Die Mostschenke im Gewölbe mit Pechmanns alter Ölmühle in Ratschendorf (Gemeinde Deutsch Goritz) ist eine nostalgische Institution – nicht nur wegen ihrer unzähligen Raritäten vom berühmt-berüchtigten „Fucking“-Straßenschild über einen alten Sessellift bis hin zum „Biker-Room“ inklusive stilechter Maschinen. Auch mit einer zünftigen Jause sowie mit der größten Kamelherde Österreichs begeistert die Familie Schober seit mehr als 30 Jahren – für ebendiese beiden Bereiche zeigt sich seit Kurzem die junge Generation verantwortlich.
Denn das Lebenswerk, das sich Irmi und Herbert Schober über Jahrzehnte aufgebaut haben, führt nun Sohn Thomas gemeinsam mit seiner Frau Manuela weiter. „Wir sind mit einem Cocktail am Strand in Thailand gesessen und haben unsere Zukunft unterschrieben“, erinnert sich Thomas Schober daran, wie er Anfang des Jahres im Urlaub den Firmenbucheintrag signiert hat.
Ausgelebt und zurück in die Heimat
Dass er den beliebten Treffpunkt für Biker, Tierliebhaber, Nostalgie-Fans und Einheimische einmal weiterführen möchte, war für den heute 36-Jährigen nicht immer klar – auch, wenn er damit aufgewachsen ist und eine einschlägige Ausbildung (Hotelfachschule Bad Gleichenberg) absolviert hat. Nach Schule und Bundesheer arbeitete Schober zuhause mit, bis der Wunsch in ihm heranreifte, sich die Welt anzuschauen: „Ich habe es am Montag vor meinen Eltern ausgesprochen und am Mittwoch ist es losgegangen.“
Neun Monate arbeitete Schober als Sportanimateur auf Kreta, im Anschluss verkaufte er für zwei Jahre für eine Catering-Firma in ganz England Burger und Eis. Eineinhalb Jahre erfüllte Schober als Guest-Relation-Agent in Abu Dhabi superreichen Gästen ihre Wünsche, bevor er die Heimreise antrat: „Dann habe ich gesagt, ich habe mich ausgelebt und ausgetobt, ich würde jetzt daheim bleiben. Papa war sehr froh, er hat geglaubt, ich komme nie wieder heim“, erinnert sich Schober schmunzelnd.
Regenbogen- statt Amerikaflagge
Seit seinem 22. Lebensjahr arbeitet Schober zuhause mit und hat vom Heuballenschlichten über den Einkauf bis hin zum Jause-Richten alle Bereiche kennengelernt. Seit zwei Jahren ist Manuela Schober fix im Betrieb und eine große Unterstützung für ihren Mann: „Ohne Manu würde ich das nicht schaffen“, sagt Schober.
Zu Beginn forderten Behördenwege, Buchhaltung und Mitarbeitermangel heraus: „Ich wollte Kleinigkeiten verändern, aber ein Team, das seit mehr als zehn Jahren da ist, kann man als Junger schwer in eine neue Richtung lenken. Wir haben dann binnen zwölf Stunden ein komplett neues Team in der Küche aufgestellt“, erzählt Schober. Halt geben ihnen neben Irmi und Herbert Schober, auf deren Unterstützung sie nach wie vor zählen dürfen, auch Freunde und insbesondere langjährige Mitarbeiter, die schon mehr als 20 Jahre im Betrieb sind.
Verändern wollen die Schobers nichts auf Zwang, eher ihren Touch reinbringen. „Wir wollen alles gut in Stand halten, ein bisschen aufpimpen und einfach mit der Zeit gehen“, erzählt Manuela Schober. Ihr Reich, das Büro, wurde vom Wohnhaus in einen Container verlegt. Auch der Kinderspielplatz soll erneuert werden. Eine erste Veränderung, die (Stamm-)Gästen auffallen dürfte: Aufgrund des Irankriegs wollte Thomas Schober zu Saisonbeginn nicht wieder die amerikanische Flagge hissen, sondern bestellte kurzerhand eine Regenbogenflagge, die seither im Wind weht.
Fragt man Schober, wie er mit Druck und Erwartungen von außen umgeht, gibt er zu, dass „die Fußstapfen schon groß sind“, fügt aber an: „Meine Schuhe müssen ja nicht genau passen.“ Er will den Weg seiner Eltern weitergehen, was aber nicht bedeuten soll, dass er nicht einmal abschweifen darf.
Kamele als Ausgleich
Einen Ausgleich zum stressigen Gastroalltag bieten die Tiere, voran die Kamele. Rund drei Stunden am Tag verbringen die Schobers mit ihnen – beim Füttern, Kuscheln oder Stall ausmisten. Thomas Schober will allen Jungunternehmern Mut machen: „Macht es, lasst euch nicht unterkriegen. Und wenn etwas schiefgeht, einfach aus dem Kopf löschen und weitertun.“