Trockenheit durch Klimawandel, rückläufige Erzeugerpreise bei explodierenden Produktionskosten sowie immer höhere Auflagen verschärfen den Druck auf die heimischen Milchbauern. Im Bezirk Leoben gibt 126 Milchviehbetriebe mit einer durchschnittlichen Herdengröße von 30 Kühen.
„Der Großteil der Bauern, 110, liefern die Milch zur Molkerei Berglandmilch, der Rest an andere Molkereien wie die Obersteirische“, erläutert Bernhard Zechner, Aufsichtsrat der Molkerei. Er betreibt eine Milchwirtschaft mit 150 Kühen, die 450.000 Liter Milch pro Jahr liefern. „Wir haben in der Produktion festgestellt, dass beispielsweise Vollmilch etwas rückgängig ist, dafür aber Milchprodukte mit hohem Eiweißgehalt boomen“, erklärt Zechner. Milchbäuerin Heidi Zechner aus Trofaiach stimmt ihm zu während Zechner hinzufügt: „Interessant dabei ist auch, dass der Käseabsatz permanent steigt und die Nachfrage nach Käseprodukten immer größer wird.“
Direktvermarktung nicht immer möglich
Nachfrage und Beliebtheit heimischer Produkte nimmt auch Anita Fraidl wahr, die seit Herbst 2025 mit ihren Produkten zweimal in der Woche auf dem Leobener Bauernmarkt vertreten ist. „Am Anfang war es ein Abtasten, aber jetzt läuft es sehr gut“, erzählt sie. Der Renner unter ihren Produkten sei die Butter im Glas, verrät sie. Wobei Judmaier dabei nicht unerwähnt lässt, dass Direktvermarktung für manche Betriebe nicht in Frage komme, weil es personalmäßig nicht zu schaffen sei.
Trotz dieser positiven Entwicklung haben die Landwirtinnen und Landwirte aber mit großen Problemen zu kämpfen, die im Moment vor allem der Trockenheit geschuldet sind. „Ein trockenes Frühjahr führte zu erheblichen Trockenschäden im Grünland und damit zu deutlichen Ertragseinbußen beim ersten Aufwuchs. Wie sich die Niederschlagssituation im kommenden Sommer entwickelt, bleibt abzuwarten – wir hoffen jedoch auf ausreichend Regen“, betont Kammerobmann Richard Judmaier.
Futterqualität leidet durch Trockenheit
„Die Konsumentinnen und Konsumenten können kaum ermessen, mit welcher Wucht uns diese Situation trifft. Die Trockenheit bedeutet nicht nur geringere Erntemengen, sondern wirkt sich auch spürbar auf die Qualität des Futters aus. Wenn die Futterqualität leidet, hat das unmittelbar Auswirkungen auf die Gesundheit unserer Kühe“, fügt Bäuerin Heidi Hirn hinzu. Bezirksbäuerin Barbara Pollinger ergänzt, dass es gerade jetzt so wichtig sei, dass sich die Konsumenten auf regionale Produkte besinnen.
Zu schaffen machen den Milchbauern auch die explodierenden Kosten für Treibstoffe, Energie, Dünger und weitere Betriebsmittel. „Innerhalb eines Jahres ist der Erzeugermilchpreis um 23 Prozent gesunken, auf 42,9 Cent“, erklären die Bauernvertreter. „Wir sind ja als Landwirte auch Unternehmer und müssen wirtschaftlich denken“, betont Judmaier. Mehr als 50 Cent pro Liter Milch wären für die Landwirte wünschenswert, betonen Zechner und Judmaier.
Hauptlieferanten für die Milch in Österreich sind übrigens kleine Familienbetriebe. In der Steiermark besitzt ein Milchviehbetrieb durchschnittlich knapp 24 Kühe. Im Vergleich dazu sind es in der Slowakei druchschnittlich 277 Kühe, in Neuseeland 440. „85 Prozent der steirischen Milch stammt von Bergbauernhöfen in meist steilen Lagen“, erläutert Kammerrat Helmut Ofner, Landwirt aus Kammern. Und er liefert noch eine Zahl: „Im vergangenen Jahr 2025 lieferten die Milchviehbetriebe im Bezirk Leoben 29,9 Millionen Kilo Milch.“