In Ainet ist ein umstrittener Schotterabbau der Steiner Wastl GmbH auf einer Fläche von 3,8 Hektar geplant. Das Projekt im Sattler Äuele sieht mehrjährige Trockenbaggerung zur Gewinnung von 47.000 Kubikmetern Schotter vor und sorgt aufgrund der sensiblen Lage für Widerstand. Das begehrte Grundstück liegt zwischen der Bundesstraße 108 und Isel mit Radweg und Iseltrail. Der ehemalige Gemeindechef und Anrainer Karl Poppeller läuft Sturm gegen das Projekt. Er befürchtet eine Zerstörung der historischen Landschaftsansicht und die Gefährdung des Naturtourismus. Poppeller hat aus diesem Grund zu einer Informationsveranstaltung in den Gemeindesaal gerufen. Trotz der kurzfristigen Einladung waren mehr als 70 Bürger erschienen.
Berta Staller, die Bürgermeisterin, sprach eingangs von einem Thema, „das wir klar und ehrlich kommunizieren“ und sie appellierte für einen fairen Umgang miteinander. Im Laufe des Abends kamen auch Experten zu Wort. Einer von ihnen war Otto Unterweger. Er hat das Projekt für die Steiner Wastl GmbH von Alois Steiner erstellt. Er betonte, dass es für seinen Auftraggeber kaum mehr möglich sei, in Osttirol an geeignetes Schottermaterial zu kommen. Das sei für das Unternehmen eine Frage des Überlebens. Bei der Suche sei er auf die Wiese im Sattler Äuele gekommen.
Projektplan vorgestellt
Unterweger ließ auch wissen: „Ich habe mir mit der Naturschutzsachverständigen den Grund angeschaut und sie hat gesagt, dass hier Schottergewinnung völlig unproblematisch sei. Auch in puncto Natura 2000 sei nicht mit Gröberem zu rechnen.“ Den Gegnern nahm er Wind aus den Segeln. Diese hatten die Informationen, dass der Abbau über zehn Jahre erfolgen werde. Unterweger: „Steiner baut pro Jahr zirka 10.000 Kubikmeter ab. Durchschnittlich wird bis in zwei Metern Tiefe ausgebaggert. Tiefer geht es nicht. Das heißt, wir sind spätestens in vier Jahren fertig.“
Gearbeitet werden soll jeweils vor und nach der Fahrradsaison – also im Frühjahr und im Herbst. Ausgebaggert werden soll nicht im großen Stil, sondern abschnittsweise. Die Grube werde mit Geschiebematerial und Humus aufgefüllt. Unterweger beruhigte auch, dass es nach dem Schotterabbau keine Nassbaggerungen geben werde.
Anrainer äußern Bedenken
Vor der Fragerunde warf die Bürgermeisterin ein: „Aus der Stellungnahme der Bezirkshauptmannschaft Lienz geht hervor, dass die betroffene Fläche extensiv landwirtschaftlich genutzt wird und es keine schützenswerten Pflanzen und Tiere gibt.“ Ein Zuhörer meinte, dass es sich beim Abschnitt der B 108 um eine unfallträchtige Stelle handle. Unterweger erklärte, dass mit 30 Lkw-Fahrten täglich zu rechnen sei, die einbiegen würden. Unternehmer Alois Steiner war anwesend und bemerkte, dass es heute schon dieselbe Zahl von Lkw-Fahrten von seiner an das Ainete Äuele angrenzenden Schottergrube gebe.
Poppeller blieb bei seiner Meinung: „Schotterabbau in diesem Areal ist keine Visitenkarte in das Iseltal herein.“ Und er äußerte die Sorge, dass es nicht bei den von Unterweger dargestellten Abbaudaten bleiben werde. „Für mich bleibt es ein problematisches Projekt. Wir haben in Ainet alle Nachteile, die es mit sich bringt. Es gibt keine Kommunalsteuer und keine Mitarbeiter. Da soll mir einer sagen, wie man dafür sein soll“, sagte er. Er vermisst auch eine Erhebung über den Schotterbedarf. Poppeller schwenkte auf das Mineralrohstoffgesetz ein, nach dem der Abbau verhandelt werden soll. Es sei ein sehr hartes Gesetz. Er als Anrainer habe keine Einladung zur Verhandlung, die am 16. Juli anberaumt war, aber verschoben wurde, erhalten. Und es werde auch sonst niemand eine bekommen: „Trotzdem werde ich auf meine Anrainerrechte pochen.“
Tourismus fordert Alternativen
Auch Franz Theurl, der Obmann des Tourismusverbandes Osttirol, folgte der Einladung zur Informationsveranstaltung. Er zeigte Verständnis für die Wirtschaft. „Als Tourismusobmann kann ich dem Projekt gar nichts abgewinnen. Es kommt zu einem massiven Eingriff in das Landschaftsbild und ich glaube nicht, dass es keine Natura-2000-Prüfung braucht“, monierte er. Gerne sei er bereit, bei der Suche einer Alternative für den Projektbetreiber mitzuhelfen. In der Veranstaltung kam auch aufs Tapet, dass es sich bei den 3,8 Hektar um landwirtschaftliche Vorsorgefläche handelt. Das bedeutet, sie ist in zehn Jahren wieder der Landwirtschaft zuzuführen. Jetzt ist man in Ainet gespannt, wie der Gemeinderat zum Projekt steht. Er soll dieser Tage einen entsprechenden Beschluss dazu fassen.