Das sind die Schattenseiten der neuen Mobilität: Der Platz auf dem Radweg wird immer enger, die Gefahrenmomente nehmen täglich zu. Neuerlich ist es in Graz zu Kollisionen zwischen E-Scooter und Radfahrer gekommen, in beiden Fällen zogen die radelnden Verkehrsteilnehmer den Kürzeren und blieben mit schweren Verletzungen zurück.

Fall eins trug sich am Montagnachmittag kurz vor 14 Uhr auf dem Geh- und Radweg entlang der Keplerstraße zu. Ein 35-jähriger Grazer fuhr stadteinwärts und wollte einen E-Scooter-Lenker vor ihm überholen. Plötzlich schwenkte dieser nach links, wodurch die beiden zusammenstießen und stürzten. Ein kurzes Gespräch zwischen den Kontrahenten folgte, beide fuhren danach weiter. Erst später wurden die Schmerzen beim Radfahrer immer größer, im Spital wurde dann ein Schlüsselbeinbruch diagnostiziert – juristisch also eine schwere Verletzung.

Ebenfalls in der Keplerstraße, allerdings schon am Donnerstag der Vorwoche (ca. 14 Uhr), kam es zu einem ähnlich gelagerten Unfall. Eine 21-jährige Radfahrerin aus dem Bezirk Murau fuhr in Richtung Lendplatz und wollte die Radfahrerüberfahrt bei der Mariengasse queren. Ihr kam dabei ein E-Scooter-Lenker entgegen – laut den Angaben der Frau zu weit in der Mitte des Radwegs. Die beiden stießen zusammen, die 21-Jährige kam zu Sturz. Im Schock sagte sie dem Unfallgegner auf Nachfrage, dass alles in Ordnung sei. Erst bei der Untersuchung im Spital wurde dann die Fraktur im Handgelenk festgestellt.

Polizei sucht die beiden E-Scooter-Fahrer

In beiden Fällen bittet die Grazer Verkehrspolizei die unbekannten E-Scooter-Lenker, sich zu melden. Auch Zeugenhinweise zum Unfallhergang sind für die Klärung der Sachlage dienlich. Hinweise bzw. Meldungen an die Verkehrsinspektion 1, Tel. 059 133 – 65 4110.

Meldungen wie diese häuften sich zuletzt. Generell ist mit dem Boom der E-Scooter und deren oft missbräuchliche Verwendung (zu hohe Geschwindigkeit) deren Anteil am Unfallgeschehen stark gestiegen. Die am 1. Mai in Kraft getretene Novelle der Straßenverkehrsordnung ist eine Reaktion darauf. Seitdem müssen Jugendliche unter 16 Jahren einen Sturzhelm tragen, Klingel und Blinker am Lenker sind ebenso Pflicht. Nicht mehr erlaubt ist das Mitnehmen von Personen und das Transportieren von Gütern, außerdem gilt das Alkohol-Limit von 0,5 Promille.

E-Mopeds müssen ab Herbst runter vom Radweg

Erst ab Oktober geht es auch den „E-Mopeds“ an den Kragen. Diese dürfen dann nicht mehr auf Radwegen rollen. Außerdem gilt Führerschein-, Helm-, Versicherungs- und Kennzeichenpflicht.

junge Fahrradpolizistin in gelber Jacke
Stefanie Ninaus, Leiterin der Grazer Fahrradpolizei © LPD Steiermark/Huber

In Graz, wo naturgemäß die meisten Unfälle mit E-Scootern passieren, kündigte die Fahrradpolizei zum Saisonstart an, besonderes Augenmerk auf diese Verkehrsteilnehmer zu legen. Unser Ziel ist dabei nicht nur die Kontrolle, sondern vor allem auch Aufklärung und Prävention“, sagte Kontrollinspektorin Stefanie Ninaus, Leiterin der Fahrradpolizei in Graz. Manchmal geht diese Intention aber auch ins Leere, wie eine Kontrollaktion der Polizei vorigen Donnerstag am Murradweg zeigte. Zwei Jugendliche ignorierten die Anhaltezeichen der Streife und flüchteten mit hoher Geschwindigkeit auf ihren E-Scootern.