Nach 15 Jahren großer Ankündigungen jener australischen Firma, die den Abbau in der Kärntner Lithiummine vorantreiben wollte, kommt es ganz anders. Der Abbau des Spodumens, das im Lavanttal tonnenweise lagert, wäre eine heimische Rohstoffquelle für den Bau von E-Auto-Batterien.

Aber die Besitzer, erst unter „European Lithium“, dann „Critical Metals Corp“, scheinen an dem Gestein nicht mehr interessiert zu sein: Erst wurde das Bergbauprojekt von European Lithium mehrmals in Aussicht gestellt, dann der Start mehrmals verschoben und jetzt scheint man einen gewinnbringenden Verkauf zu planen.

Sein Europageschäft hat das Explorationsunternehmen mit Sitz in Australien und Notierung an der australischen Börse mit dem Kauf der Mine im Grenzgebiet der Koralm zwischen Kärnten und der Steiermark begonnen. Das Vorkommen wurde mit Probebohrungen weiter untersucht.

Ein Stück Pegmatit aus dem Stollen mit dem lithiumhaltigen Gestein im Untergrund der Koralm (Archivbild)
Ein Stück Pegmatit aus dem Stollen mit dem lithiumhaltigen Gestein im Untergrund der Koralm (Archivbild) © APA/Anna-Maria Walli

Ein geschickter Börsengang durch einen Merger in den USA brachte mit Critical Metals Corp ein neues Unternehmen hervor, an dem man beteiligt ist. Der Wert des Lithiumvorkommens in Kärnten wurde hier eingebracht. Die handelnden Personen in beiden Firmen sind Tony Sage und Dietrich Wanke. Über einen Aktientausch soll nun der Kauf von European Lithium durch Critical Metals abgewickelt werden.

Gewinnbringende Aktiengeschäfte

Rund um die Spekulationen um einen Abbau bewegte sich auch der Börsenkurs auf und ab. Die neue Erzählung wurde ein Vorkommen Seltener Erden in Grönland, womit man auch das Interesse der US-Regierung weckte.

Behördlich ist das „Wolfsberg-Projekt“ auf der Weinebene noch nicht genehmigt, noch steht eine Gerichtsentscheidung aus, die erst final klären wird, ob eine UVP-Vorprüfung oder einzelne Materienverfahren nötig sind. Doch diese Frage spielt bald wohl gar keine Rolle mehr:

Wie Aktionäre informiert wurden, soll die Mine verkauft werden. Critical Metals Corp. wolle sich künftig auf das Tanbreez-Projekt in Grönland konzentrieren. Es gebe bereits starkes Interesse von vier chinesischen und einem europäischen, potenziellen Käufer. Geschätzter Wert: 104 Millionen US-Dollar.

Wertsteigerung auf das Zehnfache?

Einst im Eigentum der staatlichen Bergbaugesellschaft Minerex, dann der Bleiberger Bergwerksunion, verkaufte schließlich die Kärntner Montanindustrie das Projekt samt Schürfrechten um rund zehn Millionen Euro. Für die Australier wurde die Mine auch ohne Abbau zur „Goldgrube“. Sollte der Kaufpreis realisiert werden, wäre das eine stolze Wertsteigerung um das Zehnfache.

Die Anfrage der Kleinen Zeitung wurde seitens Critical Metals nicht kommentiert. Man dürfe „zum operativen Geschehen mit möglicher Aktienpreisrelevanz keine Auskunft geben“.

In der Vergangenheit übten der Bürgermeister der Anrainergemeinde Frantschach-St. Gertraud Günther Vallant (SPÖ), Bürgerinitiativen und Gegner auf steirischer Seite sowie Umweltorganisationen Kritik an dem Bergbauvorhaben. Befürchtungen wurden rund um die Auswirkungen auf das Grundwasser sowie das Verkehrsaufkommen durch den Lkw-Abtransport des Gesteins geäußert.

Henckel-Donnersmarck: „Zu kostenintensiv“

Die letztliche Verarbeitung und Aufbereitung zu batteriefähigem Lithium hätte den Plänen zufolge nicht in Österreich, sondern in Saudi-Arabien stattfinden sollen.

Vor 15 Jahren, als Lithium noch weniger nachgefragt war, bezeichnete Andreas Henckel-Donnersmarck, damaliger Geschäftsführer der Kärntner Montanindustrie das Projekt als zu kostenintensiv, weshalb man sich für den Verkauf der Schürfrechte entschieden hatte.

Und heute? Dietrich Wanke von European Lithium bzw. Critical Metals bezifferte den Kapitalbedarf für die Finanzierung des Vorhabens vor zwei Jahren noch mit 500 Millionen Dollar.

Entdeckt wurde das Lithium im Koralm-Weinebene-Massiv bereits 1966. 1983 wurden erste Erkundungsarbeiten durchgeführt, insgesamt 16.000 Probebohrungen folgten. Im Juni 2011 sicherte sich die australische East Coast Minerals die Schürfrechte für Lithium im kärntnerisch-steirischen Grenzgebiet. Das australische Unternehmen änderte seinen Namen: Global Strategic Metals NL, ECM Lithium AT bzw. European Lithium und als Critical Metals wechselt man in die Verkäuferrolle.