Seit mehr als 50 Jahren wohnte ein Pensionistenpaar in einer Wohnung im Erdgeschoss eines Mehrparteienhauses in Klagenfurt. Hier fühlten sie sich immer wohl und sicher. Bis zum 11. August 2025: Da wurde das betagte Ehepaar in seinem Zuhause brutal überfallen und ausgeraubt. „Home-Invasion“ nennt das die Polizei. Mehrere Täter sind mitten in der Nacht in die Wohnung der Klagenfurter eingedrungen und haben sie brutal ausgeraubt.
Todesangst
Mit der Kleinen Zeitung sprach der überfallene Ehemann zwei Monate nach der Tat über die schreckliche Nacht, die ihn traumatisiert hat: „Auf einmal stand eine dunkle Gestalt vor meinem Bett. Der Täter hat Handschuhe getragen und mich mit einer Hand niedergedrückt.“ Der 85-Jährige erlitt Hämatome, seine Zahnprothese zerbrach und er hatte Todesangst. „Der Täter hielt meinen Mund zu, fixierte mich und drückte mich aufs Bett.“ Die 93-jährige, pflegebedürftige Frau des Pensionisten lag währenddessen in einem Nebenzimmer. Auch ihre Pflegerin befand sich in der Wohnung. Rund um diese Frau kam es nun zu einer brisanten Enthüllung: Ausgerechnet sie, die Pflegerin – eine Vertrauensperson, die auf das betagte Paar achten müsste – soll eine Komplizin der Räuber sein.
Rumänische Pflegerin vor Gericht
Wie sich jetzt herausgestellt hat, soll die Pflegerin die Räuber zum Tatort gelockt haben. Die rumänische Staatsangehörige befindet sich deshalb in Untersuchungshaft in der Justizanstalt Klagenfurt und muss sich am Mittwoch am Landesgericht Klagenfurt verantworten. „Der Pflegerin wird zur Last gelegt, das Verbrechen des Raubes als Beitragstäterin zu verantworten", heißt es vom Gericht. Einer der Täter soll ihr Lebensgefährte sein.
Die rumänische Pflegerin habe ihrem Lebensgefährten die Lage der Wohnung sowie des Tresors geschildert und Videos übermittelt, heißt es in der rechtswirksamen Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Klagenfurt. Darüber hinaus soll die Pflegerin die Balkontür offen gelassen haben, damit die Räuber eindringen können. Die Polizei geht insgesamt von drei Tätern aus plus der Rumänin: Sie muss nun als erstes vor Gericht. „Gegen die drei Männer wird noch gefahndet“, sagt Werner Pucher, Pressesprecher der Polizei.
Tresor mit Goldschmuck und Bargeld
Die Räuber haben einen rund 100 Kilogramm schweren Standtresor aus dem Schlafzimmer der Wohnung abtransportiert. Sie erbeuteten laut Anklage 40.000 Euro Bargeld sowie Goldschmuck und Münzen und eine Faustfeuerwaffe, wie das Gericht bekannt gibt. Alle Täter hatten Kapuzen auf und trugen Handschuhe. Dem völlig verängstigten Opfer gelang es nach der „Home-Invasion“, einen Notruf abzusetzen.
Schon bald darauf geriet die rumänische Pflegerin des Paares ins Visier der Ermittler. Bei ihren ersten Einvernahmen hat sie noch gesagt, sie habe von dem Überfall in der Wohnung nichts mitbekommen, weil sie in einem Nebenraum geschlafen habe. Doch laut den Ermittlungen war sie an der Tat beteiligt und spielte eine wesentliche Rolle. Deshalb kam es nun zur Anklage gegen die Pflegerin. Ihr droht eine mehrjährige Haftstrafe.
Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.