Vor dem Bezirksgericht in Wolfsberg parkt ein Bus mit der Aufschrift „Justizwache“, im Gericht selbst bewachen zwei bewaffnete Justizwachebeamtinnen eine der beiden Angeklagten, die sich an diesem Tag vor Richterin Britta Kollmann-Moritz wegen Sachbeschädigung und Diebstahl verantworten müssen. Zitternd sitzt die Angeklagte in Handschellen im Wartebereich, immer wieder laufen ihr Tränen übers Gesicht. Ums Eck auf der Stiege wartet die andere Angeklagte, ebenfalls sichtlich nervös.

Als die Richterin die Verhandlung eröffnet, ist die Ähnlichkeit der beiden Angeklagten schnell erklärt: Es handelt sich um Schwestern aus Wolfsberg, die sich seit zwei Monaten nicht gesehen haben, da die ältere von ihnen seither wegen Drogenhandel und Körperverletzung in Untersuchungshaft sitzt. Mit Anfang 30 ist sie vierfach vorbestraft.

In Handschellen vorgeführt

Nachdem die in Handschellen vorgeführte Schwester schon bald ihren Prozess am Landesgericht Klagenfurt hat, entscheidet die Richterin, dass die am Bezirksgericht anhängigen Vorwürfe auch gleich dort mitverhandelt werden. Also wird an diesem Tag nur der Strafantrag ihrer zweifach vorbestraften jüngeren Schwester, die Ende 20 ist, verhandelt. Viereinhalb Jahre hat sie sich nichts zuschulden kommen lassen. Bis zu besagtem Tag, vollgedröhnt mit Drogen. „Sicher bin ich schuldig“, sagt die Angeklagte und fügt hinzu: „Abstreiten lässt sich da eh nix, es ist alles auf Video.“ Gemeint ist ein Vorfall, auf dem die Schwestern auf Tabletten ein geparktes Motorrad mutwillig umgeschmissen haben. Der Schaden beträgt rund 500 Euro. Außerdem haben sie am Bahnhof einen Rucksack im Wert von 1300 Euro gestohlen.

„Ich war damals voll auf Benzos. Ich kann mich erinnern, dass wir den Rucksack genommen haben, aber nicht, was wir damit gemacht haben. Und als ich das Video mit dem umgeworfenen Motorrad gesehen hab‘, war das der volle Schock für mich. Ich hab‘ einen kalten Entzug gemacht und drei Wochen nur gekotzt. Ich greif das Zeug nie mehr an“, sagt sie mit Tränen in den Augen vor Gericht und bat um ein mildes Urteil. „Sie schauen auch besser aus“, findet die Richterin.

Sechs Monate Freiheitsstrafe

Richterin Kollmann-Moritz verhängt eine bedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten samt drei Jahren Probezeit. „Was heißt das jetzt?“, fragt die Angeklagte. „Wenn Sie in den nächsten drei Jahren nix anstellen, dann gehen Sie nicht sitzen“, erklärt die Richterin und mahnt: „Sie müssen sich zusammenreißen.“ Der angeklagten Wolfsbergerin fällt ein Stein vom Herzen: „Ich stelle sicher nix mehr an, immerhin will ich nicht wie meine Schwester enden. Es war mir eine Lehre, als ich das Video mit mir und dem umgeschmissenen Moped gesehen hab‘. Inzwischen habe ich mich für eine Therapie beim grünen Kreis angemeldet.“

Die Angeklagte „in Freiheit“ fragt abschließend, ob sie ihrer Schwester wenigstens noch kurz Tschüss sagen darf, fällt ihr um den Hals und sagt: „Ich komm‘ dich besuchen“, ehe ihre ältere Schwester in Handschellen abgeführt und wieder zurück in die Justizanstalt Klagenfurt chauffiert wird. Die Geschwister, die immer „Arsch und Hose“ waren, wie es die jüngere Schwester beschreibt, können ihre Tränen beim Abschied nicht zurückhalten.