Fast die Hälfte der Erträge klassischer Lebensversicherungen wird laut der Vergleichsplattform fynup durch Gebühren aufgezehrt. Während der Staat die private Pensionsvorsorge mit fondsgebundenen Lebensversicherungen durch die Befreiung von der Kapitalertragsteuer attraktiver machen wolle, kämen die Vorteile wegen hoher Kosten nicht bei den Anlegern an, kritisierten David Mayer-Heinisch und Andreas Treichl vom Vermögensverwalter froots.

Bei einem Ansparmodell mit monatlich 300 Euro über 30 Jahre und einer jährlichen Rendite von sieben Prozent würden vom von der Kapitalertragsteuer (KESt) befreiten Gewinn von rund 240.000 Euro durchschnittlich knapp 130.000 Euro an Versicherungen und Vertrieb gehen, berechnet das Vergleichsportal fynup anhand von Tarifen großer österreichischer Versicherer. Die steuerlichen Vorteile der fondsgebundenen Lebensversicherung würden dadurch weitgehend neutralisiert: Während die Befreiung von der KESt im Beispiel bis gut 67.000 Euro an Steuerersparnis bringen könnte, übersteigen die Gebühren diese deutlich. Bei einer konservativeren Renditeannahme wären die Kostennachteile noch gravierender, hält Andreas Treichl fest.

David Mayer-Heinisch, CEO von froots und Andreas Treichl
David Mayer-Heinisch, CEO von froots und Andreas Treichl © Roland Unger

Plädoyer für klare Gebührenregeln

Die 3. Säule des Pensionssystems stelle laut Treichl in einem hohen Ausmaß keine Vorsorge dar, sondern würde selbst im guten Fall die Ersparnisse nur erhalten. Dies sei ein „riesiges Problem“, kritisierte der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Erste Group, der nun bei froots als Investor und Berater tätig ist. Neben nicht ausreichender Finanz- und Wirtschaftsbildung liege dies auch an einem mangelnden Angebot an verständlichen, kostentransparenten Produkten. Steigende Lebenserwartung brauche eine langfristige Vorsorge, so Treichl, der auch für einen Ausbau der 2. Säule, also der betrieblichen Altersvorsorge, plädierte.

Andere Länder wie die skandinavischen Staaten hätten beispielsweise mit Gebührenregeln oder staatlich koordinierten Standardfonds effizientere Systeme geschaffen, so der frühere Banker. Sie hätten daher ein Pensionsvermögen, welches das Bruttosozialprodukt weit übersteige. Hierzulande seien die Rahmenbedingungen für private Vorsorge eigentlich extrem gut und würden nur nicht beim Kunden ankommen, sagte David Mayer-Heinisch, Gründer und CEO von froots, bei der Vorstellung des neuen Pensionssparprodukts des Unternehmens.

Prämienvolumen rückläufig

Insofern verwundere es nicht, dass das Prämienvolumen in der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge in den vergangenen 25 Jahren um gut 40 Prozent zurückgegangen sei und jenes in der Lebensversicherung um rund ein Drittel. Das sei natürlich auch das Ergebnis daraus, dass sehr viele Kunden schlechte Erfahrungen gemacht hätten, so Mayer-Heinisch, dessen Unternehmen nun selbst ein KESt-befreites Pensionssparmodell auf den Markt bringen will. froots fungiere dabei als Vermögensverwalter und als Makler des Versicherungsteils. Indem der Vertrieb ausgespart werde, sei es möglich, nicht notwendige Kostenblöcke zu vermeiden.