Gleich vorweg: In der Statistik lässt sich der Trend (noch) nicht ablesen, aber die Bürgermeister als Seismographen der regionalen Entwicklung sind schon jetzt optimistisch. „Der Semmeringbasistunnel wird unsere Region nach vorne bringen“, ist etwa Peter Tautscher, Ortschef von Neuberg an der Mürz überzeugt.

Seine 2250-Seelen-Gemeinde im Naturpark Mürzer Oberland sei das beste Beispiel. „Schon seit ein, zwei Jahren ziehen immer mehr junge Familien mit mehreren Kindern zu uns, sie kaufen sich hier Eigenheime und arbeiten via Homeoffice“, freut er sich.

Krippe und Kindergarten voll

Es handelt sich dabei vor allem um Personen aus Wien. „Seither sind Krippe und Kindergarten wieder voll. Bis sich das auf die Schulklassen durchschlägt dauert es noch, aber es geht bergauf“, so Tautscher.

Bei einer Diskussion im Südbahnmuseum in Mürzzuschlag wurde am Dienstag über den Semmeringbasistunnel und seine Auswirkungen für die Region gesprochen
Bei einer Diskussion im Südbahnmuseum in Mürzzuschlag wurde am Dienstag über den Semmeringbasistunnel und seine Auswirkungen für die Region gesprochen © Christian Huemer

Er brachte den örtlichen „Stimmungsreport“ auch bei einer Diskussion der Wirtschaftskammer zum Semmeringbasistunnel in Mürzzuschlag vor. Dort unterstrich man einmal mehr die kurzen Fahrzeiten in die Bundeshauptstadt: Aktuell ist man von Mürzzuschlag zum Wiener Hauptbahnhof rund 1 Stunde und 30 Minuten unterwegs, nach der Tunneleröffnung dauert das nur mehr 57 Minuten. In Gloggnitz ist man dann überhaupt schon in 12 Minuten.

Grundstückspreise erschwinglich

Damit wird ganz bewusst geworben: „Auch ältere Menschen kaufen sich ein Haus, das ist natürlich bei uns erschwinglicher“, berichtet Tautscher von Quadratmeterpreisen in seiner Heimat zwischen 50 bis 100 Euro. Senioren hätten sich bereits angesiedelt.

Die Experten vom Institut für Wirtschafts- und Standortentwicklung zeigten noch einmal die größeren Zusammenhänge auf: „Durch den Tunnel eröffnet sich ein neuer Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsraum zwischen der Region Obersteiermark Ost bis zum Bezirk Baden von etwa 1,2 Millionen Einwohnern“, so Leiter Ewald Verhounig.

Keine Einbahnstraße

Für Landtagsabgeordnete Conny Izzo (ÖVP) ist wichtig: „Wir müssen die Menschen wirklich in unsere Region bekommen, die Nähe zu Wien darf dann nicht so aussehen, dass wir Leute in diesen Ballungsraum verlieren.“ Durch Programme vor Ort müsse man die Region als Wohn- und Arbeitsgegend attraktiv machen.

Laut Manfred Kainz, der auch beim Koralmtunnel Mastermind der begleitenden wirtschaftlichen Maßnahmen war, ist die Ausgangsposition dafür sehr gut. „Der Bezirk Bruck-Mürzzuschlag hat ein überdurchschnittlich hohes Medianeinkommen, Industrie und Betriebe hier sind international wettbewerbsfähig. Das gibt es sonst in dieser Art und Weise eigentlich nicht.“

Bestehende Strecke weiter wichtig

Er appelliert auch, den Tourismus stärker mitzudenken. Jürgen Egger von den ÖBB ergänzt: Die bestehende Strecke über den Semmering könne man heute kaum für einen vernünftigen Nahverkehr nutzen, weil dort so viele Verbindungen drübergeschleust werden müssen. „Wenn der Tunnel in Betrieb ist, kann man sich umfassend darum kümmern.“

Der Brucker Innofreight-Chef Peter Wanek-Pusset am Wort
Der Brucker Innofreight-Chef Peter Wanek-Pusset am Wort © Christian Huemer

Einen „Weckruf“ brachte Peter Wanek-Pusset bei der Diskussion ein: „Es wird beim Semmeringbasistunnel immer viel über den Personenverkehr gesprochen, aber bitte vergesst nicht den Güterverkehr. Der ist für die Wirtschaft besonders wichtig“, erklärte der Brucker Innofreight-Chef.