einwohner kletterte zum 1. Jänner im Vergleich zum Jahresbeginn des Vorjahres von 3144 auf 3178 (plus 34 Personen) – wodurch St. Paul mit einem Plus von 1,08 Prozent prozentual den zweithöchsten Zuwachs im bezirksweiten Gemeindevergleich verzeichnet. „Zuletzt hat man schon gesehen, dass die Kurve immer flacher geworden ist“, freut sich Bürgermeister Stefan Salzmann (SPÖ), der die positive Entwicklung auch an der Nachfrage nach Wohnungen und Baugründen ablesen könne.
Ihren Hauptwohnsitz in die Lavanttaler Marktgemeinde verlegen würden vor allem erwerbstätige Menschen im Alter von 25 bis 50 Jahren aus dem Inland, die dann von St. Paul, wo man vergleichsweise „günstig“ leben könne, mit der Bahn nach Klagenfurt oder Graz pendeln würden.. „Ein ganz wichtiger Faktor ist auch die Kinderbetreuung. Wir haben über 100 Betreuungsplätze für ein- bis fünfjährige Kinder – das ist viel“, hebt Salzmann hervor.
„Abgeschnitten“ von der Südstrecke
Um jeweils 0,90 Prozent schrumpften zum 1. Jänner 2026 etwa die Stadtgemeinde Bad St. Leonhard und die Gemeinde Preitenegg im Vergleich zum Vorjahr. In absoluten Zahlen verlor Bad St. Leonhard im Vergleichszeitraum 38 Einwohner – und verzeichnet somit nur mehr 4206 Einwohner. „Leider sterben bei uns mehr Menschen als geboren werden“, weist Bürgermeister Dieter Dohr (Liste Dohr) mit der negativen Geburtenbilanz auf ein zentrales Merkmal des demografischen Wandels hin, von dem die meisten Gemeinden im Lavanttal betroffen sind. Um diesem Trend gegenzusteuern – in den vergangenen zehn Jahren (1. Jänner 2016: 4412 Einwohner) ging es in der drittgrößten Lavanttaler Stadt bei der Einwohnerzahl bis auf 2019 kontinuierlich bergab – wolle man Bad St. Leonhard und seine Ortschaften noch „lebenswerter“ machen – unter anderem mit einer „Wohnungsoffensive“: „Die Gemeinde hat zwölf Wohnhäuser mit 108 Wohnungen. Sechs Häuser wurden bereits saniert, drei sind heuer dran und drei fehlen dann noch“, sagt Dohr.
Von der Koralmbahn könne seine Gemeinde jedenfalls nicht profitieren: „Davon sind wir abgeschnitten, weil auf die Anbindung zum Red-Bull-Ring in Spielberg vergessen wurde“, bedauert der Bürgermeister vergebene Chancen für das Obere Lavanttal und ergänzt: „Von Bad St. Leonhard ist man mit dem Auto schneller in Graz als mit der Bahn.“
Mangel an leistbaren Wohnungen
883 Menschen hatten heuer zu Jahresbeginn ihren Hauptwohnsitz in Preitenegg gemeldet, womit die kleinste Lavanttaler Gemeinde im Vergleich zum Stichtag 1. Jänner 2025 acht Bewohner einbüßte. „Wir haben in der Bevölkerung einen ziemlich hohen Altersdurchschnitt“, nennt der Bürgermeister Thomas Seelaus (SPÖ) eine der Ursachen für die Entwicklung in der Kommune, in der sich die Abwärtsspirale seit 2022 durchgehend weiterdreht. Während die Gemeinde im Rahmen des Baulandmodells Sonnensiedlung – bei dem in der ersten Reihe bereits fünf von sechs Parzellen verkauft wurden – heuer weitere Grundstücke in der zweiten Reihe parzellieren werde, fehle es an Wohnungen. „Bei uns sind alle Gemeindewohnungen belegt, deshalb wandern junge Menschen ab“, bedauert Seelaus, der sich weiterhin mit allen Kräften darum bemühen werde, ein soziales Wohnbauprojekt nach Preitenegg zu bekommen.
Zu Jahresbeginn vor 20 Jahren lebten – wie ein Blick in die Daten der Statistik Austria zeigen – immerhin noch 1085 Einwohner lebten.