In einem ersten Szenario simulieren die ÖGB-Ökonomen die Schließung des unbereinigten Gender-Pay-Gaps pro Arbeitsstunde - Gehaltsunterschiede aufgrund der höheren Teilzeitquote bei Frauen werden hier nicht beachtet. Die entsprechende Lohnlücke betrug 16 Prozent und wurde zur Simulation den Frauengehältern aufgeschlagen. Resultat der Berechnung: Arbeitnehmerinnen würden durchschnittlich um 366 Euro netto pro Monat mehr verdienen, die Kassen des Staates und der Sozialversicherungen mit 9 Mrd. Euro gefüllt werden.

In einem zweiten Szenario wird nur jene Lohnlücke geschlossen, die sich nicht durch geschlechterspezifische Unterschiede mit Bezug auf "Branche, Beruf, Arbeitszeit, Alter und weitere Merkmale" erklären lässt. Auch hier würden Frauen bei einer Schließung der Lücke im Schnitt um 10,2 Prozent bzw. 221 Euro pro Monat netto mehr verdienen, die öffentliche Hand hätte Mehreinnahmen von 5,4 Mrd. Euro im Jahr.

Basis für die Berechnungen sind Mikrozensus-Daten aus dem Jahr 2024 von Arbeiterinnen und Arbeitern sowie Angestellten im Alter von 20 bis 59 Jahren. Die Gehälter von Beamten, Lehrlingen und Vertragsbediensteten wurden nicht mitanalysiert. Grundannahme bei den Berechnungen war, dass die Gehälter der Frauen steigen, bei gleichbleibenden Löhnen der Männer.

In der Analyse argumentiert der ÖGB weiters dafür, nicht nur die bereinigte Lohnlücke zu betrachten. "Wer den Gender Pay Gap schließen will, muss daher nicht nur gleiche Bezahlung für gleiche und gleichwertige Arbeit sicherstellen, sondern auch an den strukturellen Ursachen der Lohnlücke ansetzen", heißt es in dem Dokument.

"Gleiche Bezahlung ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch eine Frage der Finanzierung unseres Sozialstaats. (...) Von fairer Bezahlung profitieren daher alle", resümiert ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian in einer Aussendung am Sonntag die Schlussfolgerung der Analyse. Beim Gewerkschaftsbund sieht man sich dadurch auch in der Forderung nach mehr Transparenz bei den Löhnen bestärkt: "Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie muss daher konsequent und ohne Schlupflöcher umgesetzt werden", fordert ÖGB-Bundesfrauensekretärin Dorottya Kickinger.

Österreich hat die Richtlinie nicht bis zur EU-weiten Frist am 7. Juni 2026 umgesetzt. Nachdem sich die Sozialpartner nicht einigen konnten, hatte Sozialministerin Corinna Schumann (SPÖ) vor gut einem Monat einen eigenen Entwurf veröffentlicht, der sich aber noch in der koalitionsinternen Koordinierung befindet.