So nahe und doch so erfrischend anders. Ob Kulturgenuss, Shopping-Erlebnis oder kulinarische GenussmomenteUdine präsentiert sich zu jeder Jahreszeit über die Maßen reizvoll. Wer einmal da war, kommt gerne wieder. Mit dem Auto nur rund eine Stunde Fahrzeit von Villach, cirka eineinhalb von Klagenfurt, entfernt bietet die Hauptstadt Friaul-Julisch Venetiens eine ganze Reihe wunderbarer Gelegenheiten, um den Alltag hinter sich zu lassen. Die architektonisch reizvolle Altstadt ist von südländischem Flair geprägt. Straßen, Gassen und Plätze sind von geschäftigem Treiben erfüllt, dessen Lebendigkeit für Italien so typisch ist. Herbstzeit in Udine ist Genusszeit.

Berg & Schloss

Etwas abseits in den Gassen und Lokalen der historischen Altstadt
Etwas abseits in den Gassen und Lokalen der historischen Altstadt © Photographer: Luigi Vitale - Via Cordova 35, 10020 Pavarolo IT

Eines der Juwele, die in Udines Stadtbild so reichlich prangen, ist der Schlossberg. Ein Spaziergang hinauf zu den ehrwürdigen Gemäuern, dem einstigen Sitz des Patriarchen von Aquileia und venezianischen Statthalters, lohnt sich schon allein aufgrund des grandiosen Ausblicks, den man über die friulanische Ebene genießt. An sonnigen Tagen – und davon gibt es in Udine auch im Herbst glücklicherweise viele – reicht der Blick bis zu den Gipfeln der Karnischen und Julischen Alpen. Im Inneren des Schlosses kommen Kunst- und Kulturinteressierte auf ihre Kosten. Hier warten die städtischen Museen mit ihren kulturellen Schätzen auf: das Risorgimento-Museum, das Archäologische Museum und das Fotografie-Museum. In der Galerie Alter Kunst, die ebenfalls im Schloss untergebracht ist, findet man wertvolle Werke vom 14. bis 19. Jahrhundert, darunter Gemälde von Carpaccio, Caravaggio und Tiepolo.

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Den Schlossberg erreicht man von verschiedenen Seiten, am eindrucksvollsten ist der Aufstieg von der Piazza Libertà durch den beeindruckenden Laubengang Lippomano. Mit seinem Prunk zeugt der Freiheitsplatz von der über drei Jahrhunderte bestehenden Bindung Friauls an die Republik Venedig. Heute erinnert die Lionello-Loggia aus weißem und rosaferbenem Stein an den Dogenpalast in Venedig. Reich verziert blickt sie zusammen mit der San-Giovanni-Loggia und dem mächtigen Uhrturm (Torre dell’Orologio) auf den Platz mit den drei Löwen, die ebenfalls Zeugnis geben von den venezianischen Einflüssen der Vergangenheit.

Piazza Matteotti

Das eigentliche Zentrum der Altstadt bildet die Piazza Matteotti, auch Piazza delle Erbe genannt, mit den umliegenden verwinkelten Gässchen. Am westlichen Ende des Platzes sticht die Kirche San Giacomo ins Auge, mit ihrem außergewöhnlichen Balkon. Von diesem wurde einst während des Marktes am Samstag die Messe gelesen, damit die Händler, die ihre Stände auf dem Platz und unter den Laubengängen aufbebaut hatten, ihre Tätigkeiten nicht unterbrechen mussten. Heute dient der Platz Einheimischen wie Gästen als eine Art städtischer Salon, der gerne besucht wird, um einen Espresso zu trinken – oder den für Udine typischen Aperitif, der hier Tajut heißt. Die Zutaten dafür stammen unmittelbar aus der Gegend. Schließlich ist Udine der geographische Mittelpunkt einer Region, die acht DOC- und drei DOCG-Weinanbaugebiete mit einer Produktion von 80 Millionen Flaschen pro Jahr zählt.

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Einen genussreichen Eindruck davon, wie sehr die Weinbautradition hochgehalten und gelebt wird, kann man bei einem Besuch in einer der zahlreichen Bars, Enotheken und Trattorien der Stadt gewinnen. Historische Wirtshäuser servieren neben internationalen Gerichten vor allem friulanische Spezialitäten, zu denen stets der passende Wein lokaler oder regionaler Provenienz gereicht wird.

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Gemütliche Treffpunkte für entspanntes, geselliges Beisammensein gibt es in Udine zahllose – von kleinen Cafés und Bars über Trattorien und Osterien bis hin zu Restaurants auf Sterne-Niveau. Einige von ihnen haben eine lange Geschichte. Und weil Tradition im Friaul einen hohen Stellenwert genießt, werden die historischen Gasthäuser, in denen man typisch friulanische Gerichte serviert bekommt, besonders ausgewiesen. Wer an der Hausfassade beim Eingang das Schild mit der Aufschrift „Locale storico“ („Historisches Lokal“) entdeckt, weiß: Hier wird nach alten überlieferten Rezepten gekocht. Darüber hinaus werden mit der Plakette nur Betriebe ausgezeichnet, die seit mindestens 60 Jahren tätig sind und ihre Gäste in Gebäuden mit erhaltenswerter Architektur empfangen. Vor dreißig Jahren wurde zudem ein Komitee gegründet, dass sich zum Ziel gesetzt hat, traditionsreiche friulanische Wirtshäuser zu erhalten (www.osteriafriulana.it).

Moderne Kunst

Zu Recht stolz sind die Bewohnerinnen und Bewohner von Udine auf ein Bauwerk im Herzen der Stadt, das in den nächsten Monaten in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt. In der eleganten Casa Cavazzini in der Via Cavour, dem neuen Sitz des Museums für moderne und zeitgenössische Kunst, eröffnet am kommenden Samstag eine der interessantesten Ausstellungen, die es in Friaul-Julisch Venetien jüngst zu sehen gab. Von 16. Oktober 2021 bis 27. März 2022 wird in den für Ausstellungszwecke wunderbar adaptierten Räumlichkeiten die „Form der Unendlichkeit“ („La forma dell’infinito“) gezeigt. Näheres dazu auf den folgenden Seiten.