„Magnifica Humanitas“ – Großartige Menschheit. So lautet der Titel des ersten großen Lehrschreibens von Papst Leo XIV.. Doch wo ist sie, diese großartige Menschheit? So möchte man fragen angesichts all der vom Menschen gemachten Katastrophen. Sie reichen vom Klimawandel über eine wachsende soziale Ungleichheit auf der ganzen Welt bis hin zu einer immer rücksichtsloseren Politik, die in der gewaltsamen Durchsetzung ihrer Interessen ein legitimes Recht erkennt. Die großartige Menschheit stellt sich derzeit ziemlich jämmerlich dar.
Der Papst ist das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken weltweit. Er hat aber auch das Selbstverständnis, sich mit seinen Lehrschreiben an die ganze Welt zu richten. Die katholische Kirche ist dabei nach wie vor eine mächtige Institution – jedoch auch eine mit fragwürdigen Praktiken: zu denken ist etwa an den systemischen sexuellen Missbrauch vergangener Jahrzehnte und den Erhalt patriarchaler Machtstrukturen ohne echte Teilhabe bis heute. Der Vatikan ist keine moderne Institution des 21. Jahrhunderts, sondern eine absolute Monarchie.
Muss sich der Papst deshalb mit öffentlichen Moralpredigten zurückhalten? Nein. Jede Stimme, die die Gefahren der Gegenwart beim Namen nennt, ist willkommen. Jede Stimme, die in einer zunehmend komplexen Welt einen ethischen Blick einnimmt, ist notwendig. Leo XIV. stellt in seiner Enzyklika den Menschen in den Mittelpunkt. Seine Kritik richtet sich darauf, dass die Kontrolle über Algorithmen und Daten bei wenigen Privaten liegt – und nicht bei den Staaten. Die Gefahr dieser Machtkonzentration in den Händen einer technokratischen Elite ist real. Wer legt Rechenschaft ab? Wer trägt Verantwortung? Wer entwirft und wer nutzt diese Prozesse und Daten? Was passiert, wenn wir der KI sogar Macht über Waffensysteme geben? Das sind Fragen, bei denen es um die Zukunft der Menschheit geht.
Leo XIV. fordert zu Recht angemessene rechtliche Rahmenbedingungen und eine strenge Regulierung – einschließlich einer bewussten Verlangsamung der KI-Entwicklung. Er formuliert es pointiert: die KI entwaffnen. Die Enzyklika hält auch für den privaten Gebrauch wertvolle Hinweise bereit. Eine übermäßige Nutzung von KI schwächt das eigene Urteilsvermögen und die Kreativität. Die Antworten, die KI-Systeme liefern, sind nicht objektiv, sondern stets vom Wertesystem derjenigen geprägt, die sie entworfen und trainiert haben. Und: Wer Chatgpt um Rat fragt, erliegt leicht der Illusion, man stehe in einer Beziehung mit einem echten menschlichen Gegenüber. All das führt zur Entmenschlichung. Die ethische Entwicklung und Nutzung der KI ist notwendiger denn je.
Als Mathematiker besitzt Robert Francis Prevost Sinn für technischen Fortschritt und die Möglichkeiten der Naturwissenschaften. Als Stellvertreter Christi auf Erden rückt er den Menschen ins Zentrum aller Entwicklung. Dieser Ansatz ist gesund und essenziell. Gelingt seine Umsetzung, kommen wir einer großartigen Menschheit wenigstens ein kleines Stückchen näher.