Wie gefährlich sind die neuen Christfluencer, Julia Schnitzlein?

„Es ist egal, wer dich am roten Teppich gesehen hat. Was am Ende wichtig ist, ist, wer im Himmel ist wegen deiner Posts.“ Das sagt Millane Al Masoud, die bekannteste deutschsprachige Influencerin in Sachen Christentum. Sie hat mehr als acht Millionen Follower, hat ursprünglich mit Mode und Beauty begonnen und ist jetzt immer öfter in einer Richtung unterwegs, die momentan boomt. Bibelkunde und christliche Botschaften direkt über Social Media. Die Christfluencer erobern das Internet. Und ihre Aussagen klicken Millionenfach. Auch wenn sie so wie bei Millane Al Masoud klingen: „Als Frau musst du dich unterordnen, denn wenn der Mann sagt: So machen wir das. Dann machen wir das so.“

Das Christentum ist wieder modern, sogar der Vatikan hat das erkannt und Papst Leo hat 2025 sogar mehr als 1000 „Christfluencer“ eingeladen, um zu zeigen, dass man die Missionsarbeit dieser jungen Menschen, die vor allem auf TikTok und Instagram aktiv sind, sehr zu schätzen weiß. Auch in Österreich macht sich der neue Trend zum Glauben immer stärker bemerkbar. Zwar nicht in Mitgliederzahlen der beiden christlichen Kirchen, also der katholischen und der evangelischen, sondern in kleineren Gruppen, oft als „Freikirchen“ zusammengefasst. Diesen Zulauf registriert auch Julia Schnitzlein, selbst eine „Christfluencerin“ der ersten Stunde. Seit 2017 postet die evangelische Pfarrerin unter dem Namen „JuliAndTheChurch“ auf Instagram, um die Kirchen digital zu machen und für jüngere Menschen wieder attraktiv.

Wie blickt sie auf dieses Revival des Christentums? „Ich finde es gut, wenn die großen Kirchen, oder auch der Papst diese Bewegungen ernst nehmen und auch ich möchte ja über den digitalen Weg Menschen erreichen, aber es gibt viele sehr bedenkliche Strömungen bei diesen neuen Influencerinnen“, so Schnitzlein im fair&female Podcast. Auffällig, so die Pfarrerin, sei etwa, dass „ die Wertvorstellungen extrem konservativ und teilweise radikale sind. Also so etwas wie ‚Sex vor der Ehe‘ wird umfassend abgelehnt, also von den Mädchen, die sich bei mir zur Taufe anmelden und in die Kirche eintreten. Viele von ihnen sind dann auch bald wieder weg, weil ich ihnen zu liberal bin“, so Schnitzlein.

Auch die Deutsche Millane zelebriert diese Keuschheit und propagiert das „Aufsparen“ von Frauen – Männer werden in diesen Posts und Videos nicht angesprochen. Für viel Kritik sorgte ein Podcast-Auftritt von der Deutschen, in dem sie sagte, dass sich Frauen natürlich „unterordnen“ müssten, denn wenn man einen „Mann Gottes“ wollte, muss man „eben auch eine Frau Gottes sein“, so die mittlerweile mit einem christlichen Influencer verheiratete Millane im „Real Model Podcast“. Dass ein Frauenbild, das wieder sehr stark an Unterordnung geknüpft ist, aktuell wieder stark im Vormarsch ist, hat auch mit einem anderen Trend zu tun - den Tradwives. Das sind traditionelle Ehefrauen, die ebenfalls über die Sozialen Medien ein konservatives Bild einer Frau mit vielen Kindern und einer Arbeit am Herd und in der Familie transportieren.

Die Einflugschneise für vor allem junge Frauen der Generation Z sind aber Influencer, die tatsächlich oft aus dem „Self Care“ oder „Beauty“-Eck kommen. Besonders trendig ist der „Jesus Glow“. Der Clou dahinter: Wer regelmäßig betet und die Bibel studiert, strahlt von innen heraus und das macht sich auch an einer reinen Haut und einem gesunden Ausdruck bemerkbar. Schnitzlein sieht vor allem diese Vermischung von Lifestyle und Christentum problematisch. „Sie predigen und nehmen sich einzelne Bibelzitate heraus, um sie dann in den Kontext zu stellen, der eben gerade passt. Es hat aber doch schon Sinn, dass ein Theologiestudium Jahre beansprucht und gerade die Bibel-Interpretation viel Wissen voraussetzt.“ Und weiter: „Das geht für mich in Richtung Verschwörungstheorie und hat mit einem aufgeklärten Glauben nichts mehr zu tun.“