Wenn nach einem Unwetter das Licht ausgeht, sind sie plötzlich die wichtigsten Menschen im Ort: die, die bei Regen, Sturm und in der Nacht ausrücken, Leitungen sichern, Kabel reparieren und dafür sorgen, dass der Strom wieder fließt. Genau diese Menschen will der Lange Tag der Energie heuer vor den Vorhang holen. Am 20. Juni öffnen mehr als 100 Energieschauplätze in der ganzen Steiermark ihre Tore. Das Motto lautet heuer: „Green Jobs“.

„Wir möchten unsere Mitarbeiter vor den Vorhang holen“, sagt Ulrich Michael Kiendler, Geschäftsführer der Firma Kiendler in Ragnitz, einer der größten privaten Energielieferanten Österreichs. Denn Energiewende bedeute nicht nur Photovoltaik am Dach oder ein Wasserkraftwerk im Tal. Es seien vor allem die Fachkräfte, die das System am Laufen halten – 365 Tage im Jahr. Wie wichtig sie sind, zeigte sich für Kiendler erst heuer wieder beim Schneechaos Ende Februar: „Wir waren mit 20 Mitarbeitern von Freitag zwei Uhr in der Früh bis Mitternacht und am Wochenende durchgehend im Einsatz. In weniger als 24 Stunden hatten wir 1600 eingehende Anrufe.“

14.000 Elektrotechniker dringend gesucht

Genau hier setzt der Lange Tag der Energie an: Er soll zeigen, wo erneuerbare Energie entsteht – und welche Berufe dahinterstehen. Landesrätin Simone Schmiedtbauer spricht von einer gewaltigen Herausforderung: In Österreich fehlen aktuell rund 14.000 Elektrotechniker. Gebraucht würden Installateure, Elektriker, Elektrotechniker, Starkstrom- und Fernmeldetechniker sowie Wirtschaftsingenieure.

Angesprochen werden sollen besonders junge Menschen, die „nicht nur demonstrieren oder sich auf die Straße kleben“, sondern als Fachkräfte selbst einen echten Unterschied machen wollen, so Schmiedtbauer.

Das E-Werk Kiendler, das fünf Kleinwasserkraftwerke, ein Sonnenkraftwerk und ein Biomasseheizwerk betreibt und jährlich rund 12,5 Millionen Kilowattstunden Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt, zeigt heuer besonders anschaulich, wie Energie zum Kunden kommt. Kiendler präsentiert sich am 20. Juni bei der Wirtschaftsmesse Kirchbach-Zerlach mit einem Lehrpfad „von der Erzeugung bis zur Steckdose“: mit Miniaturstationen, Netztechnik, Maststeigen und sogar einer Unimog-Kranfahrt.

Energiemarkt im Wandel

Firmeninhaber Paul Kiendler zeigt auf, wie stark sich der Energiemarkt verändert hat. Früher habe man Strom von einem Kraftwerk in die Ortschaften gebracht – „eine Lichtgemeinschaft“ nannte man das. Heute gehe es um Energiegemeinschaften, um dezentrale Erzeugung und intelligente Netze. „Wir bauen die Netze nicht mehr auf Teufel komm raus aus“, sagt Kiendler. Immer mehr Menschen würden ihren Strom selbst produzieren und sich vernetzen. Die große Frage sei daher: Wie kommt der Strom vom Dach, vom Wasser oder aus Biomasse möglichst intelligent dorthin, wo er gebraucht wird?

Antworten darauf gibt es am Langen Tag der Energie nicht in Vorträgen, sondern zum Anschauen, Angreifen und Ausprobieren. Wer wissen will, wie ein Wasserkraftwerk arbeitet, wie Wärme aus Biomasse entsteht, wie Kläranlagen Energie nutzen oder wie grünes Gas produziert wird, bekommt seltene Einblicke hinter sonst verschlossene Türen.

Paul Kiendler und Ulrich Michael Kiendler geben am 20. Juni bei der Wirtschaftsmesse Kirchbach-Zerlach Einblicke in die Welt der Energieversorgung – von der Erzeugung bis zur Steckdose
Paul Kiendler und Ulrich Michael Kiendler geben am 20. Juni bei der Wirtschaftsmesse Kirchbach-Zerlach Einblicke in die Welt der Energieversorgung – von der Erzeugung bis zur Steckdose © KLZ / Brutmann