Das mit Mai zu Ende gehende Frühjahr war heuer statistisch gesehen viel zu trocken, die Grundwasserpegel sind schon seit Wochen niedrig. Wie massiv sich das in einzelnen steirischen Städten und Gemeinden widerspiegelt, ist dann noch einmal eine Nummer für sich.
In Bruck an der Mur etwa hat es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 129 Jahren noch nie so wenig Niederschlag gegeben. „Das bleibt auch dann der Fall, wenn es jetzt am Wochenende einige Schauer gibt“, erklärt Roland Reiter, Meteorologe bei Ubimet.
Abwenden könnten das nur noch knapp 30 Liter Regen pro m² bis Sonntag. Das gilt als äußerst unwahrscheinlich, eher dürften durch gewittrige Schauer ein bis zwei Liter dazukommen. Damit hat es seit 1. März nur um die 50 Liter pro m² geregnet.
Stress für Fauna und Flora
Diese langanhaltende Trockenheit stresst Fauna und Flora. Reiter ist auch passionierter Schwammerlsucher, kennt sich bei Pilzen und Schwämmen bestens aus. Die geringe Feuchtigkeit ist aus seiner Sicht derzeit ein besonderes Problem für die Entstehung des so genannten Myzels.
Das sind mikroskopisch kleine Fadensysteme, quasi die Wurzelgeflechte, auf denen die Pilze später wachsen. „Dieses Myzel sollte sich jetzt ausbilden und bräuchte dringend Feuchtigkeit. Die fehlt dem Boden aber“, so der Experte. Dadurch wackelt die Schwammerlsaison im weiteren Jahresverlauf.
Auch für die Landwirtschaft ist die Trockenheit ein Problem. „Die erste Mahd war nicht besonders ergiebig, wenn es nicht länger anhaltend regnet, merken Waldbesitzer und Bauern das heuer beim Ertrag.“
Zu wenig Futter auf den Almen
Rund 6000 Rinder im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag wären unter normalen Bedingungen schon auf den Almen. Aktuell warten hunderte Landwirte aber noch zu, durch die Trockenheit und damit verzögerte Vegetation gibt es noch nicht genug Futter, vor allem das Aflenzer Becken ist betroffen.
Auch dort herrscht Rekordtrockenheit: In der 43-jährigen Messgeschichte von Aflenz war der Frühling 2003 der trockenste. Damals verzeichnete man immerhin noch rund 100 Liter pro m² an Regen oder Schnee. Aktuell ist man mit etwas über 50 Liter pro m² nur bei der Hälfte dieses Tiefststands.