Wo heute noch eine idyllische Almlandschaft das Bild prägt, könnten sich künftig Windräder drehen: in Reichenfels unweit der steirischen Grenze. Dort sollen nämlich die Bauarbeiten für den Windpark Peterer Alpe mit acht Windrädern im Jahr 2027 beginnen. Doch für den größten österreichischen privaten Windparkbetreiber „ImWind“ sowie den Energiedienstleister Kelag gibt es noch eine entscheidende Hürde: es geht um die Energieableitungen. „Wie soll ein Windpark ohne diese gebaut werden?“ Mit dieser Frage wandte sich ein Leser an uns.

Hier soll der Windpark entstehen
Hier soll der Windpark entstehen © UVE-Unterlagen

Worum es geht: Durch den Bau des Windparks Peterer Alpe soll nämlich für die Energieableitung auch in der Nachbargemeinde Bad St. Leonhard gegraben werden. Die Gesamtlänge der Kabeltrasse von dem südlichsten Windrad des Windparks Peterer Alpe zum Umspannwerk Wisperndorf umfasst acht Kilometer. Die Hürde? „Bereits im Jahr 2019 fasste der Bad St. Leonharder Gemeinderat einen einstimmigen Beschluss, der die Windräder sowie die dazugehörigen Ableitungen im gesamten Gemeindegebiet verbietet“, informiert Bad St. Leonhards Bürgermeister Dieter Dohr (Liste Dohr). Die damalige Entscheidung richtete sich nicht gegen ein spezielles Projekt samt Betreiber, sondern ist für alle kommenden Projekte bindend.

Windpark ohne Ableitung

„Der Beschluss ist nach wie vor aufrecht. Wir haben die Erkenntnis des Bundeverwaltungsgerichts, dass der Windpark Peterer Alpe in Reichenfels gebaut werden kann, abgewartet“, so Dohr, bevor man Schritte erwäge. Der Bürgermeister weiter: „Wir sind schon seit Jahren im ständigen Gespräch mit der Kelag.“ Die Fraktionen würden jetzt in die Beratung gehen, ob sie für eine Aufhebung des Beschlusses, die ausschließlich die Ableitung betrifft, mit „Ja“ oder „Nein“ stimmen.

Im Gemeinderat soll die Thematik noch heuer – etwa im September oder Dezember – behandelt werden. „Der Beschluss, in dem der Bau von Windrädern in unserer Gemeinde verboten ist, wird nicht aufgehoben“, stellt Dohr fest. Kelag-Pressesprecher Josef Stocker ergänzt: „Der Gemeinderat hat sich seinerzeit gegen die Errichtung einer Energieableitung auf dem Gemeindegebiet von Bad St. Leonhard ausgesprochen. Aktuell befinden wir uns in Gesprächen mit der Gemeinde, um die offenen Fragen zu klären. Wir gehen davon aus, dass die Angelegenheit im Gemeinderat behandelt und abschließend geregelt wird.“

Bürgermeister Dieter Dohr
Bürgermeister Dieter Dohr © Sissi Furgler Fotografie

Was passiert, wenn die Gemeindemandatare gegen die Aufhebung stimmen? „Dann könnte ein Prozedere einer Enteignung eingeleitet werden, das dauert dann ungefähr zwei Jahre“, so Dohr. Laut dem Bürgermeister sei die rechtliche Lage klar: „Das öffentliche Gut stehe grundsätzlich allen zur Benützung offen. Daher könne die Gemeinde einem Bauträger die Nutzung des öffentlichen Gutes nicht verwehren.“ Was die persönliche Meinung von Dohr zur Windkraft ist? „Jede erneuerbare Energie ist notwendig, aber nur in Maßen. Der Ausbau sollte gleichmäßig über die gesamte Republik erfolgen. Eine Verbauung des ganzen Lavanttals ist abzulehnen“, so Dieter Dohr.

Das sind die genauen Standorte der Windkraftanlagen der Peterer Alpe
Das sind die genauen Standorte der Windkraftanlagen der Peterer Alpe © UVE Unterlagen

Zum Hintergrund: Der Windpark Peterer Alpe in Reichenfels bewegt das Lavanttal seit Jahren. 2021 ging ein 84 Meter hoher Windmessmast in Betrieb. Die Anlage wurde ein Jahr lang betrieben, um meteorologische Details zu Windgeschwindigkeit, Temperatur und Luftdruck zu liefern. 2022 folgte dann eine Volksbefragung in Reichenfels: „Soll die Marktgemeinde Reichenfels den Ausbau der Windenergie im Gemeindegebiet von Reichenfels im Rahmen ihrer rechtlichen Möglichkeiten unterstützen?“, lautete die Frage. Das Ergebnis: 68,88 Prozent der Bürger stimmten mit „Ja“. 31,12 Prozent waren dagegen. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,78 Prozent – das entsprach 620 Personen. Insgesamt waren 1484 Menschen wahlberechtigt.

Im Juli 2024 erhielt das Projekt Windpark Peterer Alpe einen positiven UVP-Bescheid. Im Jahr 2025 kam es dann zur landesweiten Volksbefragung. Die Frage lautete: „Soll zum Schutz der Kärntner Natur (einschließlich des Landschaftsbildes) die Errichtung weiterer Windkraftanlagen auf Bergen und Almen in Kärnten landesgesetzlich verboten werden?“ Acht von neun Gemeinden im Lavanttal stimmten mit „Ja“. Damit kam es auch in Reichenfels zu einem Meinungsumschwung.