Hatte der Ball vor dem zwischenzeitlichen 1:1 durch Jude Bellingham ein in der Luft gespanntes Kabel berührt und dadurch seine Richtung verändert? Die TV-Bilder legten das durchaus nahe. Die Norweger reklamierten, der Weltverband FIFA verwies hingegen auf seine Technik. Demnach gab es keinen messbaren Kontakt.
Kein Datenbeleg für Kabelberührung
Durch einen im Ball eingebauten Chip lässt sich genau erfassen, wann und mit welcher Stärke das Leder berührt wird - auch für die Zuschauerinnen und Zuschauer am Bildschirm wird das mit einer Grafik visualisiert. „Vor dem Tor Englands in der 45.+2 Minute gegen Norwegen zeigte der Sensor keinen Anstieg des ‚Herzschlags des Balls‘, als dieser sich in der Luft befand, und somit gab es keinen Hinweis darauf, dass der Ball die Oberleitung berührt und dadurch seine Flugbahn verändert hätte“, hieß es in einer Erklärung der FIFA. Der „Herzschlag des Balls“ ist dieselbe Technologie, die auch dazu führte, dass Kroatiens Ausgleichstor bei der 1:2-Niederlage gegen Portugal im Sechzehntelfinale aberkannt wurde.
Wie kam es überhaupt zu der viel diskutierten Szene? Ein Abstoß von Norwegens Torhüter Örjan Nyland war bei Englands Anthony Gordon gelandet, dieser hatte dann Bellinghams Treffer vorbereitet. Die Skandinavier hatten sich daraufhin beim französischen Unparteiischen Clement Turpin beschwert und reklamiert, dass der Ball das Kabel berührt habe. Das hätte normalerweise einen Schiedsrichterball zur Folge.
„Klare Sache“ für Norweger
„Der Schiedsrichter hat gesagt, er hat es nicht gesehen und keine Information bekommen. Und da die FIFA sagt, es gab keine Berührung, kann er wohl nichts machen“, erzählte Norwegens Trainer Stale Solbakken. „Aber der Ball fiel gerade herunter direkt vor unserer Bank. Ich selbst habe es nicht gesehen, dass das Kabel berührt wurde, aber unsere Bank reagierte sofort. Es ist eigentlich eine klare Sache.“ Da sich der VAR nicht einschaltete, wurde die Partie auch nicht unterbrochen. Das Tor behielt seine Gültigkeit.
Seine Spieler seien von der Szene verwirrt gewesen, sagte Solbakken. „Es war ein ungünstiger Moment für uns. Aber daran können wir nichts ändern. Ich glaube nicht, dass wir das Spiel noch einmal spielen werden“, meinte Solbakken. Auch Englands deutscher Coach Thomas Tuchel wurde auf die Szene angesprochen. „Ich meine, da ist ein Chip im Ball, der dir sagt, wenn er ein Haar berührt“, sagte der 52-Jährige auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Also sollten sie dir sagen können, ob es passiert ist. Ich habe es nicht gesehen.“