Das Vorhaben soll dem rascheren Ausbau der erneuerbaren Energiegewinnung dienen und außerdem der RED-III-Richtlinie der EU genüge tun: Das Land Steiermark will einen Gutteil der bestehenden 36 Vorrangzonen für großflächige Photovoltaikanlagen zu Beschleunigungsgebieten machen. Wie berichtet, sollen Projektwerber auf diesem Weg raschere Genehmigungen erzielen können, weil gewisse Prüfschritte, etwa im Artenschutz, künftig entfallen.

Die entsprechende Verordnung liegt bereits in der Begutachtung, doch nun entzündet sich daran Kritik – und zwar ausgerechnet vom Branchenverband PV-Austria. „Die geplanten Beschleunigungsgebiete werden zu keiner Beschleunigung beim Photovoltaikausbau führen“, prophezeit Geschäftsführerin Vera Immitzer. Der Grund dafür: In den meisten der bestehenden Vorrangzonen, die für großflächige PV-Anlagen vorgewidmet sind, sei bislang keine Sonnenstromgewinnung möglich, weil entweder Gemeinden bzw. Grundeigentümer nicht mitspielen oder schlicht die Netzkapazitäten für die Stromeinspeisung fehlen. Durch die Umwandlung in ein Beschleunigungsgebiet werde sich daran nichts ändern. In der Planung seien teils die „falschen Flächen“ ausgewiesen worden, sagt Immitzer, PV-Austria drängt deshalb auf eine gänzliche Überarbeitung der 2023 erlassenen Vorrangzonen.

Mehr Fahrt beim Solarausbau

Konkret plant die Landesregierung, 29 der 36 Zonen als Beschleunigungsgebiete mit vereinfachten Genehmigungen auszuweisen. In den restlichen sieben Zonen soll aufgrund artenschutzrechtlicher Bedenken alles beim Alten bleiben. Die einhergehende Verfahrensbeschleunigung soll helfen, das Ziel von rund 3300 Megawatt PV-Leistung in der Steiermark bis 2030 zu erreichen. Laut Branchenangaben hält die Steiermark aktuell bei rund 1700 Megawatt Sonnenstromleistung.

Drei Jahre nach Beschluss der Solar-Vorrangzonen seien allerdings erst zehn Prozent der in Summe 778 Hektar Fläche bebaut. PV-Anlagen gibt es demnach in elf der 36 Vorrangzonen, allerdings ist in nur zwei Fällen (Dobl und Dronau bei Halbenrain) die zur Verfügung stehende Fläche annähernd voll ausgenutzt worden. „In sehr vielen Fällen sind nur kleine oder gar keine Anlagen möglich, weil es an Einspeisemöglichkeiten fehlt“, kritisiert Immitzer. Diese Zonen jetzt zu Beschleunigungsgebieten zu erklären, sei absurd.

Windparks sollen für Photovoltaik genutzt werden

Der PV-Verband fordert nun, die Flächen im Zuge der ohnehin laufenden Revision der Vorrangzonen neu zu denken. Der Fokus solle generell auf Gebieten liegen, in denen Netze stark genug und Grundstücke verfügbar seien. „Bestehende Zonen mit ausreichend Netzkapazität können ausgeweitet werden, um diese Standorte voll auszunutzen“, sagt Immitzer. Und: Standorte mit bestehenden oder geplanten Windrädern sollen aus Sicht der Solarbranche ebenfalls um Photovoltaikanlagen erweitert werden. „Dort gibt es bereits geeignete Netzanschlüsse und man könnte die Anlage ohne entsprechende Zusatzkosten bauen“, sagt Immitzer.