Wiewohl nicht als Programmmusik konzipiert, so konnte man beim zweiten, wunderbar lyrischen Satz, trotzdem die Steilküste von Duino samt Meer und Rilkes Wanderweg, wo er seine Elegien erdachte, förmlich sehen: Fünf unterschiedliche Landschaften aus der Alpen-Adria Region inspirierten Thomas Modrej zu seinem Klavierquintett „Landscapes from the Neighbourhood“. Darunter auch der Berg Mangart, Duino, Dalmatien, die Klippen von Dugi Otok und die Laghi di Fusine, die Weißenfelser Seen im Kanaltal.
Uraufführung zum Auftakt
Jetzt erlebte das knapp 20-minütige Stück beim Pfingstklang als Auftragswerk von „Klassik in Klagenfurt“ seine Uraufführung im Konzerthaus. Die Tonsprache des Klagenfurter GMPU-Professors basiert auf Jazz-Skalen, aber in einer kammermusikalischen, klassischen Rhetorik, einer Mischung aus Alt und Neu mit gut anhörbarer, mäßig moderner Musik mit kontrastreicher Ästhetik, vielen spätromantischen, impressionistischen Anklängen und einfühlsamen Kantilenen. Sie wurde vom fünfköpfigen Ensemble Organon hochkonzentriert, reich schattiert und tonrein musiziert.
Unverwechselbare Musiksprache
Wilfried Hedenborg und Sofiia Protasova (beide Violine), Natalia Kuleba (Viola), Rupert Schöttle (Cello) wie auch die Pianistin Ruzha Semova bewiesen ihre große Klasse, aber auch beim einzigen Klavierquintett von Dimitri Schostakowitsch – einem Stück voll unterdrückter Dramatik – das auf seinem großen Vorbild Johann Sebastian Bach mit einem Präludium und einer Fuge basiert. Die unverwechselbare und sehr persönliche Musiksprache, die glasklare Linienführung des Werkes, die Gebrochenheit einer Musik, die romantischen Überschwang vermeidet, wurden vorbildlich und virtuos wiedergegeben.
Komponist und Ensemble wurden bejubelt, diese bedankten sich mit einer Zugabe von Schostakowitsch.