Hat er einmal Fährte aufgenommen, lässt Joe Posch nicht so schnell locker. Sei es nun in seinem Job als Kriminalbeamter oder in seiner Freizeit als Hobbyhistoriker. Die Geschichte – und die vielen Geschichten dahinter – hat den 62-Jährigen schon immer in ihren Bann gezogen. Bester Beweis: Die Bibliothek in seinem Zuhause in Jennersdorf. 920 Bücher findet man hier, in die der frischgebackene Pensionist nun umso häufiger abtaucht.

Joe Posch vor seiner fast 1000 Bücher zählenden Bibliothek
Joe Posch vor seiner fast 1000 Bücher zählenden Bibliothek © Privat

„Militärgeschichte und auch Sicherheitspolitik haben es mir angetan“, so der Mann, der in seiner Laufbahn im Bundeskriminalamt einiges erlebt hat. War er doch in den Bereichen Geldfälschung, Terrorismus, Waffendelikte, Einbruchskriminalität sowie Mord tätig. Auch Kriegsverbrecher jagte er. Sein Antrieb: „Ungerechtigkeiten aufdecken“, erklärt Posch, der seit 2007 auch als „Sachkundiges Organ für unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen“ ausgebildet ist.

Was ihn am Thema so fesselt? „Die absolute Tragödie, die sich die Menschen antun“, erklärt der Polizist, der die Besucher seines Vortrages an den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges in und rund um Fürstenfeld teilhaben lässt. Und das in 3D.

Der Geschichte auf der Spur: Joe Posch und Gaby Jedliczka (Museum Pfeilburg Fürstenfeld)
Der Geschichte auf der Spur: Joe Posch und Gaby Jedliczka (Museum Pfeilburg Fürstenfeld) © Carmen Oster

Gezeigt werden Luftaufnahmen von Fürstenfeld und Umgebung mit den Ortschaften Altenmarkt, Speltenbach und Dietersdorf. „Ich gehe hier auch auf Detailinformationen zur Bombardierung der Bahnanlage im Bereich Hauswiesenwald am 17. Oktober 1944 ein“, verrät Posch vorab.

Ebenfalls zu sehen: Aufnahmen vom 1. April 1945 entlang des Raabtales zwischen Neumarkt an der Raab bis nach Fehring, auf denen man den Vormarsch der russischen Truppen erkennen kann. „Es sind bislang die einzig bekannten Luftaufnahmen, die einen russischen Angriff zeigen“, betont der Hobbyhistoriker.

„Ich konnte auf einer Aufnahme am Rande von Jennersdorf ein kleines Einschlagsloch neben einigen Bombenkratern entdecken. Nach umfangreichen Recherchen konnten wir einen 250 Kilo schweren Bombenblindgänger freilegen. Er musste durch Sprengung im März 2020 vernichtet werden, da er einen äußerst gefährlichen Langzeitzünder hatte. Der Detonationsknall war weit über Jennersdorf hinaus hörbar“, so Posch.