Katharina Haring ist eine spritzige Gesprächspartnerin. Die 21-jährige Jungbäuerin aus Wettmanstätten ist nicht nur ein bekennender „Daten-Freak“ und eine junge Frau, die nach ihrer Matura und einem Praxisjahr auf einer Farm in Kanada jetzt im elterlichen Betrieb für das gesamte Herdenmanagement der 100 Milchkühe verantwortlich ist. Sie erzählt auch, dass die Einführung des Gütesiegels „Tierhaltung plus Außenklima“, das der Betrieb nun schon im dritten Jahr führt, viel verbessert hat. „Wir haben in einen offenen Laufstall investiert, das hat mehr als 100.000 Euro gekostet, aber es geht dabei nicht nur darum, dass es unseren Kühen besser geht, sie gesünder sind und damit auch mehr Leistung bringen, sondern tatsächlich kriegen wir mit diesem Gütesiegel auch mehr Geld für unsere Milch.“ Vier Cent pro Liter.
Der Betrieb bei Deutschlandsberg ist ein intensiv geführter und konventionell, also kein Bio-Betrieb. Dennoch ist Katharina Haring dankbar über all die Kontrollen und die stärkere Transparenz, die durch das Gütesiegel eingeführt wurde. „Daten sind wichtig, sie erleichtern uns die Entscheidungen und die Transparenz ist auch für die Konsumenten wichtig, denn ich denke, dass über Wertschätzung auch Verständnis für uns Bauern kommt und da können wir natürlich selbst viel beitragen.“ 100 Kühe und eine jährliche Milchleistung von 1,2 Millionen Liter Milch - wie auf Katharina Harings Betrieb - ist für Österreich die Ausnahme, im Durchschnitt hat ein Milchbetrieb hier um die 25 Kühe
52 Euro monatlich für Milch, Käse & Co
Für Milchprodukte (Milch, Käse, Joghurt, Butter) geben Haushalte pro Monat etwas mehr als 52 Euro aus, es gibt allerdings auch einen Trend, der sich in den Einkaufswägen zeigt. Die Lust auf Protein führt in den Supermarktregalen zu mehr Nachfrage nach Sykr oder Cottage Cheese. Frische und hohe Qualität sind die beiden wichtigsten Kriterien bei Kundinnen und Kunden, durch die „Länger Frischmilch“ ist der Anteil an Haltbarmilch weiter zurückgegangen, die macht laut einer Erhebung der „Agrarmarkt Austria Marketing“ nur noch 23 Prozent aus, während Frischmilch auf 77 Prozent angewachsen ist. Ähnliches sieht man auch bei der Butter. Österreich war zwar nie ein großes Margarine-Land, aber der Anteil ist weiter schrumpfend (30 %), während die natürliche Butter mittlerweile bei 70 Prozent liegt.
Die Milch vom Betrieb in Wettmannstätten geht zur „Bergland Milch“ und zwar in die nächstgelegene Molkerei in Voitsberg. „Bei uns gibt eine Kuh im Durchschnitt 42 Liter Milch pro Tag“, erzählt Katharina, die aktuell auch noch gerade ihren Bachelor in Agrar-Technologie und Management fertigmacht, ehe sie im Herbst dann noch berufsbegleitend den Master für Agrar-Innovationen anhängt.
Gütesiegel auf fast allen Milchpackungen
Zum Weltmilchtag am 1. Juni zieht auch die AMA Marketing, die das „Tierhaltung plus“-Gütesiegel im Jahr 2024 eingeführt hat, Bilanz. „Das rot-weiß-rote AMA-Gütesiegel „Tierhaltung plus“ ist für Konsumentinnen und Konsumenten heute direkt im Milchregal auf 90 Prozent aller österreichischen konventionellen Milchpackungen und Milchprodukte sichtbar. So kommt mehr Transparenz ins Regal“, erklärt Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA Marketing.
Dass eine Teilnahme am Gütesiegel auch finanziell Vorteile hat, ist nicht nur Katharina Haring und ihrer Familie aufgefallen. Im Durchschnitt wird der Liter Milch um 2,2 Cent höher bezahlt. Insgesamt verdienen die heimischen Milchbauern dadurch 90 Millionen, die sie vorher nicht hatten. Natürlich müssen dafür, wie auch Haring erklärt, auch Investitionen für mehr Tierwohl getätigt werden. Mehr als 80 Prozent der konventionellen Milchviehbetriebe sind schon dabei, das sind 17.000 Betriebe in ganz Österreich.
Stefan Lindner, selbst ebenfalls Milchbauer in Tirol und bäuerlicher Vertreter im Vorstand des Milchverband Österreich, fasst es zusammen: „Wer sich die Entwicklung der Milchpreise ansieht, erkennt, dass der Tierwohlbonus der Molkereien für viele Betriebe stabilere und bessere Einkommen ermöglicht. Konsumentinnen und Konsumenten wünschen sich bessere Tierhaltung und genau diese Leistung wird auch abgegolten. Und natürlich merken auch die Bauern, dass es den Tieren besser geht“, so Lindner. Den Tieren geht es deshalb auch besser, weil das Gütesiegel viel vorschreibt. Etwa 120 Tage Bewegung auf der Weide, der Alm oder im offenen Stall zu ermöglichen. „Die Anbindehaltung ist in Österreich wirklich komplett vorbei“, so Lindner.
Palmöl im Futter ist Tabu
Dazu gibt es auch starke Qualitätsrichtlinien, was das Futter angeht. Es darf nur Futter ohne Palmöl und Palmkernöl geben und auch nur europäisches Soja gefüttert werden und die Tiergesundheit wird mit einem Monitoring auch konstant überwacht. Für Katharina, als „Daten-Freak“ keine Belastung oder eine unnötige Bürokratie, im Gegenteil. „Alle fünf Wochen kommt bei uns der Tierarzt schon allein für eine Trächtigkeitskontrolle und dabei werden auch alle Medikamente-Verabreichungen überprüft. Aber das ist nicht lästig, sondern toll, weil wir möchten ja Ursachenforschung machen und wissen, warum unsere Tiere überhaupt Medikamente benötigen. Dabei sind Daten und Fakten einfach eine super Grundlage“, so Haring. Ihre drei Geschwister arbeiten ebenfalls am Hof mit, allerdings nur in ihrer Freizeit