Großer Tag für den chinesischen Hersteller Xpeng in München: Man feiert die Europapremiere des Modells Xpeng L03, laut Eigendefinition ein „AI-definiertes SUV-Coupé mit intelligenter Technologie und vollelektrischem Antrieb“.
Auch für Magna Steyr in Graz wäre das ein Freudentag, weil das Magna-Werk in der steirischen Landeshauptstadt zum Europa-Stützpunkt von gleich zwei chinesischen Herstellern geworden ist. Magna hat in Sachen Vernetzung ganze Arbeit geleistet. Nach wie vor besuchen neue Hersteller Graz – wie BAIC, das wurde kolportiert. Von Magna gab es dazu freilich keine offizielle Bestätigung. Aber chinesische Hersteller sind immer wieder in der Steiermark unterwegs.
Die chinesischen Hersteller Xpeng und GAC (mit der Marke Aion, die heute ihren Österreich-Start feiert) sind ja längst fix gelandet, sie lassen bei Magna in Graz inzwischen mehrere Fahrzeuge fertigen. Man baut in der so genannten Stand-Montage die Fahrzeuge in einer SKD-Methode (SKD steht für Semi Knocked Down) auf. Damit umgehen die chinesischen Hersteller die Strafzölle, die die Europäische Union auf Elektroautos aus China einhebt. Vorgefertigte Baugruppen und Teile werden angeliefert und die Modelle erst im Importland mit Komponenten wie Achsen und Motoren finalisiert.
Es wäre das nächste Modell für Magna in Graz
Mit dem Xpeng L03 wäre das nächste Modell für Graz startklar, damit würde man für Xpeng (vier Fahrzeuge) und für GAC (zwei Fahrzeuge) bereits sechs Autos fertigen. Für Magna waren die chinesischen Hersteller ein Rettungsanker, weil bis auf den Mercedes G alle anderen Aufträge (BMW, Toyota, Jaguar) ausgelaufen sind – und bisher keine anderen fixiert werden konnten, auch wenn sie im Gespräch waren.
Aber die anfängliche Euphorie hat in Graz zuletzt einen Dämpfer erhalten, es gab ambivalente Äußerungen seitens Xpeng. Bei einer Veranstaltung der Zeitung „Financial Times“ erklärte Xpeng-Manager Elvis Cheng, dass die Nachfrage nach den Xpeng-Modellen in Europa die Produktionskapazitäten bei Magna übertreffen würde – die Aussagen wurden auch in internationalen Medien wiedergegeben. „Deshalb erkunden wir die Möglichkeiten oder Gelegenheiten mit anderen Herstellern zusammenzuarbeiten, vielleicht sogar in anderen Ländern.““
Xpeng, Volkswagen: Verhandlungen dementiert
Dass Xpeng mit Anteilshaber Volkswagen (man arbeitet in China zusammen) über eine Werksübernahme in Deutschland verhandle, wurde später von beiden Seiten dementiert – läge aber auf der Hand.
Ob und wann die Kapazitätsgrenzen bei Magna erreicht werden und welche Pläne Magna und Xpeng jetzt verfolgen? Auf unsere Anfrage heißt es seitens Magna lediglich: „Als global tätiges Unternehmen sind wir es gewohnt, auf Kundenanforderungen und Marktveränderungen flexibel zu reagieren. Dies ist integraler Bestandteil unseres Tagesgeschäfts. Wir bitten um Verständnis, dass wir zu einzelnen Projekten grundsätzlich keine Auskünfte geben und uns nicht an Spekulationen in der Industrie beteiligen.“
Das sagt Xpeng-Präsident Gu zu Magna
Xpeng nahm trotz mehrerer E-Mail-Anfragen der Kleinen Zeitung nicht Stellung zu den international publizierten Aussagen.
Xpeng-Präsident Brian Gu wird aber im deutschen „Manager Magazin“ so zitiert: Die Produktions-Partnerschaft mit Magna laufe sehr gut, man könne sie noch ausbauen. Kryptischer Nachsatz: Wie viele andere chinesische Hersteller prüfe Xpeng weitere potenzielle Produktionsstandorte in Europa, heißt es jedoch weiters.
Kolportiert wurden zuletzt auch mehrere Xpeng-Pläne: Eine spezielle Software für intelligentes, assistiertes Fahren soll bereits 2027 kommen, auch die Pläne für das Konzept Aridge (Auto in Kombi mit Personen-Drohne) nehmen konkrete Formen an.