Die Debatte, die "wir eigentlich hätten führen müssen", sei vielmehr: Wie gehe man mit Faschistinnen und Faschisten um, die gerade in die Parlamente gingen und auf der Straße seien, fragte Danger Dan. "Wie gehen wir um mit rechter Gewalt, die explosionsartig anwächst und immer brutaler wird?"

"Und wie helfen wir?", fragte Pianist Levit bei dem Konzert, das bei YouTube übertragen wurde. Wie unterstütze man Menschen, die in Gegenden lebten, in denen sie Angst haben müssten, aus dem Haus zu gehen, weil Nazis patrouillierten? Wie nehme man ihnen die Angst und zeige ihnen, dass sie nicht alleine seien? "Das ist die entscheidende Frage."

Eigentlich wollte Danger Dan sein neues Lied "Keine Angst" gemeinsam mit Levit bei der 100. Ausgabe der Kabarettsendung "Die Anstalt" spielen, die sich mit Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie beschäftigt. Kurz vor der Aufzeichnung entschied das ZDF jedoch, den Auftritt zu streichen, da der Liedtext als Aufruf zu Gewalt verstanden werden könne.

Intendant Norbert Himmler sagte der "Süddeutschen Zeitung", die Kurzfristigkeit der Ausladung müssten sie sich vorwerfen lassen. "Wir hätten früher die Grundsatzfrage stellen müssen, am besten schon vor der eigentlichen Einladung." Inhaltlich verteidigte er die Entscheidung aber. Seiner Ansicht nach habe man es "unzweifelhaft mit einer Gebrauchsanweisung zum linken, gewaltbereiten Widerstand zu tun", der in freundliche Grüße an linksextreme, zum Teil rechtskräftig verurteilte Gewalttäter münde, sagte Himmler.

Danger Dan und Levit sprachen dagegen von einem Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit. Dem "Spiegel" sagte Danger Dan, er rufe niemanden dazu auf, in den kriminellen Untergrund zu gehen. Es gehe darum, wie wirksame Antifaschismus-Strukturen aufgebaut werden können. Er verabscheue Gewalt. "Aber das Problem ist: Sie ist schon längst politische Realität."

Die Macher der Sendung "Die Anstalt" hatten die Ausladung selbst als mutlos kritisiert. Einige von ihnen saßen nun in Berlin im Publikum, als der Song "Keine Angst" gespielt wurde. Am gleichen Abend wurde auch ihre Jubiläumsfolge im Fernsehen gezeigt. Danger Dan sagte, die Causa ZDF würden sie gerne mit einem Satz abhaken: "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt." So heißt einer seiner Songs, der vor fünf Jahren Schlagzeilen gemacht hatte.

Die Entscheidung, das neue Lied "Keine Angst" nicht im Fernsehen zu spielen, stieß auch bei acht Mitgliedern des ZDF-Fernsehrats auf Kritik. Das ZDF habe eine Gelegenheit verpasst, eine Debatte über Rechtsextremismus in Deutschland und die vielfältigen Möglichkeiten seiner Bekämpfung anzustoßen, hieß es in einem offenen Brief, der auf "netzpolitik.org" veröffentlicht wurde.

Das Ersatzkonzert in Berlin trug den Titel "Die Keine Angstalt". Der Gewinn sollte an den Brandenburger Verein Opferperspektive gehen, der sich für Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt einsetzt. In Redebeiträgen wurde etwa an die Opfer des rechtsterroristischen Anschlags am Münchner Olympia-Einkaufszentrum vor zehn Jahren erinnert.