Siegfried Faschingbauer (Sigi, für alle, die ihn kannten) war, wie man so sagt, ein Mann von altem Schrot und Korn. Aufrichtig, impulsiv und charakterfest. Einer, der schon als Gründer eines Grafik- und Werbebüros unter Beweis stellte, dass man zugleich unternehmerisch und kreativ denken kann. Die Sujets und Kampagnen seiner Agentur Faschingbauer & Schaar sind Legende, seinen Arbeiten im Bereich Marke und Kommunikation war stets anzusehen, mit welcher Leidenschaft er Hirn und Herz einsetzte; in der Werbung legte er ebenso selbst Hand an wie in der Gestaltung des Grazer Airportmagazins „Via“, zu dessen Gründern er gehörte.
Sein Büro: eine „No-Computer-Zone“, wie er einmal stolz verriet, zugleich agierte er von seinem Schreibtisch aus als Mentor für junge Kreative. Eine Angewohnheit, die ihn auch in seiner zweiten Karriere nicht verließ: Mit knapp 60 übergab der 1940 geborene Grazer sein erfolgreiches Unternehmen an Sohn und Partner, um sich nur noch jenem Thema zu widmen, dem seine ganze Leidenschaft galt: der Kunst. Unglaublich, wie produktiv Faschingbauer war, als er seiner Schöpferkraft endlich ungezügelt ihren Lauf lassen konnte: Er schuf Zeichnungen, Gemälde, bildhauerische Arbeiten – darunter die Gedenkskulptur „Hartheim“ (2011), heute auf dem Pfad der Menschenrechte im Grazer Leechwald zu sehen. Er schrieb Essays, Romane, Philippiken, Satiren, die unter anderem im Wieser Verlag und in der edition keiper erschienen.
Immer wieder zeigte sich, dass sein Ideenreichtum am besten genreübergreifend funktionierte, sein multidisziplinäres Projekt „Der Tänzer“ etwa erschien als Roman, umfasste aber auch Bilder und Zeichnungen, die er ausstellte. Für seine Leidenschaften Schreiben und Zeichnen fand er im Lauf der Jahre die ideale Synthese: temperamentvolle Werke an der Schnittstelle von Schrift und Malerei. Diese „skripturalen“ Bilder wurden zu einem seiner Markenzeichen – so wirkmächtig, dass ihn die „Kleine Zeitung“ zu ihrem 120-Jahr-Jubiläum 2024 um die Gestaltung eines Titelblatts bat – ein Auftrag, den er glanzvoll ausführte.
Mit am erfüllendsten für den leidenschaftlichen Team-Spieler aber waren die breit angelegten Kooperationen, die er anstieß. Auch hier war er vielen Mentor, bei multidisziplinären Großprojekten, zu denen er Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichster Sparten und Ausrichtungen einlud, um mit ihnen gemeinsam Kunst, Fotografie, Literatur, Musik zu feiern, in Projekten wie „Kornblumen“ (2009), „Im Regen die Tinte“ (2015). Viel Weiteres war in Arbeit, in Vorbereitung, in Planung; ungebremster Einfallsreichtum prägte sein Leben auch noch weit jenseits der 80. Am Mittwoch wurde bekannt, dass Faschingbauer, als Schöpfer einzigartiger Schrift-Bild-Welt eine singuläre Erscheinung, am Sonntag in seinem 86. Lebensjahr gestorben ist. Er wird vielen fehlen.