Der Schritt sei „sehr groß für uns“, ließ Lukas Schinko 2024 im Gespräch mit der Kleinen Zeitung wissen. „Und mutig“, ergänzte der Chef des steirischen Hörakustikers Neuroth damals noch. Kurz zuvor wurde spruchreif, dass Neuroth sich die Hörakustik- und Optiksparte von Migros – einem der größten Einzelhändler der Schweiz – einverleibte. Misenso heißt diese und zählte damals noch 25 Standorte und 200 Beschäftigte.

Jetzt erleidet Neuroth diesbezüglich einen Rückschlag: Misenso, Neuroth blieb stets auch bei einer Zwei-Marken-Strategie, muss nämlich Konkurs anmelden. Davon betroffen sind alle noch übrig gebliebenen 18 Filialen, teilte der steirische Eigentümer am Freitagnachmittag der Nachrichtenagentur AWP mit. Zuvor hatte der Schweizer „Blick“ darüber berichtet, das Medium schreibt von 140 betroffenen Mitarbeitenden.

Reduktion der Filialen half nicht

„Das Unternehmen ist überschuldet, dieser Schritt war daher unvermeidbar“, heißt es von Neuroth zur Kleinen Zeitung. Das vor sechs Jahren als Migros-Tochter gegründete Unternehmen hätte zu keinem Zeitpunkt schwarze Zahlen geschrieben.

Eine Stabilisierung scheiterte, strategische Anpassungen, Veränderungen im Management und die Reduktion des Filialnetzes hätten nicht geholfen. Die meisten der 18 Misenso-Filialen in der Schweiz befinden sich in Migros-Filialen. Laut „Blick“ blieben die Türen am Freitag mit dem Vermerk „bis auf Weiteres geschlossen“ zu. „Die Verfügungsgewalt“, heißt es von Neuroth, „liegt ab Eröffnung des Konkurses beim zuständigen Konkursamt.“

Neuroth-Boss Lukas Schinko sprach 2024 von „sehr großem Schritt“
Neuroth-Boss Lukas Schinko sprach 2024 von „sehr großem Schritt“ © Neuroth/Kanizaj

Neuroth selbst übersprang im letzten Geschäftsjahr erstmals die Umsatzgrenze von 200 Millionen Euro – neben Neueröffnungen in Südosteuropa sorgte auch die erstmalige Berücksichtigung von Misenso in den Konzernzahlen für das Wachstum. Vom „größten Wachstumstreiber“ sprach Lukas Schinko, der das Familienunternehmen in vierter Generation leitet, diesbezüglich gar.

„Keinerlei Auswirkungen“ auf weitere Töchter

In der Gruppe mit über 300 Standorten in acht Ländern kletterte der Beschäftigtenstand 2024/25 auf 1550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Österreich ist noch immer Kernmarkt des Unternehmens, das hierzulande 58 Prozent des Umsatzes erzielt.

Auf die weiteren Tochtergesellschaften der Gruppe hat die Insolvenz Misensios „keinerlei Auswirkungen“, lässt Neuroth wissen. Auch die „langfristige Wachstums- und Expansionsstrategie der Neuroth-Gruppe bleibt unverändert“. Dies unterstreiche unter anderem der Aufbau eines zweiten internationalen Produktionsstandortes, der „in diesem Sommer“ in Belgrad seinen Betrieb aufnehmen wird.