Es ist ein internationaler Wirtschaftskrimi: Die Firma „AL Corporate GmbH“ lieferte 2023 Photovoltaik-Zubehör im Wert von mehr als 22 Millionen Euro nach Rumänien. Die EU fördert dies mit bis zu 90 Prozent. Es kamen aber nur 800.000 Euro in der Steiermark an, der Rest versickerte in Rumänien.
Im Frühling 2025 stellte die Firma die Lieferungen ein. Die Europäische Staatsanwaltschaft und die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien ermitteln. Vermutet wird, dass das Geld über Zwischenhändler in den rumänischen Wahlkampf floss. Hochrangige Politiker könnten darin verstrickt sein. Vor einem halben Jahr war Geschäftsführer Julian Kalcher (28) aus St. Ruprecht an der Raab noch zuversichtlich, dass das Geld wieder auftaucht.
Nun gibt es aber einen Konkurs: Kalcher brachte am heutigen Dienstag selbst den Antrag am Landesgericht für Zivilrecht in Graz ein. Es geht dabei um die 2021 gegründete „AL Corporate GmbH“ mit Sitz in Graz. Diese Gesellschaft ist laut dem Gläubigerschutzverband „Creditreform“ auf die Entwicklung und Umsetzung von Photovoltaikprojekten spezialisiert. „Sie wurde eigens für das Export-Geschäft in Rumänien gegründet“, sagt Kalcher.
Die Passiva betragen 7,22 Millionen Euro, die Aktiva nur 53.380 Euro. Das Unternehmen wird auf Antrag von Julian Kalcher geschlossen. Es gibt 26 Gläubiger, in erster Linie Banken und Versicherungen.
„Tagesgeschäft läuft weiter“
Wie steht es aber um dich Dachgesellschaft „Navitas Holding“ und andere Gesellschaften von Kalcher, der bereits im Alter von 21 Jahren die „Apfelland Energie“ in St. Ruprecht an der Raab gegründet hatte? „Diese eine Gesellschaft wird zivilrechtlich abgewickelt. Das Tagesgeschäft in den anderen Gesellschaften läuft aber normal weiter“, verspricht der betrogene Unternehmer. Es gebe zahlreiche nationale und internationale Projekte.
Und Kalcher, der 2024 einen Großauftrag in China unterschrieben hatte, betont auch: „Auch die strafrechtlichen Ermittlungen laufen weiter.“