Wer im Alpengasthaus Schwabenbartl einkehrt, die Fölzklamm durchquert oder weiter über die Grasserhütte den Hochschwab besteigt, dem ist wahrscheinlich schon davor ein beträchtliches Bauwerk aufgefallen. Es steht am Ende des Fölzgrabens, ist vier Stockwerke hoch und genauso verlassen, wie es abgeschieden liegt. Die Fenster sind eingeschlagen, einige Graffiti zieren die Fassadenwände und der einstige Name ist, sowie die frühere Bedeutung, heute nur mehr schwer zu erkennen.
Als das „Fölzhotel“ ist es vielen aber noch ein Begriff. Unmittelbar gegenüber befindet sich einer von zwei gebührenpflichtigen Parkplätzen, von denen aus Bergsteigerinnen und Bergsteiger das Gebirge erwandern. Da dort selten viele Fahrzeuge abgestellt sind, wird die Schotterfläche auch von manchen als Teststrecke zum Erlernen des Autofahrens genutzt.
So richtig passt das Hotel nicht in diese Landschaftsszenerie, was samt seines abgelebten Anblicks eine Begründung für die Faszination sein kann, die es dennoch für viele ausübt. „Es fragt sich jeder, der vorbeikommt, was es damit auf sich hat“, sagt Andreas Rust. Der Fölzer lebt im oberösterreichischen Freistadt, beschäftigt sich aber weiterhin intensiv mit der Geschichte seiner Heimat. Dazu gehört auch das Sammeln alter Ansichtskarten. Vom Fölzhotel hat er viele. Einige davon hat er in seiner Dokumentation zur Hochschwabregion verwendet, die er vor vier Jahren publiziert hat.
Italienischer Ingenieur hatte Idee
Damals, Ende des 19. Jahrhunderts, machte die Inbetriebnahme der Thörlerbahn von Kapfenberg nach Au-Seewiesen die südliche Hochschwabregion auch für Städter zugänglich. Dieses Potenzial erkannte auch einer der Erbauer der Eisenbahnstrecke selbst, ein italienischer Ingenieur. Er ließ das „Alpenhotel Hochschwab-Fölz“ mit 40 Zimmern an günstigem Standort errichten. „Damals war es das größte Hotel in Aflenz“, so Rust. Fölz gehörte damals zur Gemeinde Aflenz, heute ist es ein Ortsteil von Thörl.
Rust erklärt weiter: „Es war für gehobene Persönlichkeiten gedacht, das einfache Volk hatte damals keine Zeit zum Wandern.“ Entsprechend feudal soll es eingerichtet gewesen sein, zur großen Erfolgsgeschichte wurde es deshalb aber nicht. Schnell wurde das Hotel durch diverse Hände gereicht, bevor es im Ersten Weltkrieg zu einem Erholungsheim umfunktioniert wurde. Nach verwelkter Blüte diente es wiederum nach dem Zweiten Weltkrieg noch als Ferienheim für Kinder, wie Alteingesessene wissen.
Lange vor der letzten Jahrhundertwende kam der Betrieb allerdings zum Erliegen. Seitdem ist wenig passiert. Zwar wurde das Dach vor Jahrzehnten noch erneuert, doch Restaurierungspläne blieben in der Schublade. Im Jahr 2018 erwarben Michael Friedrich und seine Frau das Grundstück nach der Insolvenz des Vorbesitzers. „Das Hotel war aber kein Grund für den Kauf, es war einfach dabei und ist eigentlich gar nichts wert“, erklärt er. Sie bewohnen das Nachbarhaus, das einst als Pferdestall diente und später auch als Jausenstation genutzt wurde.
Pappeln, Graffiti, Scherben
Dass das Interesse am verfallenden Fölzhotel bei manchen über die bloße Betrachtung von der Straße hinausgeht, wird nach einem Blick ins Innere deutlich. Dieser wird der Kleinen Zeitung gewährt, Friedrich will aber festhalten: „Die Leute sollen uns lieber fragen, als einzudringen und Dummheiten an die Wände zu malen.“ Neben Graffitis, bröckelndem Putz und Glasscherben gibt es nicht mehr viel von einst zu sehen.
Teile hat sich auch bereits die Natur zurückgeholt. So wachsen unter einer Dachschräge zwischen Glasscherben Pappeln heran. „Sollte ein Investor interessiert sein, sind wir bereit. Es müsste dann aber in gewissem Sinne dem Gemeinwohl zugutekommen“, sagt Friedrich und ergänzt: „Man müsste es aber komplett entkernen, was kein Privater macht.“ Somit wird der Status quo als „Lost Place“ wohl bestehen bleiben.