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Kärntner des TagesGert Prix ist vieles, nur kein Museumsstück

Der Musiker, Lehrer und Museumsbetreiber Gert Prix ist nicht nur gerade 60 geworden, sein „Eboardmuseum“, das weltgrößte seiner Art, feiert bald den zehnten Geburtstag.

Prix im Museum. Das tragbare Keyboard wurde, laut ihm, erfunden, damit auch Keyboarder zwischendurch eine Frau beeindrucken können
Prix im Museum. Das tragbare Keyboard wurde, laut ihm, erfunden, damit auch Keyboarder zwischendurch eine Frau beeindrucken können © Hannes Krainz
 

Fast wäre aus seiner musikalischen Laufbahn nichts geworden – und Schuld daran war eine Rothaarige. "Ich habe mit sieben Jahren angefangen am Klagenfurter Konservatorium Klavier zu lernen, aus schwerwiegenden Gründen habe ich dann aber mit etwa zwölf wieder aufgehört", sagt Gert Prix, seit Montag 60-jähriger Musiker, Lehrer und Museumsbetreiber. Diese Rothaarige hieß Wilma und war immer im Fernsehen zu sehen, wenn gerade Klavier geprobt werden sollte. Aber am Ende verloren "Die Feuersteins" doch gegen die Musik und auch gegen eine andere Zeichentrick-Ikone.

Jetzt, ein paar Jahrzehnte, die man Prix nicht ansieht, später, gibt es einen guten Grund, zurückzuschauen. Seine Sammlung an elektronischen Tasteninstrumenten, von der ersten Hammond-Orgel bis zum modernsten Synthesizer, wuchs und wuchs, zuerst über das Fassungsvermögen der privaten Wohnung, dann über eine bereits öffentliche Zwischenstation hinaus. Seit genau zehn Jahren gibt es nun das Eboardmuseum am Klagenfurter Messegelände. 1700 Instrumente sind ausgestellt, auf denen Weltstars wie Stevie Wonder, Ray Charles oder Udo Jürgens gespielt haben. In dieser Zeit ist das Museum zum weltgrößten seiner Art geworden.

Das Jubiläumswochenende

Konzerte.
Am 5. Oktober, genau am 10. Geburtstag des Museums, spielt Ex-Uriah-Heep Ken Hensley mit Band (20 Uhr). Am Freitag, 6. Oktober, spielt die, laut Gert Prix, "weltbeste Deep-Purple-Tribute-Band" Perfect Strangers (20 Uhr), am Samstag, 7. Oktober, wird zur "Langen Nacht der Museen" geladen (18 Uhr).

Reservierung.
0699/19 144 180.

Prix ist aber kein Museumsdirektor, wie man ihn sich vorstellt. Das "Museale" ist nicht seine Sache. Zwar bewahrt er mit seinen Instrumenten einen wichtigen Teil der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts auf, seine "Museumsstücke" sind aber nicht hinter Glas und Absperrseil. Man darf sie anfassen, auf ihnen spielen und Prix setzt sich selbst gerne dazu und zeigt, was mit diesen technischen Wunderwerken alles möglich ist.

Die Lockerheit hat auch mit dem zweiten Standbein zu tun, der Live-Musik. Hier kommt wieder der erwähnte Zeichentrick-Held ins Spiel. Zwar endete die erste Phase der Musikausbildung mit zwölf, die erste eigene Band "Sir Donald", benannt nach Donald Duck, folgte aber bald. "Es war eine fürchterlich schlechte Band", sagt Prix, der damals 15 war. "Wir haben bei einem Bandwettbewerb ,Born to be wild' gespielt und in der Zeitung ist gestanden, es war eine Eigenkomposition."

Gert Prix' erste Band "Sir Donald" im Jahr 1974 (Prix ganz rechts)
Gert Prix' erste Band "Sir Donald" im Jahr 1974 (Prix ganz rechts) Foto © Privat
Ein Jahr später wurde mit Heinz Köchl und dem heutigen Landesrat Rolf Holub "Three Tight" gegründet. In 26 Jahren und 5000 Auftritten erwarb sich die Band einen legendären Ruf – nicht nur rund um den Wörthersee, wo quasi in jedem Lokal gespielt wurde. Im Jahr 2000 folgten dann die "Beach Band", wieder mit Holub, und diverse "Tribute-Geschichten", vor allem im Museum.

Prix hatte "tolle Angebote, als Profimusiker bei Bands einzusteigen", hat diese aber abgelehnt. "Es tut mir nicht leid", sagt der Klagenfurter. "Ich bin zu sehr ,homeward bound'. Als Profimusiker ist man oft gezwungen, Sachen zu machen, die man nicht unbedingt tun will."

Auch abgesehen von Museum und Bühne ist die Musik Teil seines Lebens. Er unterrichtet seit 32 Jahren Mathematik, Informatik und eben Musik. Derzeit ist der Beatles-Fan Lehrer an der NMS in Waidmannsdorf. "Ich bin nicht unstreng und verlange von den Schülern viel, alles andere wäre ihnen gegenüber unfair." Aber er schätzt es, dass das Verhältnis inzwischen amikaler geworden ist. "Früher war Schule irrsinnig autoritär, unfreundlich und Schüler wurden oft niedergemacht."

Gert Prix in Aktion bei seinem Geburtstagsfest am Freitag im Eboardmuseum
Gert Prix in Aktion bei seinem Geburtstagsfest am Freitag im Eboardmuseum Foto © Helge Bauer
Prix, dessen Lieblingsplatte übrigens Procol Harums "Live: In Concert with the Edmonton Symphony Orchestra" ist, macht viel, seine 18-Stunden-Tage sind genau durchgeplant. Sein Lebenstempo ist hoch. Derzeit arbeitet er nebenbei noch an mehreren Büchern, unter anderem an "The ultimate Hammond-Book". "Ich mache all das gerne", sagt er, "ich kann Arbeit und Freizeit überhaupt nicht trennen." Da passt es, dass seine Frau Gerti Prix, mit der er seit 39 Jahren zusammen ist und die sich beruflich um verletzte Sportler kümmert, im Museum mitarbeitet, obwohl sie "ursprünglich keinen rechten Zugang zur Musik hatte". Aber ein Lied liegt ihr, darf vermutet werden, doch sehr am Herzen. "Einfach du" hat Prix für sie als Geburtstagsgeschenk geschrieben. Jetzt, zu seinem Geburtstag, hat er sich selbst beschenkt, bei der Feier im Museum ist er natürlich live auf der Bühne gestanden.

Das Eboardmuseum

1700 Instrumente.
Es sind Jahrzehnte der Leidenschaft für elektronische Tasteninstrumente in all ihren Formen, die sich im Eboardmuseum zeigen. Auf 1700 Quadratmetern zeigt Gert Prix mit seinem Team Peter Mayr, Manfred Jammer, Karl Salbrechter, Tom Piber und Prix’ Ehefrau Gerti 85 Jahre Musikgeschichte. 1700 Instrumente sind zu sehen und gerne auch zu hören. Und fast jede Woche gibt es hier auch ein Konzert.

Infos.
Eboardmuseum, Klagenfurt, Florian-Gröger-Straße 20. Geöffnet: Täglich, von Sonntag bis Freitag, 14 bis 19 Uhr, Samstag nach Voranmeldung. www.eboardmuseum.com.

 

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