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GeschichteAuf den Spuren des schwarzen Goldes

Die Einstellung des Kohlebergbaus hat das Lavanttal 1968 in eine tiefe wirtschaftliche Krise gestürzt. Das Museum Wolfsberg widmet dem Schicksalsthema nun eine sehenswerte Sonderausstellung.

Viele Exponate sind Leihgaben ehemaliger Bergleute oder deren Familien
Viele Exponate sind Leihgaben ehemaliger Bergleute oder deren Familien © Helmuth Weichselbraun
 

Man sieht den Menschen die harte Arbeit an. Die Mühen und Gefahren unter Tage haben sich in die Gesichter der Bergleute eingegraben. Sie blicken stolz in die Kamera, aber nicht zufrieden oder gar überheblich, sondern hoffnungsvoll. Denn zum Zeitpunkt der Aufnahme lag die Unsicherheit längst wie eine unsichtbare dunkle Wolke über dem Tal: Bald würde es aus sein mit dem Kohlebergbau und damit mit dem schweren, aber halbwegs gut bezahlten Job, der in vielen Familien über Generationen Tradition hatte.

Tiefenschärfe zeichnet nicht nur die Fotos und die Video-Interviews mit Zeitzeugen, sondern die gesamte Sonderausstellung „Glück auf, Bergleut! Der Lavanttaler Kohlebergbau“ aus. Sie wurde am Freitag im Museum im Lavanthaus in Wolfsberg eröffnet und widmet sich dem Thema umfassend, wie es bisher noch nie der Fall war: von der Entstehung der Lagerstätte des schwarzen Goldes vor 20 Millionen Jahren, über die Geschichte des von Beginn des 19. Jahrhunderts bis 1968 betriebenen Bergbaus und dessen vielschichtigen sozialen Aspekten bis zu den Sicherungsarbeiten, die zum Teil bis in die Gegenwart andauern.

Die Gestalter der Ausstellung: Nikolaus A. Sifferlinger, Alexandra Hatz, Igor Pucker, Christine Ragger (von links) Foto © Helmuth Weichselbraun

„Die Lavanttaler Kohlebergbau-Gesellschaft, kurz LAKOG, ist mit bis zu 2000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber im Tal gewesen. An Löhnen hat man jährlich etwa 90 Millionen Schilling ausbezahlt“, sagt Museumsdirektor Igor Pucker. Die Schließung des Betriebes war damals für die ganze Region eine wirtschaftliche Katastrophe. Trotz des Wissens, dass die Lagerstätte um 1973 ausgebeutet sein würde, kam das Ende überraschend und tragisch: Bei einem Grubenbrand verloren im November 1967 fünf Bergmänner ihr Leben. Die Folgen machten den Betrieb noch unwirtschaftlicher als er ohnehin schon war. Am 31. März 1968 wurde er geschlossen.

Rückblick: Bergbau und Grubenbrand

Sogenannte „Klaubfrauen“ in der Kohleseperation im Kohlebergbau St. Stefan im Lavanttal in den  1930er-Jahren

Nikolaus Sifferlinger

Bergleute vor dem Förderturm Wolkersdorf um 1965

Nikolaus Sifferlinger

Strebmannschaft im Stollen in den 1960er-Jahren

Nikolaus Sifferlinger

Schlosser und Pumpenwärter unter Tage

Nikolaus Sifferlinger

Verzimmern der Van-Wersch-Kappen an der Strebfirste, 1965

Nikolaus Sifferlinger

Glimmerwerksarbeiter im Jahr 1949 in St. Leonhard an der Saualpe

ARCHIV VALENTIN HAUSER

Die Glimmerwekrskapelle in St. Leonhard an der Saualpe etwa im Jahr 1950

ARCHIV VALENTIN HAUSER

Archivbild vom Grubenunglück 1967 in St. Stefan

: kk/wasserundfeueruntertage

Archivbild vom Grubenunglück 1967 in St. Stefan

: kk/wasserundfeueruntertage

Archivbild vom Grubenunglück 1967 in St. Stefan

: kk/wasserundfeueruntertage

Archivbild vom Grubenunglück 1967 in St. Stefan

: kk/wasserundfeueruntertage

Archivbild vom Grubenunglück 1967 in St. Stefan

: kk/wasserundfeueruntertage

Archivbild vom Grubenunglück 1967 in St. Stefan

: kk/wasserundfeueruntertage

Fünf Bergleute verloren bei dem Grubenbrand unter Tage ihr Leben, nur vier konnten bestattet werden, ein Kumpel wurde nicht mehr gefunden.

: kk/wasserundfeueruntertage

Archivbild vom Grubenunglück 1967 in St. Stefan

: kk/wasserundfeueruntertage

Archivbild vom Grubenunglück 1967 in St. Stefan

: kk/wasserundfeueruntertage
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Ein Teil der Ausstellung ist den Frauen im Bergbau gewidmet, die man „Rumpelweiber“ nannte. „Wo dies maschinell nicht möglich war, haben sie die Kohle vom tauben Gestein getrennt“, weiß Kuratorin Christine Ragger. Viele Fotos und Exponate sind Leihgaben von Privatpersonen. „Offiziell bewahrt hat man nichts. Im Gegenteil. Man schien bemüht, die Spuren des Bergbaus zu tilgen“, sagt Nikolaus A. Sifferlinger. Der Professor an der Montanuni Leoben ist Lavanttaler, bemüht sich seit Jahren um die Erinnerung an die Bergbautradition im Tal und hat die Ausstellung als wissenschaftlicher Berater maßgeblich mitgestaltet.

Die Ausstellung

„Glück auf, Bergleut! Der Lavanttaler Kohlebergbau“ ist im Museum im Lavanthaus in Wolfsberg noch bis einschließlich 31. März 2018 zu sehen (in den Sommermonaten immer Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr). Informationen im Internet: www.museum-lavanthaus.at

Begleitend zur Schau wird es Veranstaltungen und sogenannten Relikte-Touren geben. „Für die Betroffenen war und ist es kein leichtes Thema“, gibt Pucker zu. „Aber 50 Jahre danach ist es an der Zeit, diesen Teil unserer Sozial- und Industriegeschichte aufzuarbeiten und anschaulich zu machen.“ Teile der Sonderausstellung, die bis 31. März 2018 zu sehen ist, sollen deshalb dauerhaft ins Museum integriert werden.

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