Zu einem dramatischen Einsatz wurden Gernot Marhold, der Leiter des Bauhofs in Krottendorf-Gaisfeld, und seine beiden Mitarbeiter Andreas Pölzl und Matthias Spielhofer vor wenigen Tagen gerufen. „Der Anrainer des Storchennestes hat mich angerufen, weil er gesehen hat, wie ein Altstorch zu seinen Jungtieren geflogen ist und dort plötzlich umgekippt ist.“ In der Folge blieb der Storch regungslos liegen und ließ seine Flügel unnatürlich über den Rand des Horstes herunterhängen.

Bauhofleiter Gernot Marhold, der auch Kommandant der FF Krottendorf ist
Bauhofleiter Gernot Marhold, der auch Kommandant der FF Krottendorf ist © KLZ / Robert Preis

Marhold und seine Mitarbeiter rückten zur Bergung des Storches aus und fuhren mit einer Hebebühne zum Horst, in dem sich auch zwei Küken befanden. „Plötzlich ist der Storch mit letzter Kraft aus dem Nest geflogen und am Ufer der Kainach abgestürzt“, schildert Marhold. Pölzl und Spielhofer retteten die beiden Küken, währenddessen machte sich Marhold auf die Suche nach dem erwachsenen Storch, bei dem es sich laut Storchenbetreuer Josef Haberl um das Muttertier handeln dürfte. Schließlich meldete sich eine Spaziergängerin, die mit ihrem Hund unterwegs war und den Storch am Ufer der Kainach entdeckte. „Ich bin mit einem Handtuch durch die Kainach durch und habe den Storch an Land gebracht“, so Marhold, der den Storchenexperten Haberl kontaktierte. „Er hat uns vor zwei Jahren sehr unterstützt, als wir das Nest neu gemacht haben“, erzählt Marhold.

Haberl hatte bald einen Verdacht: „Anhand der vorgefundenen Situation war klar, dass es sich wahrscheinlich um akute Schwäche aufgrund einer Vergiftung handelt. Es war kein Erscheinungsbild einer klassischen Vergiftung mit Rattengift vorhanden. Der eine Storch hat dieses unbekannte Gift wahrscheinlich mit Futtertieren aufgenommen.“ Bei der Erstuntersuchung stellte sich heraus, dass nicht nur der Altstorch Lähmungssymptome zeigte, sondern auch eines der Küken. Während sich das andere Küken altersgemäß verhielt und selbstständig Nahrung zu sich nahm, mussten die anderen beiden händisch gefüttert werden. „Sie wurden umgehend dem Tierarzt Manfred Brandl gebracht“, so Haberl.
Nachdem der kranke Storch zum Füttern der beiden schon größeren Jungen ausfällt, wurden alle drei Tiere zur Storchenstation Tillmitsch gebracht.

Die beiden Küken im Horst im Ortszentrum von Krottendorf-Gaisfeld
Die beiden Küken im Horst im Ortszentrum von Krottendorf-Gaisfeld © Johann Haberl

Bereits am 4. Mai wurde laut Haberl in St. Martin am Wöllmißberg ein toter Storch ohne Anzeichen von Verletzungen gefunden. „Ob es hier Zusammenhänge gibt, wird man nie erfahren und man kann nur hoffen, dass keine weiteren Störche Gift aufnehmen“, betont der Storchenbetreuer. Das gesunde Küken der aktuellen Rettungsaktion wird auf jeden Fall auf der Storchenstation Tillmitsch aufgezogen und, wenn es soweit ist, ausgewildert. Inzwischen gibt es sechs weitere Küken unterschiedlichen Alters, die gerettet wurden, dort aufgezogen und danach fachkundig ausgewildert werden. „Alle Tiere werden ihr weiteres Storchenleben ohne Menschenbezug führen“, betont Haberl.

Storchenbetreuer Josef Haberl bei einem früheren Einsatz
Storchenbetreuer Josef Haberl bei einem früheren Einsatz © Brigitte Stromberger