1884 im steirischen Gasen: Joachim Ochensberger verschwindet spurlos. Drei Wochen später wird seine Leiche gefunden – brutal erschlagen. Schon kurz darauf präsentiert die Justiz einen Verdächtigen: Eustach Holzbauer.

Historische Zeichnung einer hölzernen Tragebutte aus einem Kriminalakt des 19. Jahrhunderts. Dargestellt sind eine Seitenansicht sowie eine Draufsicht des Bodens mit markierten Bereichen, auf denen Blutspuren und andere kriminaltechnisch relevante Merkmale dokumentiert wurden. Die Butte spielte als Beweisstück in einem Mordfall von 1884 eine zentrale Rolle.
Historische Zeichnung einer hölzernen Tragebutte aus einem Kriminalakt des 19. Jahrhunderts. Dargestellt sind eine Seitenansicht sowie eine Draufsicht des Bodens mit markierten Bereichen, auf denen Blutspuren und andere kriminaltechnisch relevante Merkmale dokumentiert wurden. Die Butte spielte als Beweisstück in einem Mordfall von 1884 eine zentrale Rolle. © Hans Gross Kriminalmuseum

Neun Jahre zuvor war er bereits wegen Totschlags verurteilt worden. Sein schlechter Ruf, ein fragwürdiges Motiv und eine blutverschmierte Butte – angeblich seine – reichen aus, um ihn wegen Mordes anzuklagen.

Der Kaiser setzte das Todesurteil aus

Die Geschworenen sprechen Holzbauer schuldig. Er wird zum Tod verurteilt. Der Kaiser begnadigt ihn zwar – doch statt der Hinrichtung muss er 20 Jahre schweren Kerker antreten. Holzbauer beteuert bis zuletzt seine Unschuld.

Jahre später tauchen neue Hinweise auf. Das Verfahren wird neu aufgerollt – ein anderer Mann gerät plötzlich in den Fokus der Ermittlungen.

Falschaussagen der Zeugen

Zeugen relativieren später ihre Aussagen zur blutverschmierten Butte. Ein entscheidender Pfeiler der Verurteilung gerät ins Wanken. 1892 wird Eustach Holzbauer freigesprochen.

Für die sieben Jahre, die er im Kerker verbracht hatte, erhält Holzbauer 600 Gulden Entschädigung (das entspricht etwa 11.000 Euro nach heutiger Kaufkraft). Der mutmaßlich wahre Täter wird jedoch nie verurteilt.