Die Verschmelzung von IT und OT

Die zunehmende Integration von Informationstechnologien (IT) und Betriebstechnologien (OT) bringt Unternehmen Chancen zur Effizienzsteigerung, aber auch erhöhte Cyberrisiken.

© Adobestock/VisualStudio

Für gewöhnlich sind in Unternehmen die Bereiche Informationstechnologie (IT) sowie operationelle bzw. Betriebstechnologie (OT) in getrennten Bereichen angesiedelt. Der Grund dafür liegt vor allem in ihren unterschiedlichen Funktionen: Während sich IT in erster Linie um die Verwaltung, Verarbeitung und den Schutz von (geschäftlichen) Daten kümmert, hat die OT die Kernaufgabe, in industriellen Umgebungen Fertigungs- und Produktionsprozesse sowie die dafür notwendigen Maschinen zu steuern und zu überwachen.

IT-OT-Konvergenz

Unter dem Begriff „IT-OT-Konvergenz“ ist derzeit jedoch ein grundlegender Wandel im Gange, bei dem die beiden bis dato unternehmensintern isolierten IT- bzw. OT-Welten zunehmend verbunden werden. Diese Integration soll primär einen schnellen Datenaustausch zwischen den beiden Systemen ermöglichen. Das heißt, dass Echtzeitdaten aus dem physischen Betrieb (OT) rasch analysiert und von IT-Systemen beeinflusst werden können. Das Ziel dahinter: beschleunigte und verbesserte Entscheidungsfindungs- und Betriebsprozesse, weniger Fehler, optimierte Arbeitsabläufe und mehr maschinelle Autonomie – und letztendlich ein effizienter arbeitendes Unternehmen.

Man unterscheidet dabei drei Arten von IT-OT-Konvergenz: Bei der physikalischen werden OT-Geräte direkt mit IT-Netzwerken verbunden. Die Softwarekonvergenz integriert OT-Daten in IT-Systeme, und bei der organisatorischen Konvergenz werden die Arbeitsabläufe von IT- und OT-Abteilungen zusammengeführt.

Neue Cyberrisiken

Die zunehmende Integration von IT und OT ist ein wichtiger Faktor der Digitalisierung, birgt aber auch neue und erhöhte Cyberrisiken. Die bei dieser Verschmelzung entstehenden neuen Datenzugänge und Verbindungen zwischen den beiden Welten schaffen neue Angriffsflächen für Cyberkriminelle. Eine große He­rausfor­derung sind auch die stark abweichenden Sicherheitsanforderungen an die beiden Systeme: Im Fokus der IT-Sicherheit stehen vor allem der Datenschutz sowie die Gewährleistung der Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Informationen. OT-Sicherheit definiert sich vor allem über die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit industrieller Prozesse sowie über die Sicherheit von Mensch und Umwelt.

IT und OT haben hinsichtlich Sicherheit unterschiedliche Schwerpunkte und Ziele
© Adobestock/Gvozdikov
IT und OT haben hinsichtlich Sicherheit unterschiedliche Schwerpunkte und Ziele

Ganzheitliche Sicherheit

Die IT-OT-Konvergenz stellt Unternehmen vor viele neue Herausforderungen bezüglich Sicherheit. Denn nun müssen die Schwachstellen und Risiken beider Umgebungen berücksichtigt werden – und das nicht mehr in einer isolierten, sondern einer ganzheitlichen Sichtweise. Cybersicherheitsstrategien, die das ermöglichen, basieren auf dem Prinzip „Security by Design“, bei dem Sicherheit von Anfang an in alle Produkte und Lösungen integriert wird. Dahinter stehen Sicherheitsrichtlinien, -praktiken und -technologien, die das gesamte Ökosystem eines Unternehmens rund um Daten und industrielle Prozesse umfassen.

Sicherheitslücken

Was klassische OT-Systeme grundlegend von IT-Infrastrukturen unterscheidet, sind die definierten Lebenszyklen. Während OT nicht selten auf Jahrzehnte ausgelegt ist, hat IT wesentlich kürzere Lebenszyklen. Ältere OT-Architekturen können ­deshalb Probleme bei der Inte­gration moderner Sicherheitsprotokolle erzeugen, was umfassende Upgrades notwendig machen kann, um aktuelle Sicherheitsanforderungen zu erfüllen.

Indirekt mit dem Thema Upgrades bzw. Updates ist noch ein anderes Sicherheitsthema verknüpft: OT-Systeme, die Fertigungs- und Produktionsprozesse mit Maschinen etc. überwachen und steuern, können sich oft keine Stehzeiten für Updates oder digitale Wartungsarbeiten leisten. Denn diese wären mit teils erheblichen betrieblichen und finanziellen Auswirkungen verbunden. Sicherheitsupdates nur während definierter Wartungsintervalle zu machen, hat in einer isolierten OT-Umgebung funktioniert – im Rahmen der IT-OT-Konvergenz kann das aber gefährliche Sicherheitslücken erzeugen.

Die Verschmelzung von IT und OT soll Unternehmen effizienter machen
© Adobestock/frankb
Die Verschmelzung von IT und OT soll Unternehmen effizienter machen

Gut zu wissen: Was ist IT?

Die Informationstechnologie (IT) beschäftigt sich in erster Linie mit der Verwaltung und Verarbeitung von Daten, mit dem Ziel, ihre Verfügbarkeit, Vertraulichkeit und Integrität zu gewährleisten. Zu ihrem Bereich gehören Computer, Server und ähnliche Geräte, mit denen Daten gespeichert, abgerufen und übertragen werden können. IT ­arbeitet in der Regel mit Standardbetriebssystemen für datenzentrierte Aufgaben.

Sicherheit: Im Vordergrund der IT-Sicherheit steht die Vertraulichkeit der Daten.

Systemwartung und -aktualisierung: Erfolgt häufig und regelmäßig.

Konnektivität: Die IT setzt auf eine möglichst große Konnektivität. Das heißt, sie fördert bzw. ermöglicht den Datenaustausch sowie die Kommunikation von Systemen, Geräten oder Menschen über Netzwerke.

Datenmaterial: IT verarbeitet ein breites ­Spektrum an (Geschäfts-)Daten-Typen.

Gut zu wissen: Was ist OT?

Operationelle oder Betriebstechnologie (OT) steht für Hardware und Software, die für die Verwaltung, Steuerung und Überwachung von Maschinen, Verfahren und Prozessen in Bereichen wie Fertigung, Energie und Telekommunikation etc. entwickelt wurden. Ihr oberstes Ziel ist, die Effizienz, Sicherheit und Zuverlässigkeit von industriellen Prozessen zu gewährleisten. Dafür hat sie Kontrollmechanismen, die Ausfallzeiten reduzieren und die Produktion sichern sollen.

Sicherheit: Sicherheitsmaßnahmen in der OT konzentrieren sich vor allem auf die Sicherheit und Verfügbarkeit der physischen Prozesse und Geräte.

Systemwartung und -aktualisierung: Erfolgt im OT-Bereich nicht regelmäßig, sondern während bestimmter Wartungsfenster, um Betriebsunterbrechungen zu vermeiden.

Konnektivität: Grundsätzlich steht OT eher für Isolation, sie wird aber durch die Integration von Technologien für das industrielle Internet der Dinge (IIoT) zunehmend vernetzt.

Datenmaterial: Im OT-Bereich werden großteils Echtzeitdaten verarbeitet, die für die Überwachung und Steuerung von Indus­trieanlagen und -prozessen und die Aufrechterhaltung der betrieblichen Effizienz und Sicherheit unerlässlich sind.

Mehr zum Thema