Das 2012 von Alexander Pereira eingeführte Auftaktfestival wurde von Markus Hinterhäuser besonders liebevoll programmiert und heuer unter den Bußpsalm-Titel "Miserere" gestellt. Schuld und Vergebung wären an sich auch kein schlechtes Thema für die Rehabilitierung eines vertriebenen Intendanten, dessen offenbar dafür kausalen Verfehlungen nie im Detail dargelegt wurden. An diesem Abend konnte man jedenfalls nicht nur am Festhalten an dem umstrittenen griechisch-russischen Dirigenten und seinem Utopia Chor und Orchester die Handschrift Hinterhäusers erkennen, sondern auch an der musikdramaturgisch überzeugenden Zusammenstellung des Programms.
Umrahmt von zwei aus dem 13. und dem 9. Jahrhundert stammenden kurzen Vokalwerken - das erste als Solo von der Orgelempore kommend, das zweite von einer mit Kerzen durch das Kirchenschiff ziehenden Frauenchorprozession dargeboten - gab es zwei beeindruckende Chorwerke von zwei der größten noch lebenden Komponisten. Vor der Pause entfalteten in knapp 20 Minuten György Kurtágs 1995 uraufgeführte "Lieder der Schwermut und der Trauer" ihre ganze vokale Wucht (und wirkten keineswegs immer schwermütig), nach der Pause wechselte Arvo Pärt in seiner 1989 uraufgeführten Vertonung des "Miserere" immer wieder zwischen Solostimmen, prägnanten Chorpassagen und sanften instrumentalen Klängen.
Gelegenheit zur Besinnung gab es da zur Genüge. Auf sich wirken lassen konnte man nicht nur die Musik, sondern auch die Architektur Johann Fischer von Erlachs. Dass dabei die Maria Immaculata über dem Hauptaltar immer wieder besonders ins Licht gerückt wurde, könnte auch als subtiler Wink des Himmels verstanden werden.
Es ist also losgegangen in Salzburg, noch lange vor der für 26. Juli angesetzten offiziellen Eröffnung. Und am Ende der Ouverture spirituelle wartet am 25. im Großen Festspielhaus nicht Verzweiflung, sondern - mit Mahlers 2. Symphonie - die Auferstehung.
(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)