Eine von der ZiB geführte Recherche der European Broadcasting Union (EBU) hat Millionen Kommentare unter den Nachrichtenangeboten von öffentlich-rechtlichen Sendern in Deutschland, Frankreich, Spanien, der Schweiz, Litauen und Österreich auf Instagram untersucht. Entdeckt wurden so senderübergreifende Kampagnen rund um den Iran.

Nach Angaben des beteiligten Rechercheverbunds wurden unter der Leitung der ZiB mehr als zwölf Millionen Kommentare ausgewertet. Die Analyse führte zu einem Netzwerk aus automatisierten Konten (Bots) sowie menschlichen Aktivistinnen und Aktivisten, die gezielt politische Botschaften verbreiten und Diskussionen in sozialen Netzwerken beeinflussen.

Neun Fernsehsender beteiligt

An der Untersuchung waren insgesamt neun Fernsehsender beteiligt. Ziel war es, systematische Muster in den Kommentarspalten großer Nachrichtenangebote zu identifizieren. Die Auswertung zeigt, dass zahlreiche Konten synchron agierten, identische oder nahezu identische Inhalte (inklusive Tippfehlern wie ein kleines „L“ statt eines großen „I“ - l/I) veröffentlichten und sich gegenseitig verstärkten. Dadurch entstand der Eindruck einer breiten öffentlichen Unterstützung bestimmter politischer Positionen.

Die Kommentare erschienen unter Beiträgen zu internationalen Krisen, Konflikten im Nahen Osten sowie geopolitischen Entwicklungen. Dabei wurden wiederholt ähnliche Formulierungen, Hashtags und Argumentationsmuster verwendet.

Befürworter des Schah-Sohns auffällig aktiv

Eine Gruppe fiel dabei besonders auf: Befürworter von Reza Pahlavi. „Das ist der ‚Kronprinz‘ des letzten gestürzten Schahs. Er hat sich in den letzten Jahren zu einer ernstzunehmenden politischen Figur gewandelt. Er gilt zum einen als Hoffnungsträger, zum anderen aber auch als die Verkörperung der guten alten Zeit“, so Iran-Experte Posch.

Die Aktivsten posteten Tausende Kommentare, in denen sie Pahlavi loben, berichtet der ORF. Bei der ZIB schrieb ein User: „Die Forderung der Menschen ?! Dr Rückkehr von Pahlavi #longliveirsn#longliveking“. „Iran frei – Reza Pahlavi an die Spitze!“ postete jemand beim Bayerischen Rundfunk. „Das iranische Volk ist vereint und fordert die Führung durch Kronprinz Reza Pahlavi!“, kommentierte jemand bei France24. Auch hier waren es meistens authentisch wirkende Accounts, die kommentierten.

Einflussnahme auf öffentliche Debatten

Während klassische Desinformationskampagnen häufig auf einzelne Falschmeldungen setzten, zielt moderne Propaganda darauf ab, öffentliche Debatten zu prägen. Durch tausende koordinierte Kommentare entsteht für Nutzerinnen und Nutzer der Eindruck, bestimmte Meinungen seien besonders weit verbreitet oder gesellschaftlich mehrheitsfähig – unabhängig davon, ob dies tatsächlich der Fall ist.

Viele Konten werden von einzelnen Menschen betrieben, handeln jedoch organisiert und abgestimmt. Dadurch sind sie deutlich schwieriger zu erkennen als klassische Bot-Netzwerke.

Erst die Auswertung von Millionen Kommentaren machte die Verbindungen zwischen den einzelnen Konten sichtbar. Muster bei Veröffentlichungszeiten, Sprachgebrauch und gegenseitigen Interaktionen lieferten Hinweise auf koordinierte Aktivitäten, die den Nutzern im Alltag verborgen bleiben.