Im Flüchtlingslager Jabalia im Norden des Küstenstreifens starben bei einem israelischen Luftangriff auf einen Posten der Hamas-Polizei mindestens sieben Menschen, darunter eine Frau. Das von der Hamas geführte Innenministerium erklärte, unter den Toten befinde sich auch der Chef der örtlichen Polizeikräfte, Oberst Mohammad Marwan Salem. Bei einem weiteren Luftangriff in Khan Younis im Süden des Gazastreifens wurde ein 36-jähriger Mann getötet. Das israelische Militär erklärte dazu, es habe ein Mitglied der Hamas ins Visier genommen. Zu den Vorfällen in Rafah und Jabalia äußerte sich die Armee zunächst nicht.
Laut Ärzte ohne Grenzen bestehe im Gazastreifen "jederzeit die Gefahr, getötet oder verletzt zu werden". Innerhalb weniger Tage habe die Organisation "vier Kinder behandelt, die von verirrten Kugeln israelischer Streitkräfte getroffen wurden", heißt es in einer Presseaussendung. Ein weiteres Mädchen starb durch Schüsse. Kinder, die versuchten, "unter ohnehin katastrophalen Bedingungen zu überleben, werden regelmäßig schwer verletzt". Einsatzleiter Benoît Vasseur forderte "weiterhin den bedingungslosen Schutz der Zivilbevölkerung".
Die erneute Gewalt fällt zeitlich mit Gesprächen einer Hamas-Delegation in Kairo über die Umsetzung der zweiten Phase des US-Friedensplans von Präsident Donald Trump zusammen. Gegenstand der Verhandlungen sind eine Entwaffnung der Hamas und der Abzug der israelischen Armee. Insidern zufolge gab es in den vergangenen Wochen jedoch kaum Fortschritte.
Die Hamas macht israelische Verstöße gegen die im Oktober vereinbarte Waffenruhe für den Stillstand verantwortlich. Die Waffenruhe hatte zwar die schweren Kämpfe beendet, es kam seither jedoch immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Seit dem Inkrafttreten der Vereinbarung wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörde mehr als 1.100 Palästinenser bei israelischen Angriffen getötet. Im selben Zeitraum kamen vier israelische Soldaten durch Angriffe von Extremisten ums Leben.
Fast alle der rund zwei Millionen Einwohner des Gazastreifens leben derzeit unter der Kontrolle der Hamas, meist in provisorischen Zelten oder beschädigten Gebäuden. Viele von ihnen wurden im Verlauf des Konflikts mehrfach vertrieben. Auslöser des Krieges war der Angriff von Kämpfern unter Führung der Hamas auf den Süden Israels am 7. Oktober 2023, bei dem israelischen Angaben zufolge etwa 1.200 Menschen getötet und etwa 250 als Geiseln verschleppt wurden. Seither kamen im Gazastreifen nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums mehr als 73.000 Palästinenser ums Leben.