Warum erlernen Sie den Beruf der Pflegeassistenz bzw. der Pflegefachassistenz?
Janine Puntigam: Zum einen um mich selbst herauszufordern und weiterzuentwickeln. Zum anderen gibt einem der Beruf viel zurück. Die Dankbarkeit, die man von den Menschen bekommt und das Gefühl der Freude, wenn man den Menschen helfen konnte und die Arbeit Erfolge erzielt, sind einfach wunderbar.
Klemens Kaltenegger: Einerseits, weil es eine sinnvolle Tätigkeit ist und man anderen Menschen damit unglaublich helfen kann. Andererseits interessiert mich auch der medizinische Bereich sehr.
Wie sind Sie auf die Ausbildung aufmerksam geworden?
Klemens Kaltenegger: Ich habe 2008 meinen Zivildienst bei der Rettung gemacht und da hat es mich schon gereizt, zu erfahren, wie die Behandlung der Patienten im Krankenhaus aussieht. Danach war ich lange Zeit im Ausland und habe unter anderem auf einer Waldbesetzung gelebt. Als ich 2020 wieder zurückgekommen bin, gab es den Aufruf, dass sich ehemalige Zivildiener freiwillig melden sollen. Das habe ich gemacht und bin so zu den Barmherzigen Brüdern gekommen – zu der Zeit natürlich noch nicht als Pfleger, aber ich konnte dennoch Hilfe auf der Station leisten und habe sehr viel Sinn in meiner Tätigkeit gefunden. Eigentlich strebe ich den Diplomierten Gesundheits- und Krankenpfleger an, die Ausbildung dafür gab es vor eineinhalb Jahren aber leider nur an der FH im Zuge eines Studiums – leider fehlt mir für den Zugang aber die Matura. Daher habe ich mich entschlossen, zuerst die Pflegefachassistenz abzuschließen.
Janine Puntigam: Ich habe vor meiner Ausbildung meine Oma lange bei der Pflege meiner Uroma unterstützt. Zudem habe ich einige Freundinnen sowie Familienmitglieder, die in dem Bereich tätig sind. Durch Gespräche mit ihnen hat sich für mich immer weiter herauskristallisiert, dass ich in der Pflege tätig sein möchte und die Ausbildung zur Pflegeassistenz das Richtige für mich ist. Ursprünglich habe ich den Beruf der Friseurin erlernt und war danach fünf Jahre lang als Briefträgerin tätig. Mir hat es dabei sehr gefehlt, mit Menschen zusammenarbeiten zu können.
Was war Ihr bisher schönstes Erlebnis bisher in den Praktika?
Janine Puntigam: Eine Patientin hatte viel zu hohen Blutdruck. Ich habe mit ihr zehn Minuten lang geredet, danach ist es ihr wieder gut gegangen. Das war für mich ein Erlebnis, das gezeigt hat, wie viel man allein dadurch ändern kann, indem man sich für Menschen Zeit nimmt und mit ihnen spricht.
Klemens Kaltenegger: Da gibt es einige. Was mich im zweiten Praktikum sehr motiviert hat: Wir hatten eine Patientin, deren Betreuung während des Praktikums meine Hauptaufgabe war. Als sie zu uns kam, konnte sie nicht einmal aufstehen – sie litt unter einer Herzinsuffizienz und ihr ist eine Pumpe eingesetzt worden, um den Kreislauf zu stärken. In den drei folgenden Wochen konnte ich miterleben, wie alles langsam zurückkam – sie mit Hilfe aufstehen und gehen konnte. Am Ende, als wir sie in die Reha entlassen haben, konnte sie mit Hilfe über den Gang spazieren. Ich habe dann von ihr das Feedback bekommen, dass ich ihr in der Zeit wirklich sehr geholfen habe.
Was erachten Sie als die größten Vorteile Ihres Berufs? Pflegeberufe gelten z. B. als sehr sicher…
Klemens Kaltenegger: Das auf jeden Fall. Ich würde sagen, mit abgeschlossener Ausbildung findet man wahrscheinlich innerhalb von fünf Minuten eine Arbeitsstelle.
Janine Puntigam: Der Beruf ist einfach sehr vielseitig und es gibt unzählige Möglichkeiten, um sich weiterzubilden. Es gibt die verschiedensten Bereiche, die es einem auch erlauben, sich in der Arbeit selbst zu verwirklichen.
Pflegeberufe sind leider nach wie vor sehr vorurteilsbelastet. Wie würden Sie sagen, wird Ihr Beruf in der Gesellschaft wahrgenommen?
Janine Puntigam: Viele glauben leider nach wie vor, dass Pflege gleichbedeutend ist mit Körperpflege. Dabei ist der Pflegeberuf so viel mehr. Das Soziale nimmt einen großen Teil ein, dass man in Menschen hineinsehen kann und ihre Bedürfnisse wahrnimmt. Aber es ist ein hochprofessioneller Beruf, der fachlich hohe Anforderungen stellt, und bei dem man natürlich mit dem Herzen dabei sein muss.
Klemens Kaltenegger: Über sehr lange Zeit hat es sich so etabliert, dass Pflegerinnen und Pfleger nur als die Helfer von Ärztinnen und Ärzten betrachtet werden. Ich glaube schon, dass sich in den letzten zwei Jahren durch Corona die Wahrnehmung etwas geändert hat. Wichtig ist hier festzuhalten: Der Pflegeberuf ist eine eigene Profession mit ganz viel fachlichem Know-how. Die Pflegenden sind diejenigen, die permanent an den Betten der Patienten sind. Unser Fokus ist ein anderer. Unser Ziel ist, dass ein Patient zurück in die Eigenständigkeit findet. Zudem wird von außen generell unterschätzt, wie viel wir wissen müssen. Wenn ich meiner Mutter erzähle, was ich für einzelne Prüfungen lernen muss, sagt sie immer, ich hätte auch gleich studieren können. Generell wäre es wichtig und schön, wenn der Pflegeberuf mehr Wertschätzung erfahren würde.
Die Arbeit mit Menschen ist zwar schön, jedoch auch sicherlich körperlich und emotional herausfordernd. Wie begegnen Sie Hürden im Alltag?
Janine Puntigam: Tief durchatmen. Wenn etwas wirklich gar nicht geht, kann man auch Kolleginnen oder Kollegen um Unterstützung bitten. Man ist in schwierigen Situationen nicht allein.
Klemens Kaltenegger: Körperlich habe ich den Vorteil, dass ich kräftig bin. Ansonsten: Teamwork. Emotional ist es wichtig sich abgrenzen zu können. Burnout-Prävention und ähnliches wird bei uns auch an der Schule behandelt.
Was würden Sie anderen raten, die sich für den Pflegeberuf interessieren?
Klemens Kaltenegger: Man sollte viel Empathie mitbringen. Auch eine gewisse Stressresistenz ist wichtig. Am besten einfach mal in die Ausbildung schnuppern.
Entstanden in Kooperation mit dem Land Steiermark, Abteilung 8.