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Schiff festgefahrenSuezkanal-Blockade soll laut Regierung bald behoben sein

Die 400 Meter lange und 59 Meter breite "MV Ever Given" war am Mittwoch im Suez-Kanal auf Grund gelaufen. Seitdem blockiert das in Diagonalstellung riesige Containerschiff den Kanal vollständig, auf beiden Seiten des Kanals stauen sich Schiffe.

© Cnes2021, Distribution Airbus DS
 

Die Blockade des Suez-Kanals durch ein festgefahrenes Containerschiff dauert nach Angaben eines Vertreters der ägyptischen Regierung entgegen anderer Einschätzungen höchstens noch drei Tage. Die Schifffahrt auf dem Kanal zwischen Rotem Meer und Mittelmeer werde "binnen 48 bis 72 Stunden höchstens wieder aufgenommen" werden, sagte der Berater von Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi für Seehäfen, Mohab Mamisch, am Donnerstagabend der Nachrichtenagentur AFP.

Als ehemaliger Chef der Behörde für den Suez-Kanal habe er bereits mehrere Bergungsaktionen miterlebt, führte Mamisch aus. "Ich kenne jeden Zentimeter des Kanals."

Die 400 Meter lange und 59 Meter breite "MV Ever Given" war am Mittwoch im Suez-Kanal auf Grund gelaufen. Seitdem blockiert das in Diagonalstellung riesige Containerschiff den Kanal vollständig, auf beiden Seiten des Kanals stauen sich Schiffe.

"Extrem schwierig"

Der Eigentümer, die japanische Leasingfirma Shoei Kisen Kaisha, hatte vor Mamischs Äußerungen mitgeteilt, es sei "extrem schwierig", die "Ever Given" wieder flott zu bekommen. Die Kanalverwaltung entsandte mehrere Schlepper, auch ein Team der niederländischen Spezialfirma Smit Salvage machte sich auf den Weg. Der Chef der Mutterfirma Boskalis, Peter Berdowski, sagte dem niederländischen Sender Nieuwsuur, das Containerschiff wieder in Bewegung zu setzen, könne "Tage oder Wochen dauern".

Der 1869 eröffnete Suez-Kanal verkürzt die Handelsverbindung zwischen Asien und Europa. Die Strecke von Singapur nach Rotterdam verringert sich durch den Kanal um 6.000 Kilometer gegenüber der Fahrt um das Kap der Guten Hoffnung an der südlichen Spitze Afrikas.

Auswirkung auf Ölpreis

Die Blockade des Suez-Kanals ließ zeitweilig den Ölpreis ansteigen. Laut Bundesverband der Deutschen Industrie sind bereits internationale Logistik-Turbulenzen zu spüren. Zentrale Lieferketten drohen demnach aufgrund mangelnder Container, unpünktlicher Schiffe und fehlender Transportkapazität ins Stocken zu geraten. Die Reederei-Riesen Maersk und Hapag-Lloyd teilten mit, sie prüften nun den Umweg ihrer Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung.

Ägypten erzielte aus den Durchfahrtsrechten durch den Suez-Kanal im vergangenen Jahr einen Erlös von umgerechnet 4,2 Milliarden Euro. 2020 passierten fast 19.000 Schiffe die Wasserstraße.

Kommentare (1)
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paulrandig
0
14
Lesenswert?

Unglaublich, wie komplex und fein abgestimmt...

...dieses Uhrwerk der internationalen Transportrouten ist. Das merkt man erst, wenn's plötzlich irgendwo hakt. Denn was kommt jetzt noch nach? All die Schiffe, die sich jetzt stauen, hatten ja ihren fixen Zeitslot in den Zielhäfen gebucht. Das ist für gewöhnlich getaktet wie der Zugverkehr. Jetzt kommt der ganze Pulk gleichzeitig vor den nächsten Häfen an und muss erst abgearbeitet werden. Gleichzeitig kommen die Schiffe an, die eigentlich gerade an der Reihe wären, und müssen noch Tage zuwarten. Inzwischen liegt Ware in Lagerhallen, die von weiteren Schiffen, die nicht zum Verladen kommen, aufgenommen werden sollte, und blockiert Lagerraum an Land, der eigentlich schon für die nächsten Lieferungen frei sein sollte. Und am Kontinent stehen Fertigungsstraßen still, weil Lieferungen fehlen...
Ich will mir gar nicht vorstellen, wie tausende Leute momentan umplanend und organisierend am Rotieren sind, nur weil eine Windbö ein Schifferl um ein paar Meter versetzt hat.