503 Lobbyisten in GlasgowFossile Brennstoffindustrie stellt größte Delegation am Weltklimagipfel

Heute beginnt in Glasgow bei der UN-Klimakonferenz Halbzeit zwei. Unter den Teilnehmern sind auch zahlreiche Lobbyisten der fossilen Brennstoffindustrie - zusammengerechnet stellen sie die größte Abordnung auf der COP26.

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Proteste in Glasgow
Proteste im Zuge der Klimakonferenz in Glasgow. © (c) AFP (BEN STANSALL)
 

Zur Halbzeit der UN-Klimakonferenz "COP26" im schottischen Glasgow gab es am Wochenende Proteste und Kritik. Bei der Konferenz ringen rund 200 Staaten darum, wie das Ziel noch erreicht werden kann, die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. In der ersten Woche gab es zwar viele Absichtserklärungen, doch in wichtigen Bereichen, die für das Einhalten des Pariser Klimavertrags notwendig sind, gab es bisher nur geringe Fortschritte. Zeit für konstruktive Beschlüsse ist noch bis zum 12. November, dem geplanten Ende der COP26.

Der Weltklimagipfel ist mit fast 40.000 registrierten Delegierten der historisch gesehen größte seiner Art. Interessant ist, dass dabei die größte Abordnung von 503 Vertretern der fossilen Brennstoffindustrie gebildet wird, wie eine Analyse der Menschenrechtsorganisation Global Witness zeigt. Die NGO fasst zusammen: Wäre die Abordnung der fossilen Brennstoffindustrie eine Länderdelegation, wäre kein anderes nationales Verhandlungsteam größer, als jenes der "Lobbyisten für große Umweltverschmutzer".

Laut offiziellen Angaben der UN stellt Brasilien die größte nationale Teilnehmergruppe mit 479 Personen - zwei Dutzend mehr (503) "vertreten die toxischen Interessen von umweltverschmutzenden Unternehmen", sagt Rachel Rose Jackson, Direktorin für Klimaforschung und -politik bei der Non-Profit-Organisation Corporate Accountability, die ebenfalls an der Analyse beteiligt war.

Klimakonferenz unter Erfolgsdruck

"Der Welt läuft die Zeit davon", warnt Murray Worthy von Global Witness. Er ist überzeugt, dass die Weltklimakonferenz unbedingt ein Erfolg werden müsse, um eine Klimakatastrophe noch abwenden zu können. "Die Argumente für sinnvolles globales Handeln dürfen daher nicht durch ein Festival der Umweltverschmutzer und ihrer Sprachrohre abgelenkt werden, die kein Interesse an den Veränderungen haben, die wir zum Schutz der Menschen und des Planeten brauchen." Mehr als 100 Unternehmen aus dem Bereich der fossilen Brennstoffe seien auf der Konferenz vertreten, darüber hinaus zahlreiche Wirtschaftsverbände und Mitgliedsorganisationen.

Wer zählt als Vertreter der fossilen Brennstoffindustrie?

In der Analyse von Global Witness zählen jene Personen als Lobbyisten für fossile Brennstoffe, die einer Delegation eines Wirtschaftsverbandes angehören oder Mitglied einer Fraktion sind, die die Interessen von Öl- oder Gasunternehmen vertreten.

Die Herausgeber der Analyse halten zudem fest, dass 27 offizielle Länderdelegationen Lobbyisten für fossile Brennstoffe angemeldet haben, darunter Kanada, Russland und Brasilien. Außerdem sei die Lobby der fossilen Brennstoffindustrie auf der COP zusammengerechnet auch größer als die Gesamtheit aller acht Abordnungen aus den Ländern, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten am stärksten vom Klimawandel betroffen waren. Diese sind: Puerto Rico, Myanmar, Haiti, die Philippinen, Mosambik, die Bahamas, Bangladesch und Pakistan.

"Die COP26 wird als ein Rahmen verkauft, in dem man ehrgeizige Ziele anstrebt - aber es wimmelt nur so von Lobbyisten fossiler Brennstoffe, deren einziges Ziel es ist, im Geschäft zu bleiben", beklagt Pascoe Sabido von der Beobachtungsstelle für Unternehmen in Europa (Corporate Europe Observatory). Sein Appell: "Wenn es uns ernst damit ist, die Ambitionen zu erhöhen, dann sollten die Lobbyisten der fossilen Brennstoffe aus den Gesprächen ausgeschlossen werden."

Kommentare (1)
Adiga
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