So ein musikalisches Zickzack könnte sehr leicht in Beliebigkeit ausarten - aber Jamie Cullum und Band bewältigen alle Genres derart sattelfest und mit Spiellaune, dass das vielfältige Programm total stimmig wirkte. Und der bald 47-jährige Singer-Songwriter schreckt vor erfrischenden Experimenten nicht zurück: Auf den bluesigen Opener "These Are The Days" folgte eine Gospel-artige Version des Superhits "Praise You" von Kult-DJ Fatboy Slim. Und wenig später spielte Cullum tatsächlich den Frederick Loewe-Salonhadern "I Could Have Danced All Night" aus "My Fair Lady" von 1956 in einer Funk-Version. Weitere Kostproben des musikalischen Horizonts am Donauufer: Cole Porters "I Get a Kick Out of You" in sehr traditioneller Manier, unmittelbar danach "Everlasting Love" - weltbekannt geworden 1967 durch die Formation Love Affair -, aber völlig ohne jeden Disco Sound.
Bei "Mankind" wanderte Jamie Cullum dann plötzlich über den Steg von der Donaubühne - die ja eigentlich ein vor dem Ufer verankertes Schiff ist - an Land zu den tanzenden Fans und bahnte sich singend den Weg durch diese, bis er über den zweiten Steg wieder sicher auf der Bühne retour war. Die Aktion war nicht ganz ohne Pikanterie: Bei seinem Konzert 2014 war er beim Schlussapplaus kurzerhand - zum totalen Gaudium der Fans und dem ebensolchen Entsetzen des Veranstalters - einfach in die Donau gesprungen und sichtlich mitgenommen wieder ans Ufer geklettert, um eine letzte Zugabe zu spielen.
"Ich habe strikte Instruktionen, heute kein Bad zu nehmen", verriet er am Freitagabend mit einem schelmischen Grinsen - und er hielt sich daran. Auch das Klavier war in sicherer Distanz zur Bühnenkante platziert, damit er bei seinen mehrfachen leichtfüßigen "Begehungen" des Flügels samt Absprung nicht in Wassernähe kommen konnte.
Gegen Ende des Konzertes schob der Brite einen längeren "Vollgas"-Part ein, bei dem er die Fans zum anhaltenden rhythmischen Hüpfen - sie nannten es "tanzen", untermalt von kräftigen Publikumschören - brachte. Daher musste Cullum sich und die "Seinen" danach noch emotional runterbremsen, und er tat dies allein am Piano mit feinsinnigen Versionen von "You Can't Hide Away From Love" und des Dinah Washington-Klassikers "What a Difference a Day Makes" - eigentlich war dieser Ausklang noch viel intensiver als der enthusiastische Teil davor.
(Von Werner Müllner/APA)