In Vorau war alles für einen feierlichen Festgottesdienst anlässlich des 60-jährigen Priesterjubiläums des allseits geschätzten wie beliebten, emeritierten Propstes Rupert Kroisleitner in der prächtigen Stiftskirche vorbereitet. Es wäre wohl ein freudiges, spirituell umrahmtes Volksfest zu Ehren des leutseligen Kirchenmannes geworden, der stets auf Augenhöhe mit den Menschen aus nah und fern war.

Doch der liebe Herrgott berief den hochdekorierten, geistlichen Würdenträger kurz davor am 3. Juli, exakt dem Tag, als er vor 60 Jahren in der Vorauer Stiftskirche zum Priester geweiht wurde, zu sich. Als Gast bei der Promotionsfeier des amtierenden Propstes Bernhard Mayerhofer in der Uni Graz erlitt Kroisleitner einen Herzinfarkt. Versehen mit der Krankensalbung verstarb er kurz danach im LKH Graz.

Ein Rückblick auf das goldene Priesterjubiläum: Dieses feierte Prälat Rupert Kroisleitner (2. v. l.) gemeinsam mit seinen ebenfalls „goldenen“ Priesterkollegen Heribert Lehenhofer, Peter Riegler und Matthias Schantl
Ein Rückblick auf das goldene Priesterjubiläum: Dieses feierte Prälat Rupert Kroisleitner (2. v. l.) gemeinsam mit seinen ebenfalls „goldenen“ Priesterkollegen Heribert Lehenhofer, Peter Riegler und Matthias Schantl © J. Zingl / Honorarfrei

Lebenslang Weichen gestellt

Nach dem Noviziat und der Ablegung der einfachen Profess studierte der gebürtige Wenigzeller Theologie in Innsbruck und danach Forstwirtschaft an der Universität für Bodenkultur in Wien. 1970 wurde Kroisleitner als Propst des Augustiner Chorherrenstiftes inthronisiert. Nachdem die erste Amtszeit auf zehn Jahre beschränkt war, erfolgte 1980 die Wiederwahl auf Lebenszeit. Aus gesundheitlichen Gründen legte er am 15. Mai 2000 das Amt zurück, hielt aber bis Ende September 2019 die ökonomischen Zügel des Stiftes weiterhin fest in den Händen. Von 2002 bis 2008 agierte Kroisleitner zusätzlich als Stiftsdechant.

Weitblick, Tatendrang und eine tiefe, inspirierende Spiritualität zeichneten den Verstorbenen aus. Unter seiner Ägide wurde baulich und ökonomisch so einiges im Chorherrenstift erfolgreich umgekrempelt und nachhaltig erneuert. Dass der imposante Gebäudekomplex in einem 1a-Zustand dasteht, ein Bildungshaus installiert wurde und die Fachschule St. Martin ihr Zuhause im adaptierten Vorgebäude der weiträumigen Anlage hat, zählt zu den Meriten von Kroisleitner. 

Kroisleitner 2023 bei der Weihe der ersten, steirischen Friedensglocke in Schölbing
Kroisleitner 2023 bei der Weihe der ersten, steirischen Friedensglocke in Schölbing © Privat

Weit über das Stift Vorau hinaus geschätzt

Auch die Neuordnung der wirtschaftlichen Ressourcen der stiftseigenen land- und forstwirtschaftlichen Besitzungen trägt seine Handschrift. Als ob die vielfältigen Aufgaben im Stift nicht schon genug gewesen wären, übernahm Kroisleitner weitere Funktionen in Kirche und Wirtschaft. So brachte er sich in diversen diözesanen Gremien, in der Superiorenkonferenz und in mehreren kirchlichen Vermögensfonds aktiv ein. Er war außerdem in den Aufsichtsräten verschiedener Banken tätig. Für sein öffentliches Wirken erhielt Kroisleitner zahlreiche Auszeichnungen und Ehrenbürgerschaften. Er war Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens des Landes Steiermark sowie des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich. 

Hier kann man Abschied nehmen

Ab kommenden Freitag ist der Sarg mit dem Verstorbenen in der Loretokapelle der Stiftskirche zur persönlichen Verabschiedung aufgebahrt. Am Montag, dem 13. Juli, wird um 13.30 Uhr in der Stiftskirche der Rosenkranz gebetet und danach das Requiem zelebriert.