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Sommergespräche

Heinz Weixelbraun: "Eigentlich sollte jeder Wutbürger sein"

Der Schauspieler Heinz Weixelbraun (49) über Sehnsucht nach Klagenfurt, die Kärntner Politik und seine Zeit bei "Kommissar Rex".

© KK/Holzner
 

Wenn die Rede auf Ihre alte Heimat Kärnten kommt: Was schießt Ihnen als Erstes in den Kopf?

HEINZ WEIXELBRAUN: Je älter man wird, desto mehr hat man Heimweh, die Sehnsucht wird immer stärker. Ich bin jetzt 49 Jahre alt und denke immer mehr: Könnte ich dort noch leben? Wie wäre es, wenn ich dort leben würde?

Wie wäre es denn?

WEIXELBRAUN: Die politischen Verhältnisse sind eh in aller Munde. Man denkt sich: Wie kann man ein so schönes Land den Idioten und Zynikern überlassen? Ich würde wahnsinnig gern mehr machen in Kärnten, aber ich bin eben abhängig von Aufträgen.

Geboren sind Sie in Kolbnitzgraben (Bezirk Spittal), wo aber liegt ihr Heimathafen?

WEIXELBRAUN: In Klagenfurt, da lebt mein Bruder. Ich bin mit Oliver Welter von "Naked Lunch" befreundet und mit Gerhard Fresacher (Anm.: Regisseur). Ein wunderbarer Mensch, mit dem ich gerne in Kärnten zusammenarbeiten würde. Aber das scheitert an finanziellen Hürden.

Wann sind Sie das letzte Mal in Kärnten aufgetreten?

WEIXELBRAUN: Vor drei Jahren in Villach. Da habe ich den "Patrioten" gespielt, ein Stück über den Briefbombenbauer Franz Fuchs von Felix Mitterer. Was mir da an Sympathie entgegengeschwappt ist, hat mich umgehauen. Es gab jeden Abend Standing Ovations, das war unglaublich.

Weil der Hunger nach Kunst in Kärnten größer ist als im kulturell gesättigten Wien?

WEIXELBRAUN: Ich weiß es nicht. Ich glaube, dass Kunst in Kärnten etwas Natürliches ist. In Wien macht man es zum Geldverdienen. Dort wird einem alles vorgekaut, da gibt es schon lange keine Avantgarde mehr. Die findet man in Kärnten, wo sie tiefer verwurzelt ist, weil es sonst nichts gibt.

Wie erklären Sie Ihren Wiener Freunden Kärnten?

WEIXELBRAUN: Das hängt von meiner Tagesverfassung ab. Ich bin manchmal ein glühender Verteidiger. Manchmal bin ich aber sehr grantig und sage das auch.

Die schlechte soziale Absicherung für Künstler in Österreich gibt oft Anlass zur Kritik.

WEIXELBRAUN: Ja, ich bin es leid, dass diese nicht so klappt, wie es die Künstler verdienen würden. Immerhin sind sie ja Repräsentanten einer Kultur.

Führen Sie das auf mangelnde Wertschätzung zurück?

WEIXELBRAUN: Ja, das wird immer spürbarer. Kunst wird vom Bürgertum getragen, von Menschen mit Bildungshintergrund. Aber davon bleiben immer weniger übrig.

Dafür gibt es jetzt Wutbürger.

WEIXELBRAUN: Eigentlich sollte ja jeder ein Wutbürger sein.

Worauf sind Sie wütend?

WEIXELBRAUN: Auf die Entdemokratisierung des Landes. In Kärnten ist das besonders schlimm, über Jörg Haider hat man einst nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen.

Gegen seine politischen Erben gehen jetzt viele Menschen auf die Straße.

WEIXELBRAUN: Gut so. Aber ich habe immer noch das Gefühl, in Kärnten herrscht eine gewisse Ferien-Lethargie. Wenn das Wetter schön ist, gehen die Menschen an den See. Wer will da demonstrieren?

Wofür oder wogegen würden Sie demonstrieren?

WEIXELBRAUN: Ich kann Ihnen sagen, wogegen ich früher demonstriert habe: den Heimatdienst, das Ulrichsbergtreffen, rechte Fackelzüge. Ich habe als Gymnasiast in Klagenfurt Lesungen gemacht mit selbst vorgetragenen Gedichten. Auch für die Zeitung "Demokratie" habe ich geschrieben. Chefredakteur war der spätere Haider-Sprecher Karl-Heinz Petritz (Anm.: heute Investor und Berater des Klagenfurter FPK-Bürgermeisters).

Sie wurden auch durch "Kommissar Rex" bekannt. Inzwischen spielen Sie nur mehr auf der Bühne, im ernsten Fach. War das eine bewusste Entscheidung?

WEIXELBRAUN: Also ernst war ich vorher schon. "Rex" war nur ein kurzer Wechsel in die Popkultur.

Des Geldes wegen?

WEIXELBRAUN: Jeder macht das, um Geld zu verdienen. Beim "Rex" hat damals jeder von Rang und Namen mitgespielt.

Was hat Ihnen das gebracht?

WEIXELBRAUN: Ich habe durch die Kontinuität und Routine viel gelernt. Man muss schnell sein, bekommt ein Gespür für Drehbücher, eine große Erfahrung.

Reizt Sie dieses Genre auch heute noch?

WEIXELBRAUN: Bei einer US-Serie wie "Scrubs" wäre ich unglaublich gern dabei: Die Bücher, die Schauspieler, der Witz. Das könnte ich mir vorstellen.

Den Bergdoktor?

WEIXELBRAUN: Nein! Dafür wäre ich auch die falsche Besetzung.

Was kommt als Nächstes?

WEIXELBRAUN: Es gibt ein großes internationales Projekt mit Sabine Mitteregger von einem österreichischen Dichter. Aber ich darf noch nicht darüber sprechen.

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