„Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal bei Ihnen anrufe.“ Diesen Satz hört Thomas Vlk in seiner Funktion als Obmann des Männernotrufs immer wieder. Denn wenn Männer sich bei ihm oder seinem Team melden, haben sie oft schon lange versucht, ihre Probleme selbst zu lösen.

Gemeinsam mit einem Team von 30 bis 35 ehrenamtlichen Mitarbeitern leistet er „Erste Hilfe für Männer in akuten Krisen“. Vlk begann beim Männernotruf selbst als ehrenamtlicher Telefonist, übernahm zunehmend Verantwortung und rückte schließlich in den Vorstand auf.

800 Anrufe in Rekordmonat

Durchschnittlich erreichen den Männernotruf unter 05 76 77 450 bis zu 500 Anrufe pro Monat, in einem Rekordmonat waren es mehr als 800. Die Auslöser sind vielfältig: Obsorgestreitigkeiten, Beziehungsprobleme, beruflicher Druck, finanzielle Sorgen oder psychische Erkrankungen. „Eine Krise ist meistens multifaktoriell. Wenn mehrere Dinge zusammenkommen, kann ein Mensch kippen“, so der Grazer.

Dahinter stehe häufig noch das Bild des Mannes, der stark sein und Probleme alleine lösen müsse: „Die fehlende Bereitschaft, über Belastungen zu sprechen, kann zu psychischen Problemen oder Gewalt führen.“ Männer seien dabei nicht nur mögliche Täter, betont Vlk: „Auch Männer sind Opfer von Gewalt.“

Anruf als Unterbrechung der Gewalt

Manche Anrufer stehen kurz davor, Gewalt auszuüben: „Mit dem Anruf haben sie selbst eine Unterbrechung gesetzt. Das Zuhören ist ein erstes Ventil, um Dampf abzulassen.“ Die Berater begegnen ihnen „von Mann zu Mann auf Augenhöhe“ und suchen gemeinsam nach ersten Schritten aus der Krise.

Gewaltprävention müsse für den 46-jährigen Familienvater bereits im Kindergarten beginnen: Kinder sollten lernen, ihre Bedürfnisse zu erkennen, Grenzen zu benennen und gewaltfrei zu kommunizieren. Denn Gewalt fange nicht erst bei körperlichen Übergriffen an: „Auch gemein zu sein, kann eine Form von Gewalt sein.“